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Grevesmühlen Diebstahl in der Klinik: Suche nach dem Täter
Mecklenburg Grevesmühlen Diebstahl in der Klinik: Suche nach dem Täter
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00:00 15.08.2014
Diebstahl ist eines der häufigsten Delikte. Oftmals machen es die Opfer den Tätern auch nicht allzu schwer.
Diebstahl ist eines der häufigsten Delikte. Oftmals machen es die Opfer den Tätern auch nicht allzu schwer. Quelle: Andreas Meyer
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Es ist eine seltsame Geschichte, die die Staatsanwaltschaft in ihren Akten zusammengetragen hat. Drei Frauen sind im vergangenen Sommer innerhalb weniger Tage in Boltenhagen bestohlen worden. Zwei Taten ereigneten sich in der Ostseeklinik, die dritte in einem Fitnessstudio im Ostseebad. Die drei Frauen kennen sich nicht, die Taten ereigneten sich alle an unterschiedlichen Orten. Und doch, so formuliert es die Anklageschrift, soll Martina S. (42) aus Quickborn die Diebstähle begangen haben. Es gibt keine Zeugen. Nur einen Zufall, der bei den Ermittlern auch ein Jahr nach den Diebstählen für Kopfzerbrechen sorgt.

Nachdem Miriam W., die sich damals mit ihren beiden Söhnen in der Ostseeklinik befand und sich mit der Angeklagten angefreundet hatte, Martina S. bei der Polizei als mögliche Täterin angegeben hatte, erwirkten die Ermittler einen Durchsuchungsbeschluss. Im Oktober 2013 fanden sie zwar nicht die 280 Euro, die aus dem Zimmer der Klinik von W. verschwunden waren, dafür aber die Portemonnaies von Britta W. und Marita R., die im Schwimmbad der Klinik beziehungsweise im Fitnesscenter des Ostseebades abhanden gekommen waren. Fein säuberlich in eine durchsichtige Plastiktüte gewickelt in der Kommode im Flur lagen die Beweismittel. Aber was beweisen sie überhaupt? „Ich habe die Tüte auf einer Radtour gefunden, die ich mit meinem Sohn gemacht habe“, sagt die Angeklagte Martina S. vor Gericht. Die 42-Jährige war damals auf einer Mutter-Kind-Kur in Boltenhagen. Ihr achtjähriger Sohn ist seit der Geburt krank, sie hat einen Minijob und lebt von dem, was das Jobcenter aufstockt. Sie hinterlässt im Gerichtssaal den Eindruck, dass das Schicksal es nicht gerade gut mit ihr meint. Aber lügt sie?

„Ja“, sagt Richter Hinrich Dimpker in seiner Urteilsbegründung. „Ich glaube kein einziges Wort von dem, was ich gehört habe.“ Aber da es keine Zeugen für die Taten gibt, lässt sich weder der Diebstahl noch die sogenannte Fundunterschlagung beweisen. Die würde aus juristischer Sicht in Betracht kommen, wenn Martina S. den Plastikbeutel in der Absicht an sich genommen hätte, den Inhalt für sich zu verwenden. Aber die Portemonnaies lagen mit den Geld- und Kreditkarten unbenutzt darin. „Ich habe die Kurve nicht gekriegt, die Sachen abzugeben“, beteuert die Angeklagte. „Natürlich habe ich gewusst, was das für die Frauen bedeutet, denen die Sachen gehören. Aber wie hätte ich denn dagestanden. Man hätte doch geglaubt, dass ich die Sachen gestohlen hätte.“

Davon sind die drei Opfer nach wie vor überzeugt. Auch wenn es keinerlei Anhaltspunkte dafür gibt. Britta W. erklärte, dass sie die befreundete S. in ihr Zimmer gelassen habe und diese gesehen habe, dass sie ihr Bargeld hinter den Büchern im Regal versteckte. „Das konnte sonst niemand wissen.“ Ob Martina S. jemals allein und heimlich in ihrem Zimmer war? „Die Chance dazu hatte sie, aber gesehen habe ich es nicht.“

Ähnliches gilt für den Diebstahl im Schwimmbad. Britta W., die damals ebenfalls mit ihrem Kind in der Klinik war, hatte ihre Brieftasche im Rucksack an die Garderobe des Schwimmbades gehängt.

Als sie kurze Zeit später etwas für ihre Tochter kaufen wollte, war das Portemonnaie verschwunden. Martina S. kannte sie zu diesem Zeitpunkt nicht. „Frau W. hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es Martina S. gewesen sein müsse“, sagt die junge Mutter vor Gericht aus. Ob die Angeklagte zu diesem Zeitpunkt überhaupt im Schwimmbad war? Niemand weiß es.

Marita R. (68) aus der Nähe von Boltenhagen ist ebenfalls fest von der Schuld der Angeklagten überzeugt. Denn schließlich wurde auch ihre Brieftasche bei der 42-Jährigen gefunden. Die hatte sie in einem Spind im Fitnesscenter eingeschlossen - den Schlüssel allerdings daneben liegen lassen.

„Das ist schon mehr als leichtsinnig“, betont der Staatsanwalt, der im Gegensatz zum Richter wenig Zweifel an den Erklärungen der Angeklagten hat. „Die ganze Situation ist seltsam. Aber es spricht einfach nichts dafür, dass sie die Taten begangen hat.“

Diebstahl
Paragraf 242 des Strafgesetzbuches definiert den Diebstahl aus juristischer Sicht: „Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
„Ich glaube Ihnen kein einziges Wort von der ganzen Geschichte.“
Richter Hinrich Dimpker in seiner Urteilsbegründung nach dem Freispruch



Michael Prochnow

15.08.2014