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Grevesmühlen Emotionaler Abend mit Wende-Geschichten
Mecklenburg Grevesmühlen Emotionaler Abend mit Wende-Geschichten
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22:37 30.09.2019
Erzählten von ihrem Leben in der DDR, in der Wendezeit und danach: (v.l.) Christof Oldenburg, Udo Rathke, Kirsten Huschke, Moderator Thomas Lenz, Horst Lederer und Matthias Sievert. Quelle: Annett Meinke
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Grevesmühlen

Es war ein Donnerstag und für die meisten ein einschneidendes Ereignis: der 9. November 1989. Zum 30. Mal jährt sich der Tag des Mauerfalls. Für die Stadt Grevesmühlen und die OZ Anlass, zu einer Podiumsdiskussion in die Nikolaikirche einzuladen.

Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler bezeichnete den Abend als einen emotionalen Moment. Er und Pastorin Maria Harder hatten es kaum zu glauben gewagt, dass so viele Menschen in die Kirche kommen. Mehr als 200 folgten den Erlebnissen der Gäste im Podium.

Dort Platz hatten neben einem gewohnt gut gelaunten Moderator Thomas Lenz vom NDR Platz genommen: Kirsten Huschke aus Grevesmühlen, die zum Zeitpunkt des Mauerfalls mit einer Freundin in Berlin telefonierte und während des Gesprächs von den Ereignissen überrascht wurde, Udo Rathke aus Plüschow, der unverhofft zum Wende-Bürgermeister wurde, Matthias Sievert vom Piraten Open Air, der in großen Teilen an das System glaubte, Lehrer Horst Lederer, der am 10. November 1989 vor einer ausgedünnten Klasse stand, und Christof Oldenburg, der in Groß Walmstorf aufwuchs und von seinem Begrüßungsgeld Turnschuhe kaufte.

Die Geschichten waren unterhaltsam. Kirsten Huschke schaute auf einer Klassenfahrt in einem Moskauer Schwarzkino einen amerikanischen Film mit Sylvester Stallon und russischen Untertiteln. „Ich hatte Angst, dass uns jemand erwischt“, erzählte sie schmunzelnd. Udo Rathke erinnerte sich an Vertreter aus den alten Bundesländern, die die Gegend nach der Wende regelrecht überschwemmten, um Versicherungen oder Haustüren zu verkaufen. Christof Oldenburg schilderte eine glückliche Kindheit, in der er zwangsweise draußen spielen musste, weil es kein Internet gab. „Heute kaum vorstellbar, aber wir sind auch ohne Nutella ausgekommen“, sagte er lachend. Matthias Sievert, seinerzeit auf dem Weg zum DDR-Fernsehmoderator, hatte damals schon Kontakt zu Berufskollegen aus dem Westen. „Die Menschen hatten ein völlig falsches Bild von uns, glaubten, hinter jedem Busch sitzt ein Russe mit einer Kalaschnikow und unter jedem Tisch ein Stasimitarbeiter.“

Es gab auch nachdenklich stimmende Momente. Die Tante von Matthias Sievert war stellvertretende Direktorin im Gefängnis. Er erfuhr schnell, dass Menschen mit anderer Meinung einfach weggesperrt wurden.

Die Gäste erlebten in mehr als zwei Stunden, dass sie mit ihren Erfahrungen und Gedanken nicht alleine sind. Auch wenn manche Geschichten bis heute und vielleicht für immer unerzählt bleiben, regte der Abend doch an, die Zeit nicht ganz totzuschweigen. Mehr lesen Sie am Mittwoch in Ihrer OZ.

Theaterstück „Linien“

Karten für das Theaterstück „Linien“, das anlässlich der Veranstaltungsreihe „30 Jahre Wende was und bewegt(e)“ stattfindet, gibt es für fünf Euro in der Stadtinformation. Gezeigt wird es am 14. Oktober im BürgerBahnhof.

„Linien“ ist ein Rechercheprojekt. Es erzählt von Familiengeschichten, von Auswirkungen politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse auf das Privatleben der Menschen.

Aus Platzgründen gibt es nur 50 Karten.

Von Jana Franke

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