Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Ausgezeichnet: Gutshaus ist vorbildlicher Lernort
Mecklenburg Grevesmühlen Ausgezeichnet: Gutshaus ist vorbildlicher Lernort
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:25 25.01.2019
Das Gutshaus Stellshagen ist als nachhaltiger Lernort im Gastgewerbe ausgezeichnet worden. Im Foto die Übergabe der Urkunde mit (v.l.) Benjamin Laux (Uni Bonn), Daniela Bagdahn und Bill Nikiel (Gutshaus Stellshagen), Prof. Dr. Stephan Stomporowski (Uni Bonn) und Helge Beißert-Riegel (Viabono GmbH). Quelle: privat
Anzeige
Stellshagen

Vorbilder gibt es viele: Da ist der Dichter, der bereits verstorben ist. Oder der Politiker in seiner bereits zweiten, erfolgreichen Legislaturperiode. Oder der Nachbar, der immer da ist, wenn er gebraucht wird. Eben ein Mensch, wie es einst Schriftsteller Erich Kästner ausdrückte, „der im gegebenen Augenblick ohne Wimpernzucken gesagt oder getan hat, wovor wir zögern“. Einreihen kann sich nun auch Gertrud Cordes vom Gutshaus Stellshagen. Ihr Haus gilt als Vorbild für Nachhaltigkeit. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche Unesco-Kommission zeichnete das Netzwerk „Nachhaltige Lernorte im Gastgewerbe“, dem das Gutshaus angehört, aus. „Wir als nachhaltiger Lernort haben eine Urkunde erhalten, worauf wir sehr stolz sind“, freut sich Gertrud Cordes. Ihrer Ansicht nach spiele Bildung für nachhaltige Entwicklung eine große Rolle. „Wir helfen dabei, die Lehrausbildung in Deutschland mit nachhaltigen Inhalten zu gestalten“, führt sie aus.

Wie sieht das in der Praxis aus? Da ist die Landwirtschaft. Das Gutshaus betreibt Obst-, Kräuter- und Gemüseanbau. Die erzeugten Produkte verwendet es in den Gutshausküchen von Stellshagen und Parin. „Teilweise verkaufen wir sie in unseren Außenstellen und auch an andere Hotels in der Umgebung“, erläutert Bettina Löper, Marketingbeauftragte im Gutshaus. Punkten konnte das Biohotel auch mit seinem ökologischen Landbau. „In Veranstaltungen und Hofführungen versuchen wir, unser Wissen rund um den ökologischen Landbau sowie die Art und Weise, wie er in die Hotelstruktur eingebettet ist, weiterzugeben“, erklärt sie weiter. Nachhaltig ist auch die Regenwassernutzung. Um kostenbares Trinkwasser zu sparen, sind in Stellshagen zum Teil unterirdische Regenwassertanks und am Gutshaus in Parin ein Regenwasserteich eingebaut worden. „Aus diesen Tanks und dem Teich werden, soweit der Vorrat reicht, die Toiletten mit Spülwasser versorgt und die Gärten bewässert“, sagt Bettina Löper.

Anzeige
Gertrud Cordes: "Wir fühlen uns geehrt und sind stolz in diesem Netzwerk mitzuwirken." Quelle: DANIEL HEIDMANN

Gertrud Cordes liegt das Thema Nachhaltigkeit sehr am Herzen. Seit vielen Jahren schon ist sie mit Prof. Dr. Stephan Stomporowski von der Universität Bonn in Kontakt, der den Auftrag hat, das Thema Nachhaltigkeit in der offiziellen Lehrausbildung in der Gastronomie und Hotellerie zu implementieren. „Das Gutshaus Stellshagen, insbesondere Gertrud Cordes und Prokuristin Daniela Bagdahn, haben ihm immer wieder mit Rat und Tat zur Seite gestanden“, informiert Bettina Löper. Vor allem für den Küchenbereich sei das Thema Nachhaltigkeit immens wichtig und werde zurzeit noch nicht wirklich von den Berufsschulen in der Tiefe aufgegriffen, kritisiert Gertrud Cordes. Hierbei gehe es um Themen wie Einkauf, Einkaufswege, Regionalität und Einsparungen.

Seit 2016 zeichnen das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche Unesco-Kommission einmal im Jahr Bildungsinitiativen für ihre Nachhaltigkeit aus. Neben Lerninhalt, Methoden und Lernprozessen richten die ausgezeichneten Akteure ihr gesamtes Handeln auf eine Bildung für nachhaltige Entwicklung aus und verankern diese in der deutschen Bildungslandschaft.

Dem Netzwerk gehören neben dem Gutshaus in Stellshagen die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, das Waldhotel Felschbachhof in Rheinland-Pfalz, das Hotel Speicher am Ziegelsee in Schwerin, das Restaurant Lippeschlößchen in Nordrhein-Westfalen und die Viabono GmbH, eine Fachorganisation in der Tourismus- und Freizeitbranche, an. Es schafft mit der Umsetzung von Nachhaltigkeitsaktivitäten in Modellbetrieben, Innovation und Wandel voranzubringen, begründet die Jury ihr Ansinnen, das Netzwerk auszuzeichnen. Besonders hervorzuheben sei, dass Auszubildende an diesem Prozess beteiligt werden. „Darüber hinaus führt das Netzwerk bundesweite Fallstudien in Good-Practice-Betrieben durch, um erfahrungsbasierte Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und trägt so in besonderem Maße zum Wissenstransfer bei“, heißt es im Jury-Statement.

Jana Franke