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Grevesmühlen Herrnburgs Wachstum: Fluch und Segen
Mecklenburg Grevesmühlen Herrnburgs Wachstum: Fluch und Segen
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17:28 27.03.2019
Herrnburg-Nord macht die Gemeinde Lüdersdorf zur einwohnerreichsten Kommune im Schönberger Land. Die Einkommenssteuer ist ihre wichtigste Geldquelle. Quelle: Jürgen Lenz
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Lüdersdorf

Ein Jubiläum kann die Gemeinde Lüdersdorf in diesem Jahr feiern: 25 Jahre Herrnburg-Nord. Der rapide Zuwachs an Einwohnern durch das damals größte Neubaugebiet in Mecklenburg-Vorpommern prägt das Leben und die Finanzen in der Kommune bis heute. Die Bilanz fällt gemischt aus.

Auf der Habenseite: viele Einwohner, das bedeutet besonders in der Gemeinde Lüdersdorf auch viele Einnahmen. Allein in diesem Jahr kassiert Lüdersdorf rund 2,3 Millionen aus der Einkommenssteuer. Sie ist mit Abstand die wichtigste Einnahmequelle der Gemeinde, in der jetzt 5332 Frauen, Männer und Kinder wohnen. Zweitwichtigste Geldquelle ist die Gewerbesteuer mit rund 630 000 Euro. Ungewöhnlich hoch sind in der Gemeinde Lüdersdorf die Einnahmen aus der Steuer, die für bebaute Grundstücke zu zahlen ist. Sie beläuft sich in diesem Jahr auf 405 000 Euro und ist damit die drittwichtigste Geldquelle. Auch hier profitiert Lüdersdorf vor allem von Herrnburg-Nord, wo von 1994 bis heute Häuser mit insgesamt 1100 Wohnungen gebaut wurden.

Ein Vergleich macht eine weitere Besonderheit deutlich. Schönberg kann in diesem Jahr trotz fast 5000 Einwohnern nur mit 1,5 Millionen Euro aus der Einkommenssteuer rechnen. Das bedeutet: In der Stadt fließen pro Einwohner rund 300 Euro Einkommenssteuer in die Kasse der Kommune, während es in der Gemeinde Lüdersdorf fast 50 Prozent mehr sind, nämlich 434 Euro. Die Einwohner der im Speckgürtel von Lübeck gelegenen Kommunen verdienen also im Schnitt deutlich mehr als die Bürger von Schönberg.

Schon vor 25 Jahren verhielt sich Lüdersdorf einem Hinweis des Bundesfinanzministeriums gemäß: „Die Gemeinde kann durch zielgerichtete Aktivitäten versuchen, insbesondere besser verdienende Einwohner anzuziehen, um ihre Einnahmen aus dem Einkommenssteueranteil zu erhöhen.“ Lüdersdorf nutzte die Chance des Wachstums. Vor allem nach Herrnburg, aber auch in andere Ortsteile, zogen viele junge Familien, die sich ein eigenes Haus leisten konnten. Diese Familien sind auch die Ursache dafür, dass Lüdersdorf, gemessen am Durchschnittsalter, eine der jüngsten Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern ist.

Aus der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Herrnburg-Nord finanziert: die Grundschule im Ort. Quelle: Jürgen Lenz

Der Kinderreichtum ist für die Gemeinde allerdings nicht nur ein Segen. Finanziell stellt er eine große Herausforderung dar. 860 000 Euro Eigenanteil muss die Gemeinde in diesem Jahr dafür zahlen, dass ihre jüngsten Bürger in Kitas betreut werden – oder von Tagesmüttern, die hier seit vielen Jahren besonders gefragt sind, weil die Kommune mit dem Ausbau ihrer sozialen Infrastruktur kaum hinterherkommt. Zwar gibt es mittlerweile drei Kitas in Herrnburg und eine im Ortsteil Wahrsow, doch Hortkinder müssen weiterhin in Wohncontainern und Räumen der Grundschule betreut werden.

Diese jahrelange „Übergangslösung“ will die Kommune 2019 durch den Bau eines Hortes beenden. Der am Dienstagabend von den Gemeindevertretern beschlossene Haushalt 2019 sieht 2,3 Millionen Euro für einen Anbau an die Grundschule vor. „Es war schon damals vorgedacht, dass man es an dieser Stelle macht“, erinnert sich der Lübecker Klaus-H. Petersen. Er war einer der Architekten, die die 1998 eröffnete Grundschule in Herrnburg planten. Sie wird vom Neubau des Hortes profitieren. Durch einen Aufzug im Anbau wird auch das Unterrichtsgebäude barrierefrei. Ebenfalls geplant: eine behindertengerechte Toilette im Hort.

Dass der Kinderreichtum eine besondere finanzielle Herausforderung für die Gemeinde darstellt, ist in der Schweriner Landesregierung bekannt. Lüdersdorf kann beim Bau des Hortes mit 1,8 Millionen Euro Zuschuss rechnen.

Der Lüdersdorfer Bürgermeister Erhard Huzel sieht sich in einer Gemeindevertretersitzung Außenansichten des Hortneubaus in Herrnburg an. Quelle: Jürgen Lenz

Eine größere Last für die Gemeinde ist die finanzielle Bilanz der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Herrnburg-Nord. Sie war eine Art Turboprogramm für neues Bauland östlich von Lübeck. Grundstücke wurden schnell verfügbar gemacht. Das Prinzip: Die Kommune kauft Grundstücke zum Anfangswert und verkauft sie teurer als erschlossenes Bauland. Aus dem Unterschied zwischen Anfangs- und Endwert sollte finanziert werden, was durch die Entwicklungsmaßnahme ausgelöst wird: der Bau von Schulen, Kindergärten, Spielplätzen und die Erschließung von Wohngebieten mit Straßen und Leitungen. In der Gemeinde Lüdersdorf geht diese Rechnung jedoch nicht auf. Nach derzeitigem Kenntnisstand wird die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Herrnburg-Nord mit einem Minus von rund 1,3 Millionen Euro abschließen. Auf der Habenseite stehen allerdings eine Schule, zwei Kindergärten und viele Straßen, die es ohne die Entwicklungsmaßnahme Herrnburg-Nord nicht geben würde. Die Freiwillige Feuerwehr Herrnburg profitiert ebenfalls: durch den Bau eines Gerätehauses Ende der 90er Jahre, das einen sanierungsbedürftigen Altbau ersetzte – und durch das Engagement vieler Brandschützer, die in Herrnburg-Nord wohnen.

Eine weitere Folge des Wachstums: Im einwohnerreichsten Ortsteil der Gemeinde gründete sich 1998 der Verein „Sport und Freizeit Herrnburg“. Mit 407 Frauen, Männern und Kindern ist er heute die zweitgrößte Gemeinschaft in der Gemeinde. Noch mehr Mitglieder hat die Kirchengemeinde Herrnburg. Auch sie wächst seit dem ersten symbolischen Spatenstich für das Neubaugebiet Herrnburg-Nord am 21. September 1994. Ein sichtbares Zeichen dafür ist das 2009 eröffnete Gemeindezentrum neben der Kirche. Es ist einer von wenigen Neubauten dieser Art in Norddeutschland.

Auch der Lüdersdorfer Bürgermeister Erhard Huzel (CDU) erfüllte sich seinen Wunsch nach einem eigenen Heim in Herrnburg-Nord. Die meisten Gemeindevertreter wohnen jedoch in anderen Ortsteilen.

Jürgen Lenz

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