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Grevesmühlen Erhebliche Schadstoff-Belastung in Wismars Goethe-Schule entdeckt
Mecklenburg Grevesmühlen Erhebliche Schadstoff-Belastung in Wismars Goethe-Schule entdeckt
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19:00 03.12.2019
Mit Teeröl getränkte Holzbalken wurden in diesem Raum der fünften und sechsten Klasse entdeckt. Quelle: Haike Werfel
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Wismar

Mitte Oktober haben die Sanierungsarbeiten an der Integrierten Gesamtschule „Johann Wolfgang von Goethe“ in Wismar begonnen. Der Landkreis als Schulträger lässt für fast 17 Millionen Euro den denkmalgeschützten Schulkomplex nicht nur instand setzen. Er wird auch zur Schule mit spezifischer Kompetenz erweitert.

Das heißt, Kinder mit Hör-, Seh- und körperlicher Beeinträchtigung werden künftig ebenfalls in der Gesamtschule lernen können. Geplant ist, dass sie zum Schuljahr 2021/22 wieder öffnet. Während der Bauarbeiten werden die derzeit 500 Goetheschüler in einer Containerschule im Stadtteil Friedenshof unterrichtet.

Knapp acht Millionen Euro Zuschuss

Der Bund hilft, die inklusive Beschulung umzusetzen. Das Land unterstützt die umfangreichen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen in der Goetheschule aus dem Kommunalinvestitionsförderprogramm. Landesbauminister Christian Pegel übergab am Montag den Zuwendungsbescheid über insgesamt 7,834 Millionen Euro an Landrätin Kerstin Weiss (beide SPD).

Bildergalerie zur Sanierung der Goetheschule

Impressionen aus der freigezogenen Goethe-Gesamtschule in Wismar.

„Ohne die Hilfe wäre die Gesamtfinanzierung nicht möglich gewesen“, bedankte sich die Landrätin für den Landeszuschuss und versicherte: „Wir werden uns bemühen, sowohl im Baukostenfenster als auch im Bauzeitenplan zu bleiben.“ Dafür wünschte Wismars Bürgermeister viel Erfolg, „gerade was den Bauzeitenplan betrifft“, sagte Thomas Beyer (SPD).

Derzeit werden in den Schulgebäuden Abbrucharbeiten vorgenommen, Schadstoffe beseitigt und Gewölbe gesichert. Dafür hatte der Landkreis eine Teilbaugenehmigung erhalten, um vorzeitig mit den Arbeiten beginnen zu können. In dieser Woche wird mit der kompletten Baugenehmigung gerechnet.

Erhebliche Schadstoffbelastung

So wurde im Nebengebäude, der ehemaligen Knabenbürgerschule, die Hausmeisterwohnung im Dachgeschoss zurückgebaut. „Hier sollen vier zusätzliche Klassenräume entstehen“, informierte Bauingenieur Sven Jantzen vom Planungsbüro MHB.

Er berichtete von einer erheblichen Schadstoffbelastung der Gebäude. Mit so viel hätten die Planer nicht gerechnet. Im Dachgeschoss sei zum Beispiel Schlackefüllung entdeckt worden. Sie verursacht einen beißenden Geruch. In den ehemaligen Räumen der fünften und sechsten Klassen wurde festgestellt, dass die Holzbalken mit Teeröl getränkt waren.

Bausubstanz aus Mittelalter

Der historische Schulkomplex am Wismarer Altstadtrand besteht aus einem Schulhauptgebäude, einem Chor der früheren Klosterkirche, der ehemaligen Knabenbürgerschule und mehreren Schulhöfen. Mit der komplexen Baumaßnahme verfolgt der Landkreis drei Ziele. Zum einen muss das Einzeldenkmal von Grund auf saniert werden. Einzelne Gebäudeabschnitte stammen aus der Zeit der Gotik im 14. Jahrhundert, aus dem Neoklassizismus im 19. Jahrhundert sowie aus der Zeit des Jugendstils des 20. Jahrhunderts.

Künftig Unterricht bis Klasse 12

Zum anderen ist die Bildungseinrichtung zu modernisieren. Künftig sollen hier Schüler von der fünften nicht mehr nur bis zur zehnten Klasse, sondern bis zum Abitur lernen. Deshalb wird das Raumangebot um vier Klassenräume erweitert. Außerdem wird die Funktionalität der Schule auf der Grundlage eines überarbeiteten Nutzungskonzepts verbessert. Schall- und Brandschutzmaßnahmen werden durchgeführt und ein Teil des Schulhofs neu angelegt.

Schulkomplex wird barrierefrei

Zu guter Letzt wird der Schulkomplex barrierefrei gestaltet. An die frühere Knabenschule wird ein Aufzug angebaut, der vom Keller- bis ins Dachgeschoss fährt. Im Keller werden die unterschiedlichen Fußbodenhöhen durch Rampen ausgeglichen. Akustische Maßnahmen sind für hörgeschädigte Kinder geplant sowie taktile Leitlinien auf Fußböden und Hinweise in Blindenschrift an Wänden für sehbeeinträchtigte Schüler.

Laut Burghard Bohm, Fachdienstleiter Bau und Gebäudemanagement beim Landkreis, sei die Baumaßnahme „eine sehr große Herausforderung und auch, den Schulbetrieb wie geplant 2021 wiederaufzunehmen. Das wird vermutlich nur ohne Aula und Turnhalle möglich sein“. Beides befindet sich im Chor, der Teil eines alten Klosters ist. Es wurde 1397 erbaut.

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Von Haike Werfel

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