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Grevesmühlen Hilfe für Jugendliche, wenn das Leben außer Kontrolle gerät
Mecklenburg Grevesmühlen

Hilfe für Jugendliche, wenn das Leben außer Kontrolle gerät

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14:38 19.12.2019
Katharina Neumair und Bernd Schindler vom Projekt „JuSt“ stehen Jugendlichen, wie Jakob und Nadine, zur Seite. Quelle: Jana Franke
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Grevesmühlen

Nadine und Jakob (Namen von der Redaktion geändert) sitzen im Sessel und schauen auf ihre schlafende Tochter im Kinderwagen. Vor drei Monaten kam sie zur Welt.

Geplant war es von der 19-jährigen frischgebackenen Mama und dem 20-jährigen Papa nicht, so schnell eine Familie zu gründen. Waren sie doch gerade erst ein Paar geworden, als Nadine schwanger wurde. Irgendwie sei es eben passiert. Sie entschlossen: Wir packen das gemeinsam. Und: Die Kleine soll es besser haben als sie.

Holprige Kindheit

Eine Bilderbuchkindheit war es nicht, auf die Nadine zurückblickt. Von der psychisch kranken Mutter zu Verwandten geflohen, hielt sie es auch bei denen nicht mehr aus und ging freiwillig ins Heim. Mehrfach sei sie auch dort abgehauen und wurde von der Polizei zurückgebracht. „Ich habe viel Scheiße gebaut“, gibt sie zu. Mittlerweile ist sogar gerichtlich bestimmt, dass Nadine nicht mehr bei ihrer Mutter leben darf.

Nicht viel anders sah es bei Jakob aus. Auch er war im Heim. Drogen und Alkohol bestimmten seinen Tag. Die Schule schmiss er nach der achten Klasse. In der Ausbildung ist er noch in der Probezeit entlassen worden. Er war Choleriker, siebeneinhalb Jahre Anti-Aggressionstherapie hätten ihm nichts gebracht, sagt er.

Projekt veränderte ihr Leben

Die Kurve haben die beiden erst mit Katharina Neumair und Bernd Schindler gekriegt. Die beiden sind die Köpfe des Awo-Projekts JuSt. Diese vier Buchstaben stehen für Jugend stärken – und genau das tut das Duo mit finanzieller Unterstützung des Landkreises Nordwestmecklenburg und des Europäischen Sozialfonds (ESF). „Ich weiß nicht, wo ich wäre, wenn es das Projekt nicht geben würde“, sagt Jakob.

Schulden, Wohnungssuche, Problemlösung mit Eltern, Vermitteln von Beratungsstellen, Stärken herausfinden und fit für die Schule, die Ausbildung oder den Job machen, Bewerbungen schreiben, Begleiten zu Ämtern, Widersprüche gegen Leistungsbescheide – das Aufgabenspektrum ist breit gefächert. Angesprochen sind Jugendliche zwischen zwölf und 26 Jahren. Das Projekt läuft seit 2015 – zunächst nur in Wismar. Nun ist es auf Grevesmühlen und den Klützer Winkel ausgedehnt worden. „Wir wollen mehr in den ländlichen Raum“, begründet Bernd Schindler.

Der Bedarf ist da, das merken er und seine Kollegin. Viele Jugendliche werden über das Jobcenter, Schulsozialarbeiter oder, wie im Fall von Nadine und Jakob, über das Jugendamt vermittelt. Ob sie die kostenlose Hilfe annehmen, bleibt letztlich den jungen Menschen überlassen. Das ist in der Tat nicht immer so. „Das Jobcenter in Grevesmühlen rief mich an und reichte den Hörer an einen jungen Mann weiter“, erinnert sich Bernd Schindler. Am Telefon hatten beide einen Termin vereinbart – der junge Mann ignorierte ihn letztlich.

Nicht immer ein guter Ausgang

Nadine und Jakob sind mehr oder weniger eine Vorzeige-Familie, die die Chance gepackt haben und ihr Leben auf die Reihe brachten. Aber Bernd Schindler weiß auch von anderen Fällen zu berichten: Jugendliche, die immer mehr in den Drogensumpf abrutschten. Ebenso ein Todesfall ist dabei. Spurlos ging der Suizid des Klienten auch an Bernd Schindler nicht vorbei. „Es gibt leider nicht immer einen guten Ausgang“, sagt er.

Den wollen aber auf jeden Fall Nadine und Jakob. Er hat einen Job als Gebäudereiniger gefunden, fühlt sich von den Kollegen aufgenommen und endlich angekommen. Nadine will nach dem Babyjahr eine Ausbildung als Verkäuferin beginnen. Einen Tagesmutterplatz für die Kleine habe sie bereits. „Ich will meiner Tochter eine bessere Mutter sein als ich sie hatte“, sagt sie zum Schluss. Harte Worte. Und was will der Papa seiner Tochter unbedingt mit auf den Weg geben. „Dass Drogen scheiße sind!“ Wie zur Bestätigung lächelt die kleine Maus in ihrem Kinderwagen.

Kontakt

Katharina Neumair und Bernd Schindler sind täglich von 8 bis 16.30 Uhr bei der Awo-Soziale Dienste gGmbH in Wismar (Erich-Weinert-Promenade 2) zu erreichen (Telefon: 03841/710020).

Darüber hinausist Katharina Neumair unter 0163/3344718 und Bernd Schindler unter 0163/6708911 zu erreichen.

Am Telefon können Termine vereinbart werden. Die persönlichen Gespräche finden dann im Jugendtreff im Bürgerbahnhof Grevesmühlen statt.

Weitere Infosgibt es unter just@awo-wismar.de und www.awo-wismar.de

Von Jana Franke

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