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Grevesmühlen Warum die Grevesmühlener seit 26 Jahren in Weißrussland helfen
Mecklenburg Grevesmühlen Warum die Grevesmühlener seit 26 Jahren in Weißrussland helfen
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08:49 22.05.2019
Am Freitag, 24. Mai, startet der nächste Hilfstransport von Grevesmühlen nach Lida in Weißrussland. Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen/Lida

Seit mittlerweile 26 Jahren gibt es die Lidahilfe in Grevesmühlen. Seitdem sind tausende Tonnen Hilfsgüter aus Deutschland in die 100 000 Einwohner zählende Stadt in Weißrussland gebracht worden. Im vergangenen Jahr gab es eine Jubiläumsfeier in Lida zum 25-jährigen Bestehen, an der auch Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler teilnahm. Und dennoch gibt es auch kritische Fragen zu dem Thema. Immer wieder hinterfragen Menschen die Arbeit der Mitglieder der Lidahilfe. Einige dieser Fragen beantwortet an dieser Stelle Michael Prochnow, Redakteur der Ostsee-Zeitung und seit 1997 Mitglied der Lidahilfe.

26 Jahre Hilfstransporte nach Lida, geht es den Menschen dort immer noch nicht besser?

Doch, das Leben in Weißrussland hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verbessert. Die ehemalige Sowjetrepublik präsentiert sich nach außen mit sauberen und sanierten Städten, neuen Straßen und Autobahnen, vollen Einkaufszentren und vielen Investitionen. Doch hinter den Fassaden sieht es nicht überall so aus, viele Bereiche brauchen sehr viel mehr Zeit, um sich zu erneuern, das Gesundheitswesen ist ein Beispiel. Das Aussterben der Dörfer ist ebenfalls ein großes Problem, die jungen Leuten ziehen in die Städte, die Alten bleiben zurück. Menschen mit Behinderung erhalten zwar Hilfe vom Staat, doch die reicht oft nicht, und sie erreicht nicht alle Betroffenen. Die Lidahilfe bringt zum Beispiel für das psychiatrische Kreiskrankenhaus, das nach und nach saniert wird, Betten, Möbel und Hygieneartikel, die dringend benötigt werden. Der ehrenamtlich arbeitenden Behindertenverband, der keine staatliche Hilfe erhält, ist zum Beispiel ein langjähriger Partner. Das Sozialamt und die Schulen der Stadt ebenso.

Warum wird seit 26 Jahren immer nur die gleiche Stadt angefahren?

Michael Prochnow, Lidahilfe-Mitglied seit 1997. Quelle: Michael Prochnow

Weil bei der humanitären Hilfe vor allem Kontinuität zählt. Ende der 1990-er Jahre, als Teile der Bevölkerung in Weißrussland hungerten, Lebensmittel rationiert waren, die Wirtschaft am Boden lag und etliche Hilfsorganisationen spontane Transporte organisierten, brach regelrechtes Chaos aus, auch bei der Hilfe. LKW-Ladungen mit Konservendosen aus den USA, mit denen niemand etwas anfangen konnte, landeten in irgendwelchen Lagerhäusern, Schulmöbel wurden an Krankenhäuser geliefert, obwohl dringend Hygienartikel gebraucht wurden, oder tonnenweise wurden gebrauchte Schulbücher an die Universitäten übergeben, die auf richtiges Lehrmaterial gehofft hatten, und das sind nur ein paar Beispiele. Es gab Organisationen in Weißrussland, die trotz akuter Notsituationen damals Hilfe ablehnten, wenn die Hilfsorganisationen nicht zusichern konnten, dass ein kontinuierlicher Kontakt aufgebaut werden würde. Dass die Helfer im nächsten Jahr wiederkommen würden. So wie die Lidahilfe aus Grevesmühlen.

Verlassen sich die Menschen inzwischen nicht zu sehr auf die Hilfe aus Grevesmühlen?

Nein, zwar werden beispielsweise das Sozialamt der Stadt und der Behindertenverband jeweils einmal pro Jahr mit mehreren Lkw-Ladungen Kleidung, Rollstühlen, Rollatoren und medizinischen Hilfsmitteln versorgt. Das gehört inzwischen zum festen Programm, weil der Bedarf immer noch sehr groß ist. Aber das Ziel der Empfänger ist es, dauerhaft ohne die Hilfe auszukommen. Wir unterstützen sie dabei. Und die positive Entwicklung ist zu sehen. Das Sozialamt zum Beispiel richtet mit unserer Hilfe Seniorenstützpunkte auf den Dörfern ein. Dort werden Senioren versorgt und betreut, die nicht mehr allein leben konnten.

26 Jahre gibt es die Hilfsaktion bereits, ein Rückblick in Bildern.

Wie hat sich der Bedarf in Lida, beziehungsweise die Art der Hilfsgüter verändert?

In den Anfangsjahren in den 1990-er Jahren ging es vorrangig um Lebensmittel sowie Hilfe für Kinderheime und Schulen. So wurden Lebensmittelpakete für sozial schwache Familien gepackt, die von den Helfern in Lida ausgeliefert wurden. Das war aufwändig und zeitraubend. Inzwischen ist die Zeit der Lebensmittelknappheit vorbei. Heute geht es darum, Krankenhausbetten zur Verfügung zu stellen, die die Häuser in Mecklenburg aussortieren müssen. Die sind in der Regel in einem Top-Zustand, dürfen hier aber nicht mehr verwendet werden. Schulausstattungen von Tischern über Stühle bis zu Tafeln sind ein großer Faktor, hinzu kommen die Möbel, die Palmberg zur Verfügung stellt, und die inzwischen in vielen Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern in Lida das Bild prägen. Ein großer Posten ist nach wie vor Kleidung, vor allem Bekleidung für Kinder und junge Erwachsene wird benötigt, die in Lida vom Sozialamt verteilt wird.

Blick auf die Stadt Lida. Quelle: Michael Prochnow

Spielen die persönlichen Beziehungen der Helfer zu den Menschen in Lida nicht auch eine Rolle bei der Auswahl der Empfänger?

Ja und Nein, natürlich haben sich in den mehr als 20 Jahren Freundschaften entwickelt. In Lida gibt es inzwischen ein gut funktionierendes Netzwerk, das von unserem Dolmetscher und Koordinator Dima Dudnik geleitet wird. Ohne dieses Netzwerk wäre es unmöglich, die Zollpapiere zu koordinieren, Fragen schnell zu beantworten und Probleme vor Ort zu beheben.

Wie lange soll es die Lidahilfe noch geben?

Solange es Menschen gibt, die über den Tellerrand blicken. Und die Hilfe gebraucht wird. Und Norbert Koch als Kopf der Lidahilfe die Fäden in der Hand hält.

Alle Informationen gibt es auf der Internetseite der Lidahilfe.

Blick in ein Zimmer in einem Seniorenheim in Lida, das mit Hilfe aus Grevesmühlen ausgestattet wurde. Quelle: Niemeyer Robert

Michael Prochnow

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