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Grevesmühlen Familiengeschichten füllen Greschendorfs Chronik
Mecklenburg Grevesmühlen Familiengeschichten füllen Greschendorfs Chronik
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16:03 20.11.2019
Manfred Rohde hat die Chronik für Greschendorf fertiggestellt. Historische Aufnahmen zeigen das Schulhaus Neu Greschendorf 1915 und die Familie von Wilhelm Baumann 1914 (Maria Baumann mit Sohn Erich) und 1916 (v. r. Wilhelm, Erich, Gertrud, Maria) Quelle: Sammlung Manfred Rohde
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Greschendorf

Die Dörfer im Klützer Winkel und ihre Geschichte haben es Manfred Rohde aus Grevesmühlen angetan. Ausgehend von Kalkhorst hat er einige Chroniken über Orte geschrieben, zu denen er bei der Recherche immer eine engere Beziehung aufgebaut und über die er auch immer eine kleine Neuigkeit entdeckt hat. Mit der Chronik über Alt und Neu Greschendorf hat er sich jetzt an den Rand des Klützer Winkels begeben, „weil eine Leserin meiner Bücher mich darum gebeten hatte“.

Neue Chronik

Seine Chronik über Alt und Neu Greschendorf von 1402 bis 2019 mit 204 Seiten und 125 Abbildungen ist für 25 Euro direkt bei Manfred Rohde unter Tel. 038 81 / 756 68 74 oder per E-Mail an mm-rohde@t-online.de erhältlich. Außerdem wird die Chronik bei UM-Foto in Grevesmühlen verkauft.

Die Dame, die heute in Berlin lebt, stammt aus Lübeck und hatte nach der Wende eine alte Häuslerei in Neu Greschendorf gekauft und wieder aufgebaut. „Nach dem Tod ihres Mannes wurde es weiterverkauft“, sagt Manfred Rohde über den Ausgangspunkt seiner eineinhalbjährigen Recherche für die 204 Seiten starke Chronik.

Zehn Hofstellen in „Gressendorpe“

Als „Gressendorpe“ gibt es 1402 die erste urkundliche Erwähnung. „Dabei handelt es sich um das heutige Alt Greschendorf, das lange alleine bestand“, sagt Rohde. „Es war ein Bauerndorf mit damals zehn Hofstellen, das dem Ritter Henryk von Quitzow aus Voigtshagen gehörte.“ Die Burg dieses Ritters kommt auch in Theodor Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ vor, als sich der Ritter Minkwitz dorthin flüchtet. 1758 gingen sowohl Voigtshagen als auch die dazugehörigen Ländereien wie Greschendorf in den Besitz des Landes Mecklenburg über.

Bei seiner Recherche hat Manfred Rohde viel über Familien erfahren, die in Greschendorf lebten. „Ich habe einige Nachfahren getroffen, die jetzt woanders wohnen. Sie haben mich in alte Familienalben blicken lassen“, sagt Rohde. So gibt es viele Aufnahmen der Familie Baumann, die er von Renate Faasch aus Tramm bekam.

Familie Baumann im Jahr 1916: (v. l.) Mutter Maria, Tochter Gertrud, Sohn Erich und Wilhelm Baumann. Quelle: Sammlung Manfred Rohde

Auch fast filmreife Anekdoten hat er in seiner Chronik aufgeschrieben. So tauchten 1806, Mecklenburg war von Napoleons französischen Truppen besetzt, drei Männer in französischen Uniformen im Dorf auf. „Sie waren wohl bewaffnet und forderten Speis und Trank. Die Einwohner sollten bis zum nächsten Tag all ihr Geld übergeben“, zitiert Rohde aus alten Aufzeichnungen.

Mysteriöser Blutfleck im Bauernhaus

Die Männer, die sich nur als Soldaten verkleidet hatten und die Dorfbewohner betrügen wollten, betranken sich aber zu sehr und wurden von den Greschendorfern totgeschlagen. „Man sagt, der Blutfleck auf der Diele des Bauern Koth wollte nie verschwinden“, sagt Rohde. „Das Haus existiert heute aber nicht mehr.“

Zimmermann erster Neu Greschendorfer

„Etwas später wurde Platz benötigt, damit sich kleine Handwerker ansiedeln konnten“, erklärt der Chronist. 1821 kam es also zur Gründung von Neu Greschendorf, das aber noch keinen Namen trug. „Es war eine Siedlung von Häuslereien und Büdnereien“, so Rohde. „1822 zog der Zimmermann Peitzner aus Kastahn in die erste Büdnerei.“ 1823 gab es schon 22 Einwohner und 17 Kinder.

Lehrerin unterrichtete 29 Jahre

Deswegen wurde 1824 in Neu Greschendorf eine Nebenschule der Hauptschule in Roggendorf eingerichtet. Die konnten auch die Kinder aus Alt Greschendorf besuchen, die so wesentlich kürzere Wege hatten. „Die erste Lehrerin, Frau Grüttner, hat dort 29 Jahre unterrichtet, bevor sie mit 71 Jahren in Rente ging“, sagt Manfred Rohde. „Danach haben die Lehrer viel öfter gewechselt.“

Das Schulhaus in Neu Greschendorf im Jahr 1915 zierte sogar eine Postkarte. Quelle: Sammlung Manfred Rohde

Erst 1831 taucht der Name Neu Greschendorf auf, das benachbarte Bauerndorf bleibt Greschendorf. In Manfred Rohdes Chronik folgen dann bald der Erste und Zweite Weltkrieg. „Auch aus so kleinen Dörfern mussten Männer an die Front“, sagt Rohde. „Ich habe aber nur ein Todesopfer aus dem Ersten Weltkrieg gefunden und drei Gefallene im Zweiten Weltkrieg“, so Rohde. „Da habe ich aber auch zu einem Mann ein Bild und die Todesanzeige sowie einen Auszug aus dem letzten Feldpostbrief.“

Pferderennen zum Höhepunkt der Inflation

Besonders findet Rohde auch die Geschichte um Pferdezüchter Friedrich Henckel, der in Greschendorf ab 1921 nicht nur Rennpferde züchtete, sondern auch mehrtägige Rennveranstaltungen abhielt, zu der mehrere tausend Besucher zum Teil mit dem Zug, der in Moor hielt, kamen. „Das muss man sich vorstellen, 1923 war der Höhepunkt der Inflation und er betrieb eine Pferderennbahn am Dorfrand“, sagt Manfred Rohde.

Von Malte Behnk

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