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Grevesmühlen Grevesmühlen: Dem beliebten Ploggensee geht das Wasser aus
Mecklenburg Grevesmühlen

Grevesmühlen: Dem beliebten Ploggensee geht das Wasser aus

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18:00 21.01.2020
An der Rutsche ist deutlich zu sehen, wie ernst die Lage ist. Die Holzbohlen waren in der Vergangenheit nahezu komplett im Wasser. Mehrfach schon musste die Rutsche in der Badesaison gesperrt werden. Quelle: Jana Franke
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Grevesmühlen

Die trockenen Sommer in den vergangenen Jahren zeigen sich auch am Wasserstand des Ploggensees in Grevesmühlen. Der Strand wird immer breiter, das Nichtschwimmerbecken immer kleiner. 40 Zentimeter mehr, was die Tiefe angehe, könnten es gut und gerne sein, meint der Vorsitzende des Freibadvereins, Benny Andersson.

Angst hat er vor allem um die Pontons im Freibad. An ihnen und der Wasserrutsche im Kinderbecken ist die Wasserknappheit deutlich zu sehen – und das nicht nur an den grünen Rändern, die zeigen, wo einst das Wasser stand.

Wegen des gesunkenen Wasserspiegels liegen die Pontons an der Metallvorrichtung teilweise bereits auf. An dem grünen Belag ist deutlich zu erkennen, wie hoch das Wasser einst war. Quelle: Jana Franke

Risse an Steganlage entdeckt

Die Pontons direkt am Steg liegen bereits an der Metallvorrichtung auf. Das heißt, dass sie keinen Spielraum mehr haben und nicht mehr auf der Wasseroberfläche schwimmen, was sie eigentlich sollten. Der Ponton, auf dem der beliebte Sprungturm steht, ist verankert. Die Anker versinken mehr und mehr im schlammigen Boden und ziehen den Bereich nach unten. Der Druck wird immer größer. Handelt der Verein nicht, reißt der Ponton den gesamten Steg entzwei.

Ponton und Anker sind mit Ketten miteinander verbunden. Eine kann per Gewinde verlängert werden, an der anderen müssen Kettenglieder und ebenfalls ein Gewinde angebracht werden“, berichtet Benny Andersson. Taucher hatten sich vor Kurzem ein Bild von der Lage unter Wasser gemacht. An der Steganlage entdeckte Benny Andersson bereits mehrere Risse.

Benny Andersson, Vorsitzender des Freibadvereins Quelle: Michael Prochnow

Wer den Stöpsel aus dem Gewässer gezogen hat und wohin das Wasser aus dem 15 Hektar großen See verschwunden ist, darüber rätselt er schon seit längerer Zeit. Vermutet hatte er zunächst, dass ein Ring am Ablauf zum Vielbecker See, der an die Landesgrenze Richtung Groß Walmstorf grenzt, abhanden gekommen ist – entweder versehentlich nach Arbeiten des städtischen Bauhofs im Schilf oder mutwillig durch Unbekannte. Eine Ortsbegehung zeigte allerdings, dass das Wasser des Ploggensees nicht einmal bis zum Ablauf reicht, der den Ploggensee und den Vielbecker See miteinander verbindet. Dort jedenfalls fließt schon lange nichts mehr ab.

Ortsbegehung: Rainer Runo vom städtischen Bauhof (r.) und Michael Holst vom Bauamt schauen sich den Ablauf am Ploggensee an. Zunächst war vermutet worden, dass ein Ring fehlt und Wasser weggespült wird. Aber das kommt gar nicht bis zum Ablauf an. Quelle: Jana Franke

35 Zentimeter fehlen

Mehrfach sind dem Ploggensee erhebliche Mengen Wasser entnommen worden – zum einen im Jahr 2015, um den Brand auf der Deponie hinter Neu Degtow zu löschen, ein weiteres Mal im Jahr 2018, um das Feuer auf dem Gelände des Landwirtschaftsbetriebes in Grevesmühlen zu bekämpfen.

Im vergangenen Sommer hatten die Mitglieder des Freibadvereins nach dem verheerenden Regen zum Stadtfest wieder Hoffnung. Füllte sich der See doch mehr und mehr und der Wasserspiegel stieg um 15 Zentimeter. Doch der trockene Sommer brachte wieder Ernüchterung. Im Vergleich zum August 2019 fehlen dem Badegewässer nun wieder 35 Zentimeter.

Badewasserqualität könnte sinken

Gerrit Uhle, Diplombiologe und Mitglied im Nabu Nordwestmecklenburg, führt die Situation auf den Klimawandel zurück. „Es ist leider ein natürliches Phänomen, dass der Grundwasserstand fällt“, sagt er. Auch viele Gewässer an Ackerflächen würden zunehmend versanden. Speziell zum Ploggensee meint er: „Wenn die Tiefe nicht mehr da ist, dann kann der See schlechter schichten.“ Das heißt, Flora und Fauna sind gefährdet und die Badewasserqualität sinkt. Die Niederschläge können die Verluste nicht mehr ausgleichen und große Zuflüsse hat der Ploggensee nicht.

Gerrit Uhle Quelle: privat

Besonders der Uferbereich würde jetzt schon leiden. Trockenes Schilf ist das eine. Die in dem Bereich lebenden Tiere würden anfälliger für Fressfeinde, weil sie sich im Schilfbereich nicht mehr ins schützende Wasser wie zuvor retten können. Da es ein schleichender Prozess ist, habe man sich in den vergangenen Jahren viel zu wenig darum gekümmert, gibt er zu.

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Von Jana Franke

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