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Grevesmühlen HSV klagt gegen Mecklenburger Firma – wegen Fan-Terrasse
Mecklenburg Grevesmühlen HSV klagt gegen Mecklenburger Firma – wegen Fan-Terrasse
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14:58 07.07.2019
Ein Handwerker aus Naschendorf (Nordwestmecklenburg) streitet sich mit dem HSV vor dem Amtsgericht Wismar. Es geht um die ikonische Raute des Vereins, die der Mann auf einer Terrasse verlegt hat. Quelle: dpa
Niendorf/Naschendorf

Er drücke dem Hamburger SV die Daumen, „seit ich mich erinnern kann“, sagt Christian Olk aus Niendorf (Gemeinde Timmendorfer Strand). Aber wenn am 16. Juli vor dem Amtsgericht Wismar ein Rechtsstreit zwischen dem HSV und dem Handwerker Henning Boock verhandelt wird, hofft Olk auf eine Niederlage seines Herzensvereins. Streitobjekt ist Olks Terrasse: Im Garten seines Grundstückes prangt auf etwa zwölf Quadratmetern die schwarzweiße Raute auf blauem Grund – das HSV-Logo. Vor einigen Jahren habe er Boock, damals sein Nachbar und ebenfalls Fan des Traditionsvereins, auf die farbstarken Kunststofffliesen angesprochen, die dieser verlegt. Für einen Spezialpreis habe der ihm dann die Raute verlegt, die sogar in der Satellitenansicht von Google-Maps als blauer Fleck auf Olks Grundstück zu erkennen ist.

Jahrelang hat sich niemand beschwert

Boock, der seinen Betrieb inzwischen nach Naschendorf in die Nähe von Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) verlegt hat, stellte ein Foto der schwarz-weiß-blauen Terrasse auf die Homepage der Firma. Das Werk besteht aus zusammensteckbaren Elementen, die sich passgenau zuschneiden lassen, um die Rautenform präzise abzubilden. „Das war jahrelang im Internet“, sagt Boock, „nie hat sich jemand beschwert.“ Bis im vorigen Jahr Post einer Anwaltskanzlei bei ihm eintraf. Die HSV-Fußball AG ließ ihn abmahnen, weil er mit der Werbung für die HSV-Terrasse die Markenrechte des Vereins verletzt habe.

Der HSV verlangt 1531,90 Euro plus Zinsen

„Ich habe nie eine weitere HSV-Terrasse verkauft“, sagt Boock. Er habe nach juristischer Beratung eine Unterlassungserklärung abgegeben, „um die Angelegenheit nicht unnötig zu strapazieren“, sagt Boocks Rechtsanwalt Christian Schlichting aus Lübeck.

Eine Übernahme der Abmahnkosten lehnten sie jedoch ab – „unter Hinweis auf die einmalige Fan-Idee ohne markenmäßigen Gebrauch sowie die Freiheit der kreativen Idee und Gestaltung“. Der Traditionsverein zeigte sich aber hartleibig – und verklagte Boock auf Zahlung von 1531 und 90 Cent zuzüglich Zinsen. Das Angebot von seiten des HSV für eine außergerichtliche Einigung – nach OZ-Informationen mit Kosten im niedrigen dreistelligen Euro-Bereich – wiederum habe Anwalt Schlichting nach Angaben des Vereins abgelehnt und den HSV aufgefordert, seine Ansprüche „klagweise durchzusetzen“.

Justiziar: Verein muss gegen Verletzung der Markenrechte vorgehen

„Grundsätzlich finden wir es klasse, wenn Fans ihre Nähe zum HSV in derartigen Aktionen ausdrücken“, beteuert HSV-Justiziar Julius Becker gegenüber der OZ. Das habe allerdings dort seine Grenzen, „wo der Fan die Marken des HSV zum Verkauf oder zur Bewerbung seiner Waren und Dienstleistungen ausnutzt“.

Henning Boock habe „die Strahlkraft der Marke Raute genutzt“, um für seine Arbeit zu werben. Der Verein sei gegenüber seinen Lizenzpartnern vertraglich dazu verpflichtet, „derartige Verletzungen der Markenrechte zu verfolgen“.

Auf seinem Rücken prangt ein HSV-Tattoo

„Das finde ich albern“, sagt Olk. Er kann seinen Verein in dieser Sache nicht verstehen. Am Rand der umstrittenen Terrasse steht ein Strandkorb mit weißblauen Streifen, daneben ein Außenkamin mit HSV-Emblemen. Der 54-Jährige arbeitet als Kellner im Kleinen Steakhaus in Scharbeutz.

Weil derzeit so viel zu tun ist, hat er erstmals seit vielen Jahren keine Dauerkarte für das Volksparkstadion. Aber er verfolge trotzdem immer, wie es seinen Idolen auf dem Fußballplatz ergehe, erzählt Olk, zur Not „auf einem Laptop hinter dem Tresen“. Auf seinem Rücken prangt ein HSV-Tattoo, in Haus und Garten besitze er Fan-Artikel für ein Mehrfaches der Summe, um die es nun vor dem Amtsgericht Wismar geht. „Da hängen ein paar tausend Euro im Garten“, meint Christian Olk und schimpft auf die Knauserigkeit der mit Millionen hantierenden HSV-Fußball AG. „Die sollen froh sein, dass es solche Beknackten wie mich gibt.“

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