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Grevesmühlen Holzhaus für die Naturstation Groß Schwansee
Mecklenburg Grevesmühlen

Ein Holzhaus für die Umweltbildung in der Naturstation an der Ostsee in Groß Schwansee

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13:30 08.01.2020
Mitarbeiter der Firma Semrau Bau aus Kalkhorst bauen am Strandzugang 5 in Groß Schwansee einen Fischerkaten für die Naturstation. Etwa 300 Balken werden für Gerüst und Dachstuhl verbaut. Quelle: Malte Behnk
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Groß Schwansee

Die Umweltbildung direkt an der Ostseeküste hat bald eine neue, komfortablere Anlaufstelle in Groß Schwansee. Die Fischerkate für die Naturstation des Vereins „Naturraum Klützer Winkel“ wird gerade gebaut. Zum Saisonbeginn im April wird die Unterkunft fertig sein.

Fast 300 Balken verbaut

Handwerker der Firma Semrau Bau aus Kalkhorst sind damit beschäftigt, das Gerüst für Wände und Dach aufzustellen. „Es dürften so zwischen 200 bis 300 Balken sein“, sagt Mark Semrau über die Arbeit von zwei Tagen. Die Sohle des Holzhauses, das für Vorträge und andere Bildungsveranstaltungen genutzt werden soll, wurde bereits im Herbst gelegt. Jetzt kann der Aufbau dank des ausbleibenden Winterwetters erfolgen.

Programm von April bis Oktober

Von April bis Oktober finden Ostsee-Entdeckungstouren am ehemaligen Grenzküstenstreifen statt. Jahrzehntelang durfte der Küstenbereich zwischen Pötenitz und Steinbeck nicht betreten werden. Grenzsoldaten kontrollierten das Sperrgebiet. Die Natur konnte sich hier ohne große Störungen entwickeln.

Schulklassen können beim Ostsee-Programm die Küsten- und Flachwasserbereiche mit Fernglas, Kescher und Becherlupen erforschten und dabei die Tier- und Pflanzenwelt kennen lernen.

Informationen auf www.naturstation.com

Startort für riskante Flucht

An der Stelle der künftigen Naturstation stand früher eine Fischerkate, die ursprünglich zum Gutsbetrieb gehörte, dessen Zentrum das heutige Hotel Schlossgut Groß Schwansee war. In der Geschichte über den Mecklenburger Hans Much, der im Winter 1962 über das Eis der Ostsee aus der DDR floh, findet das Haus direkt an der Küste kurz Erwähnung. Es wurde dann aber bald im Zuge der Grenzsicherungsmaßnahmen abgerissen.

Elke Hohls (l.) und René Beutekamp erklären Schülern an der Naturstation in Groß Schwansee den Lebensraum Ostsee. Quelle: Malte Behnk

Umweltbildung seit 2016

Der Standort der Fischerkate wird seit 2016 für eine Naturstation zur Umweltbildung genutzt – bislang mit einem Bauwagen. Eröffnet vom Nabu-Kreisverband wird sie seit 2017 vom Verein „Naturraum Klützer Winkel“ betrieben. Seitdem haben Elke Hohls und andere Vereinsmitglieder Schulklassen, Kitagruppen, Urlauber und Einheimische empfangen und ihnen die Tier- und Pflanzenwelt erklärt.

Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums aus Schönberg sammeln Proben mit pflanzen und Tieren in der Ostsee. Quelle: Malte Behnk

Frühere Grenze ist besonderer Lebensraum

Da die Küste in der DDR fast völlig gesperrt war, konnten sich Tiere und Pflanzen hier ungestört entwickeln. Daher gibt es hier auch seltene Vögel wie den Sandregenpfeifer. Die Lebensräume an der Küste erklären Elke Hohls und ihr Team ohne den erhobenen Zeigefinger, sondern mit Information und Erklärungen. „Mit Naturerlebnissen können wir bei Besuchern das Verständnis dafür wecken, dass in bestimmten Zeiten einige Bereiche nicht gestört werden sollen“, sagt Elke Hohls.

Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums aus Schönberg und aus St. Petersburg haben an der Naturstation in Groß Schwansee den Lebensraum Ostsee mit Tieren und Pflanzen untersucht. Mit Lupen und Vergrößerungsgeräten schauten sich die Schüler Kleintiere und Pflanzen genau an. Quelle: Malte Behnk

90 Prozent Fördermittel für Bau

Für die Gemeinde Kalkhorst, zu der Groß Schwansee gehört, entstehen bei der Investition von etwa 100 000 Euro für den bau der Fischerkate relativ wenig Kosten. Über die lokale Leader Aktionsgruppe Westmecklenburgische Ostseeküste und das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) Westmecklenburg gab es 90 000 Euro Fördermittel. Als Eigenanteil bleiben etwa 10 000 Euro.

Holzhaus mit Solarstrom und Kompostklo

Gebaut wird ein reines Holzhaus mit Gründach, das möglichst eigenständig sein soll. Es bekommt eine große überdachte Terrasse etwa 16 Meter lang wird. „Spaziergänger oder Radfahrer, die hier auf dem Kolonnenweg unterwegs sind, sollen sich auch unterstellen können, wenn nicht geöffnet ist“, sagt Kalkhorsts Bürgermeister Dietrich Neick. Das Haus bekommt einen 25 Quadratmeter großen Schulungsraum, in dem auch eine Ausstellung Platz findet, einen Abstell- und einen Trockenraum für Wathosen und andere Kleidung sowie eine Komposttoilette.

Mit Solarpanels auf dem Dach wird Strom erzeugt, der für eine kleine Infrarotheizung und die Beleuchtung genutzt werden kann.Katharina Hain, die das Haus im Architekturbüro Nagtegaal entworfen hat, erklärte bei der Übergabe der Fördermittel: „Das Haus soll völlig autark sein.“

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Von Malte Behnk

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