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Grevesmühlen Heftige Diskussionen um Hakenkreuze in Schönberg
Mecklenburg Grevesmühlen Heftige Diskussionen um Hakenkreuze in Schönberg
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08:51 05.08.2018
An der Unfallstelle in der Dassower Straße erinnern Kerzen und ein Bild an das tragische Unglück.
An der Unfallstelle in der Dassower Straße erinnern Kerzen und ein Bild an das tragische Unglück. Quelle: Michael Prochnow
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Schönberg

Nachdem mehrfach Hakenkreuze an der Stelle aufgetaucht waren, an der der Junge starb, ermittelt die Polizei. Auch Schönbergs Bürgermeister Lutz Götze (OZ berichtete) hat deutlich Stellung bezogen und die Aktionen verurteilt. „Und dann kommen Menschen auf die Idee, dieses tragische Ereignis mit Symbolen aus der schlimmsten Zeit der deutschen Geschichte, dem Nationalsozialismus, mit Hakenkreuzen, auf dem Gehweg zu kommentieren“, so Götze. An der Unfallstelle in Höhe der Supermärkte in der Dassower Straße erinnern Grablichter, ein Bild und ein Foto des getöteten Jungen an den Unfall, der sich am 20. Juni ereignete. Damals war das Kind, das auf einem Fahrrad unterwegs war, unvermittelt auf die Straße gefahren und dort von einem Traktor erfasst worden. Der Neunjährige erlag seinen schweren Verletzungen.

Wenige Tage später tauchte das erste Hakenkreuz auf, das auf den Bürgersteig in Höhe der Unfallstelle gemalt worden war. In der vergangenen Woche malten Unbekannte erneut ein Hakenkreuz an die Stelle. Besonders abscheulich: Neben das Hakenkreuz hatten der beziehungsweise die Täter „1:0“ geschrieben. In Schönberg und in den sozialen Netzwerken sorgen die Vorfälle bundesweit für Empörung und heftige Diskussionen. So schreibt Daniela Klingbiel auf der OZ-Facebook-Seite: „Und heute habe ich das Foto von den jungen gesehen was mich noch mehr traurig macht weil er immer so fröhlich mit dem Fahrrad am mir vorbei ist des wegen sehe ich ihn auch nicht mehr.“ Ähnlich reagieren viele andere Leser auf die Meldungen aus Schönberg.

Derweil gestaltet sich die Suche nach den Tätern schwierig. Der polizeiliche Staatsschutz habe die Ermittlungen aufgenommen, heißt von Seiten der Behörden. Doch bislang gibt es offenbar keine Zeugenhinweise. Am Sonntag, 8. Juli, war das erste Hakenkreuz an der Stelle entdeckt worden, gegen 11.47 Uhr hatte ein Zeuge die Polizei darauf aufmerksam gemacht. Am 28. Juli, einem Sonnabend, waren die Schmiererein gegen 21 Uhr entdeckt worden. In der Dassower Straße befindet sich ein großes Wohngebiet. In den sozialen Netzwerken kursieren Gerüchte, dass die Farbe der Hakenkreuze mit Nazi-Parolen identisch sei, die an den Hauswänden in der näheren Umgebung zu finden seien. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Für die Menschen in Schönberg ist der Fall nach wie vor unfassbar. Eine junge Mutter, die am Wochenende mit ihrem Kinderwagen in der Dassower Straße unterwegs war, schüttelte nur entsetzt den Kopf, als sie von den erneuten Hakenkreuz-Schmierereien erfuhr. „Total krank sowas, ein Kind ist gestorben, das Schlimmste, was einer Familie passieren kann.“

Prochnow Michael