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Grevesmühlen Eltern beklagen Unterrichtsausfall an Schulen
Mecklenburg Grevesmühlen Eltern beklagen Unterrichtsausfall an Schulen
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12:23 26.03.2018
Leere Klassenzimmer wegen Unterrichtsausfalls: keine Seltenheit im Landkreis Nordwestmecklenburg.
Leere Klassenzimmer wegen Unterrichtsausfalls: keine Seltenheit im Landkreis Nordwestmecklenburg. Quelle: Stefan Sauer
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Grevesmühlen

Stundenausfall – keine Seltenheit an Regionalen Schulen und Gymnasien im Landkreis. Aber: Der aktuelle Bericht des Bildungsministeriums Schwerin zur Unterrichtsversorgung im Schuljahr 2016/17 titelt: Unterrichtsausfall bleibt auf konstantem Niveau. Und das schon seit elf Jahren. Der originäre Unterrichtsausfall habe bei 2,1 Prozent gelegen – 0,1 Prozentpunkte mehr als im Schuljahr zuvor. So die nackten Zahlen, das Empfinden vieler Eltern ist allerdings anders.

Ganze Stoffgebiete fehlen

Von einem konstanten Niveau will auch Eberhard Schmidt nicht sprechen. Der Rentner aus Arpshagen bei Klütz (Nordwestmecklenburg) war Schulrat im ehemaligen Kreis Grevesmühlen und arbeitete mit seiner Frau Renate zuletzt als Vertretungslehrer für Mathematik und Physik am Gymnasium „Am Tannenberg“ in Grevesmühlen. „Wir unterrichteten in vier siebten Klassen mit Schülern von den Regionalen Schulen Proseken, Klütz und Grevesmühlen sowie von der Evangelischen Grundschule in Schönberg“, zählt er auf. Unterm Strich lasse sich sagen, dass die Schüler in Proseken nach Erzählungen am wenigsten von Unterrichtsausfall betroffen waren. Schüler aus Schönberg hätten von fünf verschiedenen Mathelehrern in der sechsten Klasse gesprochen und Schülern aus Klütz und Grevesmühlen, die von den Regionalen Schulen ans Gymnasium wechselten, hätten ganze Stoffgebiete gefehlt.

Unterrichtsausfall sei ein grundsätzliches, andauerndes Problem, meint der Vorsitzende des Kreiselternrates, Carsten Dieste. Er ist zugleich Vorsitzender des Schulelternrates an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Wismar und weiß: „Hier hat sich die Lage in den letzten Jahren immer weiter verschärft. Bei steigenden Schülerzahlen, jedoch konstantem Unterrichtsstundenkontingent ist Unterrichtsausfall an der Tagesordnung, auch außerhalb der normalen Krankheitshochzeiten“, schildert er und ergänzt, dass an der IGS nach letztem Stand 53 Unterrichtsstunden pro Woche nicht abgedeckt werden konnten. „Das entspricht fast zwei vollen Lehrerstellen.“

Auspowern durch Mehrarbeit

Lehrermangel, Überalterung, bevorstehende Verrentung und Unterrichtsausfall seien laut Carsten Dieste gewaltige Probleme, die der Landkreis, sogar das ganze Land habe. „Gut ausgebildete Lehrkräfte fehlen. Die vorhandenen leisten Mehrarbeit und powern sich dabei gänzlich aus, bis sie ebenfalls krank werden und ausfallen. Ein Teufelskreis.“

Die Absicherung von kurzfristig ausfallendem Unterricht erfolgt in eigener Zuständigkeit, also durch die Schulleitung. Sollte sie keinen Vertretungsunterricht gewährleisten können, werde die zuständige Schulbehörde beteiligt, um Ausfall zu vermeiden oder zu verringern, erklärt der Sprecher des Bildungsministeriums, Henning Lipski.

Das Schreiben des Vertretungsplans an der Regionalen Schule „Am Wasserturm“ in Grevesmühlen hat die stellvertretende Schulleiterin, Ute Koch, in der Hand. Täglich am Nachmittag wird er ins Netz gestellt, damit sich die Schüler und Eltern darauf einstellen können, falls Unterricht ausfällt. Gegebenenfalls wird er am Abend noch einmal geändert, wenn sich ein Lehrer krankmeldet. Stundenausfall in den ersten Stunden versucht sie zu vermeiden. Meist wird der in die letzten Stunden gelegt, wenn es nötig ist. Aber generell, so versichert sie, werde immer die Möglichkeit gesucht, dass Unterricht stattfindet. Fällt ein Kollege längerfristig aus, durch Krankheit oder Schwangerschaft, werde Kontakt zum Schulamt gesucht. „Unter dessen Beteiligung werden geeignete Maßnahmen ergriffen, zum Beispiel durch epochal erteilten Unterricht“, erläutert Ministeriumssprecher Henning Lipski. Soll heißen: Wenn Unterricht im ersten Halbjahr ausfällt, kann er im zweiten Halbjahr verstärkt erteilt werden. „Im Übrigen sind die Rahmenpläne so ausgelegt, dass nicht die gesamte Unterrichtszeit ausschließlich für neuen Stoff vorgesehen ist, sondern rund 40 Prozent der Zeit für Wiederholen und Vertiefen“, ergänzt er.

„Zum Thema Unterrichtsversorgung und -ausfall hatten wir im November vergangenen Jahres eine Mitarbeiterin des Schulamts im Kreiselternrat, die diese Wahrnehmung bestätigt hat. Sie erläuterte, wie das Amt diesem Problem begegnet. Neben der Einstellung von Referendaren (mit Ausblick auf eine Festanstellung an der gewählten Schule), Neueinstellungen von Lehrern und Quereinsteigern gibt es auch einen Pool von ehemaligen, verrenteten Lehrern, die eingesetzt werden können. Letzteres sei nur eine Übergangslösung. Bevor diese Maßnahmen greifen, fallen aber oft Forder- und Förderstunden – die ja eigentlich den Begabten und den schwächeren Schülern zustehen – dem Vertretungsunterricht zum Opfer. Ein fataler Systemfehler, wie ich meine, insbesondere für die ohnehin schon schwächsten in unser Gesellschaft – unsere Kinder. Aber besser Vertretungsunterricht als gar keinen Unterricht.“

Carsten Dieste, Vorsitzender des Kreiselternrates Nordwestmecklenburg

OZ

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