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Grevesmühlen „Gleis 4“ aus Grevesmühlen will aufs Dach
Mecklenburg Grevesmühlen „Gleis 4“ aus Grevesmühlen will aufs Dach
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17:10 08.08.2019
Gleis 4 – das sind (v.l.) Maik Reschke, Andreas „Lodde“ Voß, Marco „Hetzer“ Retzlaff und Daniel „Wiesel“ Wiesjahn.
Gleis 4 – das sind (v.l.) Maik Reschke, Andreas „Lodde“ Voß, Marco „Hetzer“ Retzlaff und Daniel „Wiesel“ Wiesjahn. Quelle: JANA FRANKE
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Grevesmühlen

„Gleis 4“ – was war mehr angebracht, als das Fotoshooting mit der OZ auf die Gleise des Grevesmühlener Bahnhofs zu verlegen? Der Name lässt sich einfach erklären: vier Männer – eine Band. Erst vor wenigen Wochen ist sie von Andreas Voß, Daniel Wiesjahn, Maik Reschke und Marco Retzlaff gegründet worden. Geprobt wird im Keller des Bahnhofsgebäudes. Von dort aus wollen sie hoch hinaus – nämlich aufs Dach des Rathauses.

Der NDR rief Beatles-Fans vor einiger Zeit auf, sich an einem Wettbewerb zu beteiligen. Die Pilzköpfe hatten vor 50 Jahren ihren letzten Live-Auftritt auf einem Londoner Dach – ihr sogenanntes „Rooftop Concert“ (deutsch: Dach-Konzert). Das Interesse von Nachwuchsbands war groß – natürlich auch von „Gleis 4“, die mit dem gecoverten Beatles-Song „I’ll be back“ ins Rennen gingen. Das Bewerbungsvideo ist auf Youtube zu sehen. Viel Unterstützung erfuhr das Quartett – von Gewerbetreibenden über Vereinsmitglieder bis hin zur freiwilligen Feuerwehr, die für die Band warben.

Einsendeschluss war der 31. Juli. Unter allen Teilnehmern verlost der NDR ein Konzert auf einem Dach in der Heimatstadt der Gewinner-Band, das der Sender filmisch begleitet. Als Location ist den vier Grevesmühlener Musikern von der Verwaltung der Stadt das Rathausdach empfohlen worden. Heiß sind Andreas Voß, Daniel Wiesjahn, Maik Reschke und Marco Retzlaff nun darauf, in luftiger Höhe Beatles-Songs zu covern und ihre eigenen zu präsentieren. Davon haben sie bereits stolze sieben nach so kurzer Zeit.

Deutsche Texte aus eigener Feder

Geschrieben hat die meisten davon Andreas Voß – im stillen Kämmerlein, als es „Gleis 4“ noch gar nicht gab. „Ich kannte wenig Leute, die mit Musik zu tun hatten. Daher habe ich für mich alleine ein wenig musiziert“, erzählt der Gitarrist und Sänger der Band. Liedtexte, Melodien und seine warme Stimme können sich hören lassen. Gänsehaut-Feeling pur, wenn „Lodde“, unter dem er auch bekannt ist, seine Ballade anstimmt.

Die Herkunft seines Spitznamens reicht in seine Jugendzeit zurück. Aufgewachsen in Sievershagen, war der 39-jährige Maler aus Grevesmühlen oft im dortigen Jugendclub. Nach einer ausgelassenen Feier fand er sich am nächsten Morgen als Erster zum Aufräumen im Klub ein – und fand eine Schale Kartoffelsalat vor, in die ein Silvesterböller gesteckt worden war. „Alles war auf dem Boden, an den Tapeten und an der Decke verteilt“, erinnert er sich. Der Täter ist bis heute nicht „ermittelt“, aber seine Kumpels schoben ihm die Schuld in die Schuhe und nannten ihn fortan scherzhaft „Trümmer-Lodde“. „Lodde“ ist bis heute geblieben.

Gleis 4 - das sind (v.l.) Daniel „Wiesel“ Wiesjahn, Andreas „Lodde“ Voß, Maik Reschke und Marco „Hetzer“ Retzlaff. Quelle: JANA FRANKE

Und so hat bis auf Maik Reschke jeder einen Spitznamen mit einer Geschichte dahinter. Marco „Hetzer“ Retzlaff, 46-jähriger Schlagzeuger der Band und Haustechniker an der Weißen Wiek in Tarnewitz, hat schon in seiner Schulzeit in einer Schülerband mitgewirkt und dort sein Können mit den Drum-Sticks unter Beweis gestellt; „hetzte“ quasi Sänger und Co. „Wiesel“ leitet sich vom Nachnamen von Daniel Wiesjahn (42) ab, der in der Kita „Am Lustgarten“ in Grevesmühlen als Erzieher arbeitet und in der Band am Bass, am Mikro und an der Mundharmonika zu erleben ist.

Fehlt nur noch Gitarrist und Keyboarder Maik Reschke, der sich mit einer Tourismusagentur selbstständig gemacht hat. Aber wer die Jungs mit stets guter Laune und immer lustigen Sprüchen auf den Lippen kennt, der weiß: Auch der 49-Jährige wird bald nicht mehr mit Maik angesprochen werden.

Aus „Gleis 3“ wurde „Gleis 4“

Er und „Lodde“ waren die treibende Kraft für die Band. „Unsere Kinder gehen zusammen zur Schule und so haben wir uns kennengelernt“, erzählt Maik Reschke. Im Hort trafen sie auf Daniel Wiesjahn – und „Gleis 3“ wären perfekt gewesen. „So sollte die Band erst heißen“, erinnert sich „Wiesel“. Aber was ist eine Band ohne Schlagzeuger? Und jetzt wird es irgendwie gruselig. „Maik und ich kennen uns von früher und haben uns lange nicht gesehen“, erinnert sich Marco Retzlaff. „Eines Tages habe ich so gedacht: ,Was der jetzt wohl macht?’ Und Augenblicke später rief er an, ob ich nicht Lust hätte, in der Band mitzuwirken.“

Ihre Musikrichtung nennen die „vier Jungs“ Country-Punk. Sie singen vorwiegend deutsche Texte. Wer „Gleis 4“ einmal live erleben möchte, dem sei jetzt schon verraten, dass sie bei der zweiten Musiknacht in Grevesmühlen am 28. September im Bahnhof auftreten.

Von Jana Franke