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Grevesmühlen Grevesmühlen: Busfahrer streiken erneut
Mecklenburg Grevesmühlen

Grevesmühlen: Busfahrer streiken erneut

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16:14 23.01.2020
Die Busfahrer aus Wismarer und Nordwestmecklenburg streiken bei Nahbus in Grevesmühlen. Quelle: privat
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Grevesmühlen/Schönberg/Wismar

„Das habt ihr euch verdient, macht weiter so!“ Die Autofahrerin, die am Donnerstagmorgen gegen 7.30 Uhr kurz mit ihrem Fahrzeug am Tor von Nahbus in Grevesmühlen anhielt, zeigte nicht nur Verständnis für die Forderungen der Busfahrer, die um zwei Euro mehr Stundenlohn kämpfen. Sie unterstützt wie viele andere auch den Streik der Männer und Frauen.

Kein Rauf- und Runterfahren möglich: Nahbus-Mitarbeiter streiken am Tor des Depots. Quelle: privat

Bereits vor einer Woche hatten die Nahbus-Fahrer den öffentlichen Personennahverkehr für sechs Stunden lahmgelegt. Jetzt blieben die Busse den ganzen Tag in den Depots. „Nur der Wismarer Werftverkehr rollt, da sitzt der Fahrdienstleiter selbst am Steuer“, sagte Steffen Bührung vom Nahbus-Betriebsrat. Ansonsten war kein Bus auf den Straße zu sehen. Bis kurz nach 13 Uhr dauerte der Streik vor dem Gelände an, nach mehr als neun Stunden in der Kälte beendeten die Männer und Frauen die Aktion. Am Freitag um 4 Uhr beginnt die Frühschicht dann wieder mit dem regulären Dienst.

Auch die Subunternehmer fuhren nicht vom Hof. „Wir haben Anweisung von Nahbus, dass wir nicht fahren dürfen“, erklärte Christian Krohn, dessen Vater als Subunternehmer im ÖPNV unterwegs ist. „Was nützt es den Berufsschülern, wenn wir sie morgens zur Schule bringen, sie aber nachmittags nicht mehr wegkommen?“

Ausgedünnte Klassenräume

Und so blieben am Donnerstag etliche Schüler zu Hause. Etwa die Hälfte der 500 Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums in Schönberg konnten wegen des Busstreiks nicht am Unterricht teilnehmen, teilte Schulleiter Maik Pegel auf Anfrage mit. Regulärer Unterricht ist aber erteilt worden – wie auch an der Regionalen Schule Am Wasserturm und am Gymnasium Am Tannenberg in Grevesmühlen.

Anne-Christin Thiele, Schulsekretärin an der Regionalen Schule Am Wasserturm in Grevesmühlen, nahm am Morgen viele Anrufe von Eltern entgegen, die ihre Kinder vom Unterricht entschuldigten. Quelle: Jana Franke

Entschuldigt sei, wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist und deshalb nicht am Unterricht teilnehmen kann, hieß es vom Bildungsministerium. Viele Eltern riefen an und entschuldigen ihre Kinder. Schulsekretärin Anne-Christin Thiele hatte alle Hände voll zu tun. 133 von 457 Schüler kamen nicht zum Unterricht.

„Ein Teil davon ist krank, die Grippewelle hat uns erreicht“, relativierte Schulleiterin Brunhilde Hallmann. Aber sie beziffert den Anteil der Schüler, die aufgrund des Streiks nicht am Unterricht teilnehmen konnten, mit etwa 20 Prozent – mehr als in der vergangenen Woche. Seinerzeit war zumindest die Rückfahrt gesichert, da die Busfahrer nur bis 10 Uhr streikten. Doch dieses Mal sieht es anders aus. „Ich kann die Eltern verstehen, dass sie ihre Kinder zu Hause lassen“, sagte Brunhilde Hallmann.

Vor allem die höheren Klassen der regionalen Schule sind mitunter nicht mal zur Hälfte besetzt. Nicht anders sieht es am Gymnasium Am Tannenberg aus. Sitzen sonst mehr als 20 Schüler in der Klasse, waren es gestern teilweise nicht einmal zehn.

Erbsensuppe für Streikende

Ruhiger als sonst war es auch im Café Kaffeebrenner im Busbahnhof. Gern kommen Busgäste vom angrenzenden Busbahnhof vorbei, um sich belegte Brötchen oder einen Kaffee auf die Hand zu holen. Gestern blieben sie aus.

Mario Wehr vom Café Kaffeebrenner im Bahnhofsgebäude Grevesmühlen versorgte die Streikenden mit Kaffee und Erbsensuppe. Quelle: Jana Franke

Dennoch hatten Mario und Wiebke Wehr nicht weniger zu tun. Sie versorgten nämlich die Streikenden bei Nahbus mit Kaffee und Erbsensuppe. Wiebke Wehr stand seit vier Uhr in der Küche, um die Suppe zuzubereiten. 80 Portionen und fast 20 Liter Kaffee fuhr Mario Wehr zum Nahbus-Depot. „Der Streik ist gerechtfertigt“, schätzte er ein. Vor allem die Busfahrer, die morgens die Schüler fahren, „haben so viel Verantwortung“.

Wiebke Wehr und Nicol Apmann kochen Erbsensuppe für die Streikenden im Nahbus-Depot. Quelle: Jana Franke

Lohnerhöhung gleich Preiserhöhung?

Diese Meinung teilt auch eine 76-Jährige, die in der Stadt auf der Suche nach einem öffentlichen Telefon war, um sich ein Taxi zu rufen. „Ich verstehe die Busfahrer, keine Frage, aber die Leidtragenden sind letztlich wir, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind“, erklärte sie.

Erst an der Bushaltestelle habe sie von dem Streik erfahren. „Ich habe mich gewundert, dass kein Mensch da war.“ Und zum Zeitunglesen sei sie morgens noch nicht gekommen. Mit dem Bus wollte die Rentnerin nach Wismar, da sie einen Termin bei einem Facharzt hatte. „Den habe ich schon seit fast einem Jahr. Nun muss ich mit dem teuren Taxi fahren, da sich mein Mann die Tour nach Wismar nicht mehr zutraut und meine Tochter arbeiten muss“, bedauerte sie. „Und seien wir doch mal ehrlich: Wenn die Gewerkschaft die höheren Gehälter durchsetzt, die durchaus gerechtfertigt sind, wird sich das schlussendlich auf den Ticketpreis auswirken, den das einfache Volk zahlen muss.“

Von Jana Franke, Jürgen Lenz und Michael Prochnow

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