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Grevesmühlen Wohlenbergs Mole bleibt Schandfleck
Mecklenburg Grevesmühlen Wohlenbergs Mole bleibt Schandfleck
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16:10 05.04.2019
Der Anleger in Wohlenberg, im Volksmund als Kartoffelanleger bekannt.
Der Anleger in Wohlenberg, im Volksmund als Kartoffelanleger bekannt. Quelle: Michael Prochnow
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Wohlenberg

An der alten Mole in Wohlenberg scheiden sich die Geister: Für Angler und auch für Taucher ist das marode Bauwerk, das auch als „Kartoffelanleger“ bekannt ist, ein beliebtes Revier. Anwohner und Urlauber, die den Strand und die Ostsee genießen wollen, stören sich an dem Anblick des Ungetüms aus Stahl und Beton.

Angler lieben den Anleger in Wohlenberg. Quelle: Malte Behnk

Dass sich an der Mole so gar nichts tut, ärgert auch den Klützer Bürgermeister Guntram Jung, der sich bei einem Ortstermin in Wohlenberg viele Beschwerden anhören musste. „Es hat sich im Grunde seit fünf Jahren gar nichts getan“, sagt Jung enttäuscht. Aus seiner Sicht seien im Managementplan für Wismarbucht und Salzhaff nicht ausreichend konkrete Ziele formuliert. „Daher ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Projekt auf der Mole nur schwierig oder überhaupt nicht möglich“, sagt Jung, der jetzt Umweltminister Till Backhaus (SPD) persönlich auf das Thema ansprechen will. „Ich kann den Unmut der Bürger verstehen“, sagt Jung. „Ich habe aber das Gefühl, dass sich beim Land niemand so richtig festlegen will“, begründet er, warum er sich nun direkt an den Minister wenden will.

Der alte Anleger in Wohlenberg ist marode und rostet vor sich hin. Löcher sind eine Gefahrenquelle. Quelle: Malte Behnk

Dabei gibt es durchaus Pläne, was mit dem Anleger passieren soll. Seit etlichen Jahren übrigens sollen Ferienhäuser auf dem Bauwerk errichtet werden. Doch die Pläne liegen auf Eis. Es geht nicht weiter. Auf Anfrage beim Investor, der Planet-Haus AG mit Sitz in Kiel, teilt Prokurist Tobias Keuchel mit: „Wir sind nach wie vor an der Realisierung des Projektes Wohlenberger Mole interessiert. Aufgrund der andauernden Ratifizierung zur Neureglung der Gesetzgebung bezüglich der FFH-Schutzgebiete gibt es unsererseits keine nennenswerten Entwicklungen zum Projekt zu berichten, da unsere Planung aus diesem Grund derzeit ruht. Erst sobald diesbezüglich Klarheit herrscht, werden wir unsere Planungen wieder aufnehmen.“ Bedeutet im Klartext: Solange nicht endgültig klar ist, wie die gesamte Wismarbucht entwickelt beziehungsweise erhalten und geschützt werden soll, geht gar nichts.

Auf dem Anleger in Wohlenberg sollen 30 Ferienhäuser entstehen. Das Bauwerk ist aber marode und darf offiziell gar nicht betreten werden, weil der Rost Löcher in Spundwände gefressen hat und scharfkantiger Stahl frei liegt. Quelle: Malte Behnk

Guntram Jung geht es nicht alleine um den optischen Eindruck des Anlegers, sondern auch um die Sicherheit. Offiziell ist die Mole aufgrund von Schäden nämlich gesperrt. Ein Schild weist darauf hin, und es waren auch einmal Bauzäune am Beginn des Bauwerks aufgestellt. Weder diese Zäune noch das Schild halten Spaziergänger oder Angler aber davon ab, die Mole zu betreten. „Ich bin inzwischen besorgt um den baulichen Zustand“, räumt Guntram Jung ein. „Vor allem im Wechselbereich der mal unter und mal über Wasser liegt, rostet es immer mehr“, sagt der Bürgermeister, der vor allem nach den Stürmen am Jahresanfang befürchtet, dass sich immer mehr Hohlräume unter der Mole bilden. „Da hab ich schon die Sorge, dass die Abdeckung mal einbrechen könnte.“ Mehr als das Verbotsschild zum betreten könne aber nicht getan werden. Ein nicht umgehbarer Zaun würde viel Geld kosten.

Pläne für die Mole

Für die Mole in Wohlenberg, den alten „Kartoffelanleger“ gab es schon kurz nach der Wende ein erstes touristisches Konzept. Ein Sportboothafen mit 150 Liegeplätzen und Ferienwohnungen waren geplant.

Nachdem die Planung schon damals stockte, verkaufte der erste Investor die Pläne an einen zweiten Vorhabenträger, ein kanadisches Unternehmen. 1999 stieg dann auch dieser Investor aus und überließ der Stadt Klütz alle in Auftrag gegebenen Gutachten kostenlos.

2007 stellte dann die deutsch-dänische Planet-Haus AG ein Konzept vor, auf der Mole eine Ferienhaussiedlung zu bauen. Allerdings gibt es seit den letzten Besprechungen zum Bebauungsplan 2013 keine weitere Entwicklung wegen Neuregelungen des FFH-Schutzgebiets, das auch die Wohlenberger Wiek betrifft.

1981 hat man den Bootsanleger, der vor allem der Verschiffung von Kartoffeln diente, fertig gestellt. Mit der Wiedervereinigung ist diese Nutzung aufgegeben worden und es haben keine großen Reparaturen stattgefunden. Das ist dem Objekt, dessen Gesamtareal 25 515 Quadratmeter beträgt, anzusehen.

„Mittlerweile denke ich auch, dass die Stadtvertretung heute anders entscheiden würde“, sagt Guntram Jung. „Aber es gibt nach wie vor einen Beschluss, an dem wir auch festhalten.“ Sollte es aber nicht mehr zur Umsetzung des Projekts mit 30 Ferienhäusern auf dem Anleger kommen, würde Jung sich für einen Abriss einsetzen. „Eventuell können wir den Anleger als eine Ausgleichsfläche zum Beispiel für Hafenerweiterungen anbieten. Wenn diese Mole abgerissen würde, hätten wir auf jeden Fall mehr Strand in Wohlenberg“, so Jung. Auch die Strömungsverhältnisse könnten sich in der Wohlenberger Wiek dann ändern.

Malte Behnk

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