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Grevesmühlen Hip-Hop aus Naschendorf
Mecklenburg Grevesmühlen Hip-Hop aus Naschendorf
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09:06 31.12.2018
Fritz Bräunig, 19, aus Naschendorf Quelle: Michael Prochnow
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Naschendorf/Grevesmühlen

Man muss ein wenig suchen im Internet, um die Titel zu finden. Man muss den Codenamen kennen des Musikers, und die Geschichten hinter den Liedern. Und man muss mit der Sprache umgehen können, wie sie junge Leute benutzen, die ihre Gefühle in Musik packen. In Hiphop um genau zu sein. In Reime, die Wörter in enge Zeilen pressen, damit der Vibe entsteht. Der Flow, wie die Hiphoper ihn nennen. Der Rhythmus, wie es früher hieß. Aber es lohnt sich. Denn hinter Freezy36 verbirgt sich mehr als nur ein junger Mann, der nachts seine Gedanken zu Liedern formt.

Friedrich Bräunig heißt er, Fritz nennen ihn seine Freunde, weil Friedrich irgendwie zu ernst klingt. 19 Jahre ist er alt, den dritten Titel hat er gerade hochgeladen im Netz, auf soundcloud.com und Youtube kann man sie hören. Die Songs über Grevesmühlen, über Freunde, Enttäuschung, Hansa und über die Erinnerungen an seinen Vater Erhard Bräunig, 2015 starb der ehemalige Landrat Nordwestmecklenburgs bei einem Verkehrsunfall, sein Sohn hat in „Monolog an Papa“ aufgeschrieben, was ihn bewegt.

„Nachts um zwölf sitz’ ich hier/schreibe Texte übers Leben/nur um dich noch einmal sehen/dafür würd’ ich alles geben ... „ich will jetzt sein wie du/schau’ nach oben und bedank’ mich“

Ein bewegendes Lied, das allerdings auch Kritik hervorbrachte. „Es gab auch Stimmen, wie, was muss der jetzt öffentlich rumheulen. Schon komisch, wie einige Leute ticken“, sagt Fritz Bräunig, der im dritten Semester Lehramt in Rostock studiert und viermal die Woche bei Empor Rostock Handball trainiert. „Dabei habe ich nur das beschrieben, was ich denke.“

Das macht er seit über einem Jahr. Als eine Art Stressbewältigung. „Irgendwann saß ich wieder beim Lernen und hatte nur noch Nebel im Kopf, dann habe ich zur Entspannung das Lied über Grevesmühlen aufgenommen.“ Mit einem Headset hat er den Text eingesprochen, Beats drunter gelegt. Programme dazu gibt es reichlich im Netz. „Dann war der erste Song fertig, hochladen und das war’s dann.“ Das Ergebnis ist vielleicht nicht gerade das, was die Marketingabteilung des Grevesmühlener Rathauses als Werbeträger in Auftrag geben würde, aber es ist das, was die junge Generation für ihre Heimat empfindet. Und auch so beschreibt. „Ich liebe meine Heimat wie viele andere in meiner Generation auch, und trotzdem habe ich einen kritischen Blick auf meine Heimatstadt. In der Sprache, die ich benutze, klingt das vielleicht etwas hart, aber so empfinde ich das.“

Hiphop hat nichts mit Schlager zu tun, oder Deutschrock. Wenn Herbert Grönemeyer seiner Heimat Bochum ein Denkmal setzt mit einem Lied, dann nimmt er auch die weniger schönen Seiten auf, aber Hiphop ist deutlicher, direkter und „ehrlicher, wenn man es so sagen kann“, beschreibt der 19-Jährige seine Texte. Dass er damit auch polarisiert, das gehört zur Musik dazu.

Die ersten Songs hat er in seinem Zimmer in Naschendorf aufgenommen und eingespielt, der letzte Titel stammt aus dem Tonstudio. „Der Freund meiner Nicht produziert in Berlin Schlager, dort durfte ich jetzt den Song aufnehmen“, erzählt Fritz Bräunig. „Drei Stunden hat es gedauert, er meinte, dass sei nicht so schlecht, was ich dort mache.“ Trotzdem ist es Hobby neben dem Studium und dem Handball. Dass er acht Jahre lang Schlagzeug gespielt hat bei der Kreismusikschule Carl Orff, hilft ihm bei der Arbeit mit der Musik, die immer noch eine Art Entspannungstherapie ist. „Ich schreibe viel auf, was mich bewegt, und irgendwann wird dann ein Song draus.“

Im Freundes- und Bekanntenkreis kennen viele die Lieder des Studenten aus Naschendorf. Ob die Titel es vielleicht irgendwann einmal ein bisschen weiter schaffen, das sieht er gelassen. „Wenn ich mal nen Euro damit verdienen kann, dann wäre das cool. Aber darum geht es mir nicht, ich hab’ Spaß dran.“

Michael Prochnow

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