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Grevesmühlen Ein Winter der Extreme: Pflanzen gedeihen in Schönberg ganz ohne Heizen
Mecklenburg Grevesmühlen

Ein Winter der Extreme: Pflanzen gedeihen in Schönberg ganz ohne Heizen

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13:55 17.03.2020
Der Schönberger Marktleiter Rolf Kolich (61) steht in einem Meer von Blüten. Die Pflanzen wuchsen im milden Winter besonders gut. Quelle: Jürgen Lenz
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Schönberg

Normalerweise ist der Winter die Heizperiode – auch in den riesigen Gewächshäusern des Blumen- und Pflanzenmarktes von Erich Rahlf und Söhne in Schönberg. Doch der Winter 2019/2020 war hier alles andere als normal. „Heizen mussten wir gar nicht – nicht einen Tag“, berichtet Rolf Kolich. So etwas hat der 61-Jährige noch nicht erlebt. Er leitet den Markt in Schönberg seit 2007. Rolf Kolich sagt: „So extrem wie in diesem Jahr war es noch nicht.“

Tatsächlich war der Winter 2019/2020 noch milder als der vorhergehende, in dem die Heizung des Blumen- und Pflanzenmarktes in Schönberg nur an wenigen Tagen lief. Mit einer Durchschnittstemperatur von rund fünf Grad Celsius war er nach Auskunft des Deutschen Wetterdienst der Wärmste in Mecklenburg-Vorpommern seit 138 Jahren. Der Durchschnittswert in den Monaten Dezember, Januar und Februar lag 4,8 Grad Celsius über dem langjährigen Mittelwert. Die Sonne schien 150 Stunden. Das sind vier mehr als im Schnitt.

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Jalousien für die sonnigen Tage

8000 Quadratmeter sind in der Gewächshausanlage in Schönberg unter Glas. Quelle: Jürgen Lenz

An sonnigen Tagen ließ der Computer Jalousien ausfahren damit die Stiefmütterchen, Veilchen, Primeln und Tausendschönchen nicht zu schnell wachsen. Das machte er in diesem Winter auch. Trotzdem wuchsen die Pflanzen schneller als sonst. „Bei uns ist im Prinzip alles fertig“, sagt Rolf Kolich. 350 000 Pflanzen blühen in den Gewächshäusern – hauptsächlich Stiefmütterchen, Hornveilchen, Tausendschön und Vergissmeinnicht. Die Nachfrage ist groß. An manchen sonnigen Tagen ist der Laden voll. Zu den Großkunden gehören Schlossgärten in Schwerin, Ludwigslust, Güstrow und Neustrelitz.

Gewächshausanlage mit wechselvoller Geschichte

1960 begann die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft „Edelweiß“ mit dem Bau einer Gewächshausanlage an der Feldstraße in Schönberg. Bis 1962 kamen 6000 Quadratmeter unter Glas. Gegründet wurde die GPG 1959 von Mitarbeitern der Schönberger Stadtgärtnerei sowie den Gartenbaubetrieben Gußmann und Bahr. 1960 schloss sich der Gartenbaubetrieb Nagel an. 1968 kam die Gartenanlage der Gemeinde Selmsdorf dazu, 1973 eine Gärtnerei in Dassow. 1991 löste sich die GPG auf. Die 1967 in Schleswig-Holstein gegründete Familienfirma Erich Rahlf und Söhne übernahm den Betrieb in Schönberg. Sie modernisierte die Anlagen und baute sie aus. In der Saison arbeiten 20 bis 25 Frauen und Männer in der Produktion und im Verkauf.

Vom 20. bis 22. März wollte der Betrieb zum Frühlingsmarkt inklusive Essen und Getränken einladen. Doch angesichts der Corona-Krise sagt die Firma die Veranstaltung ab, die in den vergangenen Jahren sehr gut besucht war. „Er findet nicht statt“, kündigte Rolf Kolich am Dienstag an. Der Blumen- und Pflanzenmarkt ist aber zu den normalen Zeiten weiter geöffnet. Der Hintergrund: Die Gartenbaubranche ist von den behördlich geplanten Schließungen in Deutschland nicht betroffen.

„Richtiger Frost kommt nicht mehr“

„Man kann die Frühlingsblüher jetzt unbesorgt pflanzen“, sagt Rolf Kolich. Er ist zuversichtlich: „Richtiger Frost kommt nicht mehr.“ Nicht schön sei etwas anderes: „Es hat im Prinzip zu viel geregnet im Winter.“ Das bestätigt der Deutsche Wetterdienst. Mit 165 Litern pro Quadratmeter regnete es in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Winter deutlich mehr als den meisten anderen Jahren. Der Durchschnitt liegt bei 130 Liter.

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Von Jürgen Lenz