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Grevesmühlen Ein Neuanfang inmitten von Fremden
Mecklenburg Grevesmühlen Ein Neuanfang inmitten von Fremden
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06:36 13.04.2015
Kommunikation mit Filzstift und Papier: Sozialarbeiter Roy Rietentidt (r.) schreibt Elsa seinen Namen auf. Elsa und ihre Familie aus Albanien haben als Flüchtlinge Unterschlupf im Landkreis Nordwestmecklenburg gefunden.
Kommunikation mit Filzstift und Papier: Sozialarbeiter Roy Rietentidt (r.) schreibt Elsa seinen Namen auf. Elsa und ihre Familie aus Albanien haben als Flüchtlinge Unterschlupf im Landkreis Nordwestmecklenburg gefunden. Quelle: Jana Franke
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Grevesmühlen

In Nordwestmecklenburg dezentral untergebracht – also außerhalb der Asylbewerberunterkunft an der Haffburg in Wismar, die aus allen Nähten platzt – sind derzeit 207 Menschen unter anderem aus Syrien, Albanien, Ghana, Afghanistan und der Ukraine. In den nächsten Tagen kommen elf dazu, die derzeit noch im Erstaufnahmelager für Flüchtlinge in Horst im Landkreis Ludwigslust-Parchim verweilen.

Roy Rietentidt kümmert sich um die Belange der Einreisenden. Seit einem Monat ist der 46-Jährige als Sozialarbeiter beim Landkreis angestellt. Noch weiß er nicht um alle 207 Schicksale. Dennoch gibt es Momente, die erahnen lassen, was die Menschen durchgemacht haben müssen. So besuchte Roy Rietentidt eine Frau aus Syrien. „Wir saßen in der Küche. Es war Durchzug und die Tür klappte zu“, erzählt er. Beide Hände habe sie sich an die Ohren gehalten und geschrien. Die Erinnerungen an Schüsse in der Heimat kamen hoch – für Roy Rietentidt bedrückend, wie er sagt. „Sie ist schwer traumatisiert“, glaubt er.

Ähnlich geht es vielen Flüchtlingen, die gerade nach Nordwestmecklenburg gekommen sind oder noch erwartet werden. Roy Rietentidt vermittelt auch zwischen den Asylsuchenden, Ärzten und Krankenhäusern. Zum Übersetzen nutzt er dabei sein Mobiltelefon. Er tippt seinen Satz auf Deutsch ein, das Handy übersetzt ins Russische. So kann er einer Frau aus Tschetschenien erklären, wann sie ihr Kind ins Krankenhaus bringen soll.

Acht Orte fährt der Sozialarbeiter im Landkreis regelmäßig in der Woche ab – mit seinem privaten Auto – und ist im Notfall auch am Wochenende für die Asylbewerber da. 1900 Kilometer legte er allein im März zurück.



Malte Behnk