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Grevesmühlen Foltereltern aus Grevesmühlen müssen ins Gefängnis
Mecklenburg Grevesmühlen Foltereltern aus Grevesmühlen müssen ins Gefängnis
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20:42 17.05.2019
Die Angeklagten Ronny und Nicole B. mit Rechtsanwälten Wulff und Landmann im Landgericht Schwerin Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen

Nach fast anderthalb Jahren hat der Prozess gegen Ronny und Nicole B. aus Grevesmühlen zumindest ein juristisches Ende gefunden. Vor wenigen Tagen hat der Bundesgerichtshof die Revision abgewiesen. Damit ist das Urteil des Schweriner Landgerichts vom Dezember 2017 rechtskräftig.

Der leibliche Vater des misshandelten Jungen, der zur Tatzeit 2016 gerade einmal drei Jahre alt war, und die Stiefmutter waren wegen schwerer Misshandlung zu jeweils vier Jahren Haft verurteilt worden. In der Urteilsbegründung war damals von regelrechten Foltermethoden gegen das Kind die Rede gewesen.

Stundenlang im kalten Wasser in der Badewanne

Der Junge musste bei offenem Fenster stundenlang unbekleidet in einer Badewanne sitzen, Nicole B. übergoss das Kind zudem mit kaltem Wasser. Tatzeit: Februar 2016. Als eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Nordwestmecklenburg Anfang Mai 2016 darauf bestand, das Kind bei einem Termin der Erziehungsberechtigten in der Behörde in Augenschein zu nehmen, ließ sie es sofort ins Krankenhaus einweisen.

Der Junge, so beschrieb es ein Gutachter später, sei zu diesem Zeitpunkt bereits so dehydriert und abgemagert gewesen, dass Lebensgefahr bestanden habe. Zudem stellten die Gutachter fest, dass der Junge geschlagen wurde.

Verurteilte sind noch auf freiem Fuß

Mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofes ist das Urteil des Schweriner Landgerichts rechtskräftig. Noch sind Ronny und Nicole B. allerdings auf freiem Fuß. Wie eine Sprecherin der Schweriner Staatsanwaltschaft mitteilte, würden die beiden Verurteilten demnächst eine Vorladung erhalten, um die Haftstrafen anzutreten. Der genaue Zeitpunkt stünde derzeit noch nicht fest. Es werde jedoch zeitnah geschehen, sobald die Akten vom Bundesgerichtshof in Schwerin eingetroffen und der Fall abgeschlossen sei.

Anfang Dezember 2017 war das Urteil in Schwerin gefällt worden, anschließend hatten die Verteidiger von Ronny und Nicole B. Revision eingelegt. Erst im Sommer 2018 gelangten die Akten von Schwerin nach Karlsruhe. Ende April fiel schließlich die Entscheidung über die Revision. Bedeutet: Das Urteil aus Schwerin entspricht allen rechtlichen Grundlagen.

Stiefmutter schilderte Misshandlungen per SMS

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Denn durch die Beschlagnahme der Mobiltelefone der Beschuldigten waren Details der Taten ans Tageslicht gekommen, die selbst die Ermittler erschütterten. So hatte Nicole B. ihren Ehemann per Handynachrichten immer wieder über die Misshandlungen informiert, auch dass sie ihn in der Badewanne gefoltert und mit dem Kopf in die Toilette gesteckt habe.

So geht es dem Kind heute

Genau drei Jahre nach dem Bekanntwerden des Vorfalls übt das Jugendamt weiterhin die Vormundschaft für den Jungen aus, teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage mit. „Der Junge zeigt noch immer auffälliges Verhalten, er ist zum Beispiel unkonzentriert, lässt sich leicht ablenken. Er hat wenig Selbstvertrauen und erhält diesbezüglich professionelle Förderung“, heißt es aus dem Jugendamt. Aufgrund der traumatischen Erlebnisse zeige der Junge nach wie vor Verlustängste. Zusammen mit den Pflegeeltern erhalte er psychologische Hilfe. Es gibt kleine Fortschritte: So habe er inzwischen auch gezeigt, dass er sich anpassen könne. Das medizinische Personal sei trotz allem mit der Entwicklung des Jungen zufrieden. Kontakt zur Herkunftsfamilie bestünden nicht, die Behörde geht auch weiterhin davon aus, die bestehende Vormundschaft aufrecht zu erhalten.

Der Fall sorgte zudem für Aufsehen, da er nur öffentlich wurde, weil ein anonymer Brief aus dem Jugendamt an die Medien die Missstände und diesen konkreten Fall angeprangert hatte. Im Zuge der weiteren Ermittlungen erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den damals zuständigen Sozialarbeiter, der die Familie betreute. Inzwischen wurde Strafbefehl erlassen. Der Beschuldigte, der inzwischen nicht mehr für das Jugendamt tätig ist, hat Widerspruch eingelegt.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm ein Mitverschulden an den Misshandlungen vor. Der Mann hatte im Rahmen der Verhandlung gegen Ronny und Nicole B. erklärt, von den Zuständen und den Misshandlungen nichts mitbekommen zu haben.

Die Kreisverwaltung bestreitet bis heute jegliches Fehlverhalten. Anhand der Aktenlage damals und der Berichte des Sozialarbeiters habe die Behörde keine Alarmsignale erkennen können. Dabei hatte Nicole B. durchaus Hilfe gesucht, zweimal hatte sie beim Nottelefon angerufen und ihre Probleme geschildert. Doch der Fall wurde nicht als schwerwiegend angesehen.

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Michael Prochnow

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