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Grevesmühlen Fischen für die Statistik: So werden in Grevesmühlen die Karpfen gezählt
Mecklenburg Grevesmühlen

Fischen für die Statistik: So werden in Grevesmühlen die Karpfen gezählt

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08:03 17.10.2021
Der Bootsanleger am Vielbecker See, jetzt wurden die Fischbestände überprüft (kleines Bild).
Der Bootsanleger am Vielbecker See, jetzt wurden die Fischbestände überprüft (kleines Bild). Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Die Sonne scheint, kaum ein Lüftchen weht und die Temperaturen bewegen sich im zweistelligen Bereich. Ideale Bedingungen für Michael Engling, Vorsitzender des Kreisanglerverbandes Nordwestmecklenburg, und Fischer Werner Loch, die sich an diesem Tag vom Boot aus beim Elektrofischen einen Überblick über den Fischbestand im Vielbecker See verschaffen wollen. Denn alle paar Jahre brauchen die Angler einen Überblick über das, was in dem Gewässer lebt. Ein Teil der Statistik stammt aus den Meldungen der Angler, doch nicht jeder Fang wird auch erfasst. Deshalb wird gezählt. Und dafür braucht es den Fachmann mit seinem Gerät: Werner Loch mit seiner Ausrüstung zum Elektrofischen.

Fischer Werner Loch (l.) und Michael Engling waren in diesem Boot unterwegs, um sich einen Überblick über den Fischbestand im Vielbecker See zu verschaffen. Quelle: Dirk Hoffmann

Die Methode ist simpel aber effektiv. Eine Elektrode wird an einem Kescher befestigt ins Wasser gehalten. Es ist der Pluspol, auch Anode genannt. Am Ende des Bootes befindet sich die Kathode. Dazwischen bildet sich ein Gleichstromfeld. Die Fische schwimmen sofern sie sich im elektrischen Feld aufhalten, zur Anode, wo sie dann mit dem Kescher eingesammelt werden können. Nach der Zählung werden sie wieder ins Wasser gelassen.

Das sind die Pläne für den Bootsanleger

Noch in diesem Jahr sollen am Bootsanleger am Vielbecker See die Sanierungsarbeiten beginnen. Laut Stadtverwaltung werden die alten Anlagen dort abgerissen. Rund 324 000 Euro wird die neue Anlegestelle samt Steganlage kosten. Der Fertigstellungstermin ist für das kommende Jahr geplant. Geplant sind eine Anlegestelle und ein Steg. Genutzt wird der Anleger durch den Angelverein Ortsgruppe IV.

Bis kurz nach der Wende gab es neben dem Anleger ein Bootshaus, das 1958 errichtet worden war. Die Abteilung Seesport der Gesellschaft für Sport und Technik betrieb dort Ruder- und Segelsport. Das Bootshaus hatten die Sportler damals in Eigenregie errichtet. Kostenpunkt für das Material für Steg und Haus damals: 5000 DDR-Mark.

So wird es auch an diesem Morgen gemacht: Lange dauert es nicht, bis Werner Loch und Michael Engling die ersten großen Karpfen zu sehen bekommen. Da muss selbst Engling staunen, denn so schnell sind sie sonst nicht zu kriegen. Ähnlich geht es wenig später den Hechten, Schleien und Plötzen weiter. Dass vor allem große Fische an die Oberfläche kommen, hat einen einfachen Grund. Denn beim Elektrofischen gilt die Faustregel: Je größer die Körperoberfläche, desto empfindlicher reagieren sie auf den Stromschlag. Umso größer ist auch die Chance, dass sie im Kescher landen.

Nur Aale lassen sich an diesem Tag nicht blicken. Weder Engling noch Loch wundern sich darüber, denn der Aal sitzt sehr tief im Grund des Sees. Dazu kommt seine geringe Fläche. Da gehört dann schon sehr viel Glück dazu, zumal ja auch nur die Schilfkante am Vielbecker See abgefahren wird.

Schwere Karpfen und viele Hechte

Zweimal fahren Michael Engling und Werner Loch an diesem Tag an der Schilfkante des Vielbecker Sees entlang. Dabei sind sie insgesamt gut vier Stunden unterwegs. Und mitunter sei das schon anstrengend, wie Engling meint, der das Boot mit einer langen Stange abstößt. Aber es hat sich gelohnt, um einen aktuellen Stand über die derzeitige Situation zu bekommen. So lassen die in dieser kurzen Zeit gefangenen 23 über 60 Zentimeter großen und etwa fünf bis sechs Kilogramm schweren Karpfen auf einen guten Bestand schließen.

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„Außerdem haben wir im Vielbecker See auch noch viele Hechte. Aber sie sind nicht mehr so groß wie noch vor einigen Jahren. Das bedeutet: Sie werden gut geangelt“, so Engling. Ebenfalls gut im Bestand sind Schleie. Aber es gibt nach Einschätzung des Kreisanglerverbands-Vorsitzenden anscheinend nicht mehr so viele wie vor drei Jahren, als es hier die letzte Bestandsaufnahme gab.

(links) Fischer Werner Loch mit einer über 40 Zentimeter langen Schleie. (rechts) Michael Engling mit einem 70 Zentimeter langen und etwa sechs Kilogramm schweren Karpfen. Quelle: Michael Engling, Dirk Hoffmann

Karpfen vermehren sich gut

„Ich bin ganz zufrieden“, zieht Michael Engling ein positives Fazit, was den Bestand betrifft. Überrascht haben ihn die großen Plötze in dem Vielbecker See. Damit war vorher so nicht zu rechnen. Außerdem laufe nach seiner Aussage die Reproduktion sehr gut. Deshalb sei auch zu überlegen, ob die jetzt demnächst vom Kreisanglerverband wieder eingesetzten 400 Kilogramm an Karpfen auch in Zukunft in diesem Umfang notwendig sind.

Schuppen- und Spiegelkarpfen sowie Hechte und Schleie wurden im Vielbecker See in Grevesmühlen für die Bestandsaufnahme gefischt und danach wieder eingesetzt. Quelle: Michael Engling

Auf der anderen Seite wollen die Angler natürlich ihrem Hobby nachgehen können. Denn wer nichts fängt, der verliert auch irgendwann die Lust an diesem Sport. So geht es nach Darstellung von Engling schon seit längerer Zeit allen, die in der Stepenitz fischen. Der Fischotter ist dort meist schneller als die Angler und frisst ihnen die Fische quasi vor der Nase weg. Sein Appetit ist größer als man meinen mag. „Fischotter fressen täglich etwa ein Kilogramm Fisch“, so Engling.

Fischotter frisst täglich ein Kilogramm Fisch

Im Vielbecker See besteht die Gefahr, dass Fischotter sich an den Vorkommen an Fisch bedienen, nach derzeitigen Erkenntnissen nicht. Dazu ist der See wohl zu zentral gelegen. Denn Lärm wie von der naheliegenden Bundesstraße 105 oder auch Spaziergänge mit Hunden am See stört die empfindlichen Tiere, die saubere und sehr ruhige Gewässer bevorzugen.

Ob das ewig und dauerhaft so bleibt, kann natürlich auch Engling nicht mit Gewissheit sagen. Sagen kann der Vorsitzende des Kreisanglerverbandes Nordwestmecklenburg aber, dass der Vielbecker See einen sehr guten Fischbestand habe und ein idealer Ort zum Angeln sei.

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Seit 2010 bewirtschaftet der Kreisanglerverband dieses Gewässer. Es wird darauf geachtet, dass es möglichst auch nur von den Mitgliedern genutzt wird. Apropos Mitglieder: An sie hat Michael Engling die Bitte, dass sie auf den Angelkarten regelmäßig ihre Fänge eintragen. Das soll keine Überprüfung sein, ob sie sich an die Vorgaben halten, zum Beispiel täglich nicht mehr als zwei und wöchentlich nicht mehr als vier Karpfen zu angeln. Es sei aber wichtig, um eine noch bessere Kenntnis der jeweiligen Bestände im Vielbecker See zu haben. Denn das Elektrofischen sei nur eine Momentaufnahme.

Von Dirk Hoffmann