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Grevesmühlen Lars Prahler zieht Bilanz nach zwei Jahren
Mecklenburg Grevesmühlen Lars Prahler zieht Bilanz nach zwei Jahren
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17:54 29.12.2018
Grevesmühlen ist bunt, und das Rathaus ebenfalls. Quelle: GVM
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Grevesmühlen

Die Ärmel des weißen Hemdes hochgekrempelt sitzt Lars Prahler am Konferenztisch in seinem Büro im ersten Stock des Grevesmühlener Rathauses. Es ist Mitte Dezember, als er sich für den Rückblick vorbereitet. Sein Blick fällt auf die hölzernen Buden, die erstmals zur Adventszeit auf dem Markt aufgestellt worden sind und kostenlos angeboten werden. „Ich freue mich jeden Tag darüber, dass die Idee funktioniert, das Angebot wird angenommen, es dauert etwas, aber es läuft. So ist Grevesmühlen.“ Seit Ende 2016 ist der Schweriner Bürgermeister in Grevesmühlen. Dass er – wie seine beiden Vorgänger übrigens auch – nicht in der Stadt lebt, sieht er durchaus als Vorteil an. „Die 30 Minuten Fahrt sind gut, um dem Kopf freizubekommen. Das hilft so manches Mal.“

Zwei Jahre an der Spitze der Verwaltung in Grevesmühlen, angekommen im Job?

Lars Prahler: Auf jeden Fall, ich denke, die Grevesmühlener haben sich auch an mich gewöhnt.

Hat sich die Familie auch schon an das Bürgermeisteramt gewöhnt?

Die großen Kinder kommen eher selten mit zu den Veranstaltungen, unser Jüngster ist schon öfter dabei vor allem an den Wochenende. Und meine Frau ist voll berufstätig, sie versucht natürlich, bei größeren Veranstaltungen dabei zu sein.

Ist Grevesmühlen eigentlich eine komplizierte Stadt?

Nein, es sind liebenswerte Menschen. Die Stadt ist groß genug, damit ein Bürgermeister alles tun kann, was er tun sollte. Und sie ist klein genug, um das auch zu erreichen.

Apropos erreichen, die Debatte um den Planungsbeginn für den Schulcampus hat gefühlt zwei Jahre gedauert, der Umbau der Wismarschen Straße soll per Bürgerentscheid in Angriff genommen werden, das Baugebiet am Sägewerk muss per Umlegungsverfahren neu geordnet werden – wie frustrierend sind solche Verzögerungen?

Nicht sonderlich, es sind ja alles schwerwiegende Entscheidungen, es geht um viel Geld und die Zukunft der Stadt, da kann man nicht davon ausgehen, als würde alles schnell und supereinfach laufen. Das war mir vorher bewusst, das Projekte so laufen. Wenn man die Klaviertur der Bürokratie kennt, dann kann man auch damit arbeiten.

Was war der Höhepunkt aus Sicht der Stadtverwaltung im Jahr 2018?

Das war Mitte des Jahres das Stadtfest, das war eine Top-Veranstaltung. Ich habe das Gefühl, dass wir noch nie soviel ehrenamtliches Engagement zusammenbekommen haben. Und noch nie so viele Menschen zusammen gefeiert haben, es war schön, diese Tage und diese Woche zu erleben.

Grevesmühlen hat mit dem Stadtfest, der City- und Kulturnacht und dem Adventsmarkt auf dem Kirchplatz einige kulturelle Höhepunkte im Kalender geschaffen. Was fehlt, ist das entsprechende Marketing dazu, oder?

Man muss sich seiner Pfründe bewusst ein. Das sind ganz viele engagierte Leute in Grevesmühlen, die mitmachen. Wir haben das Piraten Open Air als überregionales Instrument. Das muss man zusammenführen und das Marketing darauf aufbauen. Wir sind eine funktionierende Stadt, und das versuchen wir nach außen zu tragen.

Der Urlauber, der auf dem Weg zur Küste an Grevesmühlen vorbeifährt, sieht kaum, was die Stadt bietet.

Das stimmt, wir sind kein Weltkulturerbe wie Wismar, wir haben nicht die historische Altstadt wie andere Orte. Aber alle, die sich auf Grevesmühlen einlassen, betonen, wie schön diese Stadt ist.

Aber dafür müssen sie erst einmal einen Anreiz haben, um in die Stadt zu kommen, richtig?

Ja, das ist richtig. Daran arbeiten wir.

Wie ist der aktuelle Stand der Einwohnerzahl?

Mit Stand 30. Juni 2018 sind es 10387 Einwohner.

Das sind rund 200 weniger als das statistische Landesamt für 2018 für Grevesmühlen angibt, oder?

Das ist immer die Diskrepanz zwischen diesen beiden Zahlen, die das Landesamt herausgibt und die, die wir selbst ermitteln. Tatsache ist, wir haben einen leichten Rückgang der Einwohnerzahlen. Das liegt vor allem daran, dass mehr Menschen sterben als geboren werden. Durch die Zuzüge wird ein Teil davon aufgefangen.

Um diese Zahl zu stabilisieren, braucht es Wohn- und Baugebiete.

Ja, aber vor allem braucht es Infrastruktur wie beispielsweise den Schulcampus, man nicht genug schätzen wie wichtig das Krankenhaus in Grevesmühlen ist, genauso wie alle niedergelassenen Ärzte. Weil viele Menschen ihren Wohnort nicht in erster Linie nach dem Arbeitsplatz aussuchen, sondern nach der vorhandenen Infrastruktur.

Was sind die großen Vorhaben der Stadt Grevesmühlen für 2019?

Das Baugebiet in Neu Degtow auf jeden Fall, dort geht es im Frühjahr richtig los.

Dort gibt es nach jetzigem Stand mehr Bewerber als Baugrundstücke (9 Bauplätze sind ausgewiesen, Anm. d. Red.), wir wird das gehandhabt?

Wir bereiten derzeit die ersten Beschlüsse zum Verkauf vor. Wir haben alle Interessenten angeschrieben, die auf der Wartelisten sind. Die Entscheidung fällt dann am Ende die Stadtvertretung, aber wir müssen abwarten, was wir in den nächsten Wochen an verbindlichen Anfragen haben.

Was liegt weiterhin an?

Wir werden wahrscheinlich den B-Plan für das ehemaligen Sägewerk zum Abschluss bringen und dann auch mit Abbrucharbeiten beginnen. Das ist eine gewaltige Aufgabe angesichts der großen Fläche dort. Und wir werden hoffentlich, wenn wir denn Fördermittel bekommen, mit dem Vorplatz des Bahnhofs beginnen, inklusive der Stellflächen für den barrierefreien Zugang, die ebenfalls dort entstehen werden.

Und der „Lukullische Traum“ wird dann auch aus seinem jahrelangen Winterschlaf geholt?

Ja, das haben wir tatsächlich mit dem Künstler abgestimmt, die Skulptur wird nahe des Bahnhofsvorplatzes im Park aufgestellt.

2019 wird die Wobag das Wohn- und Geschäftshaus „Kirchblick“ in der August-Bebel-Straße eröffnen. Wird der Vorplatz mit dem Wasserspiel ebenfalls fertig?

Ja, da sammeln wir gerade Kostenangebote ein. Januar, Februar werden wir entscheiden, wie wir weiter vorgehen, wenn wir wissen, wo konkret die Kosten liegen.

Im Rahmen der Kommunalwahl Ende Mai 2019 sollen die Grevesmühlen mit einem Bürgerentscheid über den Umbau der Wismarschen Straße entscheiden. Die Stimmen, vor allem der älteren Generation, werden wieder lauter, die eine autofreie Innenstadt fordern. Wird die Stadt darauf reagieren?

Thomas Krohn (Stadtvertreter, CDU-Fraktion, Anm. d. Red.) hat das sehr gut erklärt, dass er gern auf sein Grundstück in der Kirchstraße kommen muss. Und er wohnt dort nicht allein, sondern wir reden von mehreren Hundert Bewohnern des Zentrums, die dann erhebliche Probleme hätten, ihre Häuser und Grundstücke zu erreichen. Wir haben eine Lösung für die Wismarsche Straße, die wir auch mit dem Seniorenbeirat besprochen haben. Je nachdem, wie dieser Bürgerentscheid ausgeht, packen wir das Projekt an oder nicht.

Grevesmühlen digital: Der Breitbandausbau per Glasfaser beginnt im kommenden Jahr. Wie stellt sich die Stadt auf die neuen Möglichkeiten ein?

Jeder Grevesmühlener hat rein statistisch ein Smartphone, wir beschäftigen uns als Stadt zusammen mit den Stadtwerken damit, dass wir ein kostenloses W-LAN-Netz über die Innenstadt legen wollen. Da geht es dann darum, dass wir Informationen über dieses Netz vermitteln können, die auf Grevesmühlen zugeschnitten sind. Das kann die Speisekarte eines Restaurants sein, oder das Sonderangebot eines Händlers oder die Ausstellung im Museum und das alles direkt aufs Hand. Das gibt es viele Möglichkeiten.

Stichwort Information: Die von vielen Eltern geforderte Überwachungskamera für den Mehrgenerationenspielplatz auf der Bürgerwiese ist mittlerweile vom Tisch?

Nein, der Datenschutzbeauftragte des Landes hat uns darauf hingewiesen, dass die aktuelle Situation nicht ausreicht, um eine Kamera aufzustellen. Es gibt keine akute Gefahrenlage Bedeutet: Es müsste erst etwas passieren, dann kommt das Thema wieder auf den Tisch.

Das Piraten Open Air ist mir jährlich rund 60 000 Besuchern fester Bestandteil der Grevesmühlener Kulturlandschaft. Wohin, denken Sie, geht die künftige Entwicklung des Theaters?

Erst einmal muss man feststellen, dass das Theater für unsere Stadt nicht mit Geld aufzuwiegen ist. Wenn man sich in Süddeutschland mit Menschen über Grevesmühlen unterhält, dann fällt sofort das Schlagwort Piraten Open Air. Andere Städte wären glücklich, wenn sie so etwas hätten. Mein Eindruck ist auch, dass das Theater sich gefestigt hat, und dass die Geschäftsleitung in die Zukunft blickt, das Marketing auf breitere Füße gestellt hat und das Zusammenspiel mit der Stadt besser läuft. Und dieser Betrieb läuft ohne öffentliche Fördermittel.

Vielen Dank.

Michael Prochnow

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