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Grevesmühlen Trinkwasser für die Menschen an der Ahr: Grevesmühlener helfen im Katastrophengebiet
Mecklenburg Grevesmühlen

Grevesmühlener helfen im Katastrophengebiet an der Ahr

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16:03 29.09.2021
Alexander Greve (l.) und Maiko Tschepp von Zweckverband Grevesmühlen wechseln in der teilweise zerstörten Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Schachtdeckel und einen Schmutzfänger aus.
Alexander Greve (l.) und Maiko Tschepp von Zweckverband Grevesmühlen wechseln in der teilweise zerstörten Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Schachtdeckel und einen Schmutzfänger aus. Quelle: Zweckverband Grevesmühlen
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Grevesmühlen

Ricardo Zick ist zurück in seiner Heimat Grevesmühlen. Zwei Wochen Hilfseinsatz im Katastrophengebiet an der Ahr liegen hinter ihm und drei weiteren Experten vom Zweckverband Grevesmühlen. „Der Dank war groß“, berichtet der 39-Jährige. „Die Menschen haben sich gefreut, dass wir da sind.“

„Es war klar, dass wir helfen wollen“, sagt die Zweckverbandsvorsitzende Sandra Boldt. Einen Eindruck davon, was sogar viel kleinere Regenfluten bewirken können, bekam sie vor zwei Jahren beim Stadtfest in Grevesmühlen. An dem Tag hieß es in einigen Straßen: Land unter.

Helfer wurden mit offenen Armen empfangen

Aufrufe von Dach- und Fachverbänden der Wasserwirtschaftsbranche gingen der Hilfsaktion voraus. Die Grevesmühlener organisierten schließlich das meiste in Eigeninitiative. Sandra Boldt dankt den Kollegen, die im Hilfseinsatz waren, aber auch diejenigen, die sich dazu bereiterklärt haben, aber nicht fahren konnten, weil die Arbeit für die Kunden in Nordwestmecklenburg weitergehen muss. An der Ahr waren neben Ricardo Zick auch Alexander Greve (21), Paul Schacht (28) und Maiko Teschpp (56).

Am Ufer der Ahr liegt eine Wasserleitung, die bei der Hochwasserkatastrophe zerstört wurde. Quelle: Zweckverband Grevesmühlen

Die Menschen an der Ahr empfingen die Helfer mit offenen Armen. „Die Zusammenarbeit mit den Meistern vor Ort war sehr gut“, sagt Ricardo Zick.

Unterstützung kam genau zur richtigen Zeit

Die Unterstützung aus Grevesmühlen kam genau zur richtigen Zeit. Die Aufräumarbeiten im Katastrophengebiet sind schon weit vorangekommen, aber es gibt Probleme mit dem Trinkwasser. Das Hochwasser hat es verunreinigt. Deshalb wiesen die Behörden die Einwohner zunächst dazu an, das Trinkwasser abzukochen. Zurzeit wird es in allen Ortsnetzen vermehr gechlort, um Keime abzutöten. Nun waren im Katastrophengebiet besonders Fachleute für Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung gefragt.

Hilfe aus Mecklenburg

Zahlreiche Menschen in Nordwestmecklenburg haben sich bereits für die Menschen in den Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eingesetzt. Ein Beispiel, das für viele steht: Transporter fuhren nach einer Initiative des Schönberger Marc Umlauf in die vom Hochwasser betroffenen Orte. Ein großer Erfolg war auch eine Hilfsaktion, die der SV Dassow anschob. Ebenfalls unter den zahlreichen Helfern: Helmut Bley, Hotelier in Wohlenberg mit etlichen Unterstützern. Der Landkreis schickte dringend benötigte Mannschaftstransportwagen. In Wismar wurde unlängst die Aktion „Nordwestmecklenburg hilft Bad Neuenahr-Ahrweiler“ ins Leben gerufen. Mit im Boot: Firmen, Unternehmer und Landrat Tino Schomann (CDU).

Ein Foto macht deutlich, in welchem Zustand das Trinkwasser in einigen Leitungen vor der Spülaktion war. Es hatte dieselbe Farbe wie ein Milchkaffee, den ein Mitarbeiter des Zweckverbands Grevesmühlen daneben hielt.

Zahlreiche Trinkwasserleitungen gespült

Um die Hygiene wiederherzustellen, haben zwei Mitarbeiter zahlreiche Trinkwasserleitungen gespült – eine Arbeit, die sie von Haus aus beherrschen. Das machen sie auch in Nordwestmecklenburg immer wieder, um Sauberkeit und Hygiene sicherzustellen.

Vor der Spülaktion der Fachleute aus Grevesmühlen hatte das Trinkwasser in einer Leitung dieselbe Farbe wie Milchkaffee. Quelle: Zweckverband Grevesmühlen

Die beiden anderen Fachmänner aus Nordwestmecklenburg kümmerten sich um die Abwasserrohre, kontrollierten sie auf Schäden, Undichtigkeiten, Schlamm, Steine. Und sie wechselten defekte Teile aus.

Die Kläranlagen haben noch Probleme

Trotzdem können die Abwässer aus den Häusern an der Ahr noch nicht so gereinigt werden, wie das beim Zweckverband Grevesmühlen Tag für Tag passiert. Betriebsleiter Dirk Peters erklärt: „Die Kläranlagen dort haben noch Probleme.“ Zwar laufen sie wieder, aber Unrat und Müll hatten sich nach der Flut in den Becken gesammelt, in denen vorher Bakterien das Abwasser reinigten. Die Folge: Die Biologie war tot. Bundeswehr und Firmen haben die Becken geleert, gesäubert und neu gefüllt, aber es wird noch einige Zeit dauern, bis die biologische Reinigung wieder so gut funktioniert wie vor der Flutkatastrophe.

Auf einem Fenster zeigen Einwohner von Bad Neuenahr-Ahrweiler ihren Dank für alle Helfer. Quelle: Zweckverband Grevesmühlen

An der Ahr waren die Helfer aus Grevesmühlen mit drei Fahrzeugen und viel Technik, die dort dringend gebraucht wird. Acht Stunden brauchten sie für den Hinweg, dieselbe Zeit für die Fahrt zurück nach Mecklenburg. Jeden Tag arbeiten sie bis spät in den Abend hinein. Sie übernachteten in einem Pfarrhaus. Dort hatten sie einen gesegneten Schlaf.

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Die Mitarbeiter des Zweckverbands haben viele Verwüstungen im Ahrtal gesehen. Ricardo Zick sagt: „Wir haben viel geschafft, aber in der Region ist noch viel Arbeit zu tun.“

Von Jürgen Lenz