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Grevesmühlen Es läuft: Andre Stache erhält den Erhard-Bräunig-Preis 2019
Mecklenburg Grevesmühlen Es läuft: Andre Stache erhält den Erhard-Bräunig-Preis 2019
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10:51 19.11.2019
Andre Stache (rechts) vom SC Laage Quelle: Rolf Barkhorn
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Wismar/Laage

Der Mann sprüht vor Energie. Andre Stache vom SC Laage läuft nicht nur selbst, er sorgt seit vielen Jahren dafür, dass sich vor allem Kinder und Jugendliche für den Sport begeistern, für den es neben Ausdauer vor allem Disziplin und Ehrgeiz braucht. Und davon hat Andre Stache, der als Seelsorger bei der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst Laage tätig ist, reichlich. Kaum eine Laufveranstaltung in MV, auf der seine Schützlinge nicht am Start sind. Wenn er denn nicht selbst in Laufschuhen unterwegs ist, Ferienfreizeiten oder Veranstaltungen organisiert. Und das seit 20 Jahren. Grund genug für die Jury, die den Preis für bürgerschaftliches Engagement im Ehrenamt vergibt, sich für den 54-Jährigen zu entscheiden. Einstimmig übrigens.

Die Laudatorin Rosemarie Wilcken. Quelle: Michael Prochnow

Die Laudatio am Montagabend im Wismarer Zeughaus für den rührigen Sportler und Ehrenamtler hielt Wismars langjährige Bürgermeisterin Rosemarie Wilcken. Sie sei immer wieder überrascht, wie Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, mit geringen finanziellen Mitteln, Großes bewegen würden, sagte sie bei der Preisverleihung. Doch man dürfe das Ehrenamt auch nicht überfordern, mahnte sie. Zuvor hatte sie den Namensgeber des Preises gewürdigt. „Wenn Hardy Bräunig mich heute hier sehen könnte, würde er sich die Augen reiben.“ Sie als Bürgermeisterin der Hansestadt Wismar und Bräunig als Landrat, beide starke Charaktere, seien ein ungleiches Paar gewesen, das sich im Laufe der Jahre zusammengerauft habe. Auch deshalb habe sie die Aufgabe übernommen, die Laudatio für den Preisträger zu halten.

Rosemarie Wilcken: „Seit bald 20 Jahren arbeitet unser diesjähriger Preisträger in einer Laufsportgruppe. Er organisiert Ferien- und Trainingslager oder die Teilnahme an Wettkämpfen. Gemeinsam mit den jungen Läuferinnen und Läufern hält er auch die Wettkampfstrecke seines Vereins im Stadtwald sauber“, betonte sie in ihrer Rede.

Wer war Erhard Bräunig

Der ehemalige Lehrer aus Grevesmühlen, Landrat von Nordwestmecklenburg und Bürgermeister der Gemeinde Plüschow starb 2015 nach einem Verkehrsunfall auf der B 105 zwischen Grevesmühlen und seinem Wohnort Naschendorf. Erhard Bräunig zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass der die Dinge in die Hand nahm, ganz gleich in welcher Funktion und Position er auch war. „Mensch, da müssen wir etwas machen!“, war einer der Sätze, mit denen man ihn beschreiben kann. Deutliche Worte waren sein Markenzeichen, privat und beruflich. Er war der erste Kuratoriumsvorsitzende der Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank und aus diesem Grund rief die VR Bank 2016 den Erhard-Bräunig-Preis ins Leben, mit 5000 Euro gehört die Auszeichnung für Ehrenamtler zu den am höchsten dotierten Preisen im Land. Hier gibt es alle Informationen zum Preis und zur Ausschreibung.

Um zu verstehen, wie groß der Stellenwert von Erhard Bräunig auch heute noch ist und wie die Menschen sein Vermächtnis bewahren, muss man sich ein Video ansehen und anhören, das sein Sohn anlässlich seines Todestages aufgenommen hat. Ein beeindruckendes Stück. Hier gibt es das Video. 

„Doch daneben zeichnet die Abteilung Laufen des Sportclubs Laage noch etwas anderes aus: Es geht darum, beim Laufen auch Werte zu vermitteln. Genau diese Werte sind es, die jungen Menschen auf ihrem Lebensweg mitgegeben werden müssen.“ Denn nicht der Schnellste würde das Tempo bestimmen, sagte Rosemarie Wilcken, sondern der Langsamste. „Und wenn eine Gruppe gemeinsam startet, dann muss sie auch gemeinsam wieder ankommen. Es geht also um Solidarität, um Gemeinschaftssinn, um Respekt – oder kurz gesagt: Es geht um Menschlichkeit.“ Aber natürlich sei auch Zielstrebigkeit wichtig, denn wer bei einem Wettkampf siegen wolle, der müsse besser sein als die anderen.

Der Lauftreff des Sportclub Laage ist längst eine Institution in Laage geworden. Rosemarie Wilcken: „Er ist der Motor, der die anderen antreibt, sie mitnimmt. Gleichermaßen stärkt der die Starken und die vermeintlich Schwachen.“

Das sind die bisherigen Preisträger

2018: Petra Haase vom Kulturkreis Carlow. Die sprichwörtlichen Ärmel hochgekrempelt haben engagierte Bürgerinnen und Bürger vor elf Jahren in einem kleinen Dorf in Westmecklenburg. Sie gründeten ein Festkomitee, um die Feiern zum 850. Geburtstag des Ortes auszurichten. Nun gibt es diese Jubiläumsfeiern vielfach in unserem Lande. Doch in diesem Dorf ging man einen entscheidenden Schritt weiter: Aus dem Festkomitee entwickelte sich ein Kulturkreis, der regelmäßig Kultur organisiert. Und diesen Kulturkreis gibt es nun schon elf Jahre.

2017: Das Netzwerk Doberan hilft ist weit mehr als nur noch Flüchtlingshilfe, sondern längst Hilfe für alle Menschen in der Stadt. Es ist bürgerschaftliches Engagement im Sinne von Erhard Bräunig, dessen Ausspruch „Mensch, da müssen wir was machen“ genau die Zielrichtung bürgerschaftlichen Engagements umreißt.

2016: Der Erhard-Bräunig-Preis für bürgerschaftliches Engagement im Jahr 2016 ging an Joachim Schünemann und Hans-Heinrich Dreves für den Förderverein zur Erhaltung der Kirche Friedrichshagen. Der Verein hat sich in den vergangenen Jahren in aufopferungsvoller Weise für den Erhalt und damit die Rettung der Kirche in der Gemeinde Upahl eingesetzt. Erhard Bräunig lebte in unmittelbarer Nähe der Kirche, auch er kämpfte als Bürgermeister für die Sanierung des Gebäudes und um Hilfe für den Verein.

Weiter betonte sie: „Nun wird Andre Stache wahrscheinlich sehr entschieden dem Eindruck entgegentreten, dass er ein Einzelakteur sei und dass der Lauftreff doch ein Gemeinschaftswerk vieler Sportlerinnen und Sportler ist. Damit mag er Recht haben. Dennoch muss uns klar sein: Ohne Menschen wie Andre Stache gäbe es in unseren kleinen Städten und Dörfern viel weniger Lebensqualität. Ohne Menschen wie Andre Stache gäbe es damit auch viel weniger Heimat. Denn nur wer sich bewegt, der wird die Welt um sich herum auch kennen lernen.“

Stache, der erst mit der Laudatio erfuhr, dass er der diesjährige Preisträger ist, reagierte, wie es seine Freunde gewohnt sind, mit einer klaren Ansage. Auf die Frage, was ihn antreibe, antwortete er: „Ich streite mich oft mit Politikern herum, weil ich viele Dinge nicht akzeptieren will. Zum Beispiel bei der Verteilung der Fördermittel kann es nicht sein, dass Kinder weniger Wert sind als Haustiere. Natürlich sind Haustiere wichtig, aber noch wichtiger sind die Kinder, die lernen, die Haustiere gut zu behandeln.“

So geht’s zur Bewerbung

Darum geht es bei der Preisverleihung

Der Erhard-Bräunig-Preis würdigt vorbildliches bürgerschaftliches Engagement einer Person oder mehrerer Personen, Initiativen oder eines Vereins. Es wird die Vorbildwirkung ausgezeichnet. Unter bürgerschaftlichem Engagement wird das freiwillige, nicht allein auf finanzielle Vorteile gerichtete und das Gemeinwohl fördernde Engagement verstanden. Gesucht werden Menschen, die ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen und Initiative entwickeln. Schwerpunkt kann das gesellschaftliche, soziale, kulturelle oder sportliche Engagement sein. Demokratie und Toleranz sind für die Preisträger eine Selbstverständlichkeit. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

So wird nominiert

Die Nominierung erfolgt per Vorschlag. Eine eigenständige Bewerbung ist nicht vorgesehen. Nominiert werden kann eine gemeinnützig anerkannte Initiative (Verein oder Stiftung) oder eine Privatperson, die stellvertretend für eine Initiative steht. Für die Nominierung können eine Einzelaktion und das Gesamtschaffen maßgeblich sein. Ein konkretes Projekt muss nicht nachgewiesen werden.

Die Adresse für die Bewerbung

Die Nominierungen sind für den Empfänger portofrei an folgende Adresse zu richten: Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG, Stichwort „Erhard-Bräunig-Preis“, Mecklenburger Straße 12–16, 23966 Wismar

Von Michael Prochnow

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