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Grevesmühlen Hund vor Ertrinken gerettet
Mecklenburg Grevesmühlen Hund vor Ertrinken gerettet
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13:20 24.05.2018
Die Frage, die sich Tierheimmitarbeiter in Dorf Mecklenburg stellen, ist: Wie ist dieser alte, kranke Hund in den Mallentiner Löschteich gelangt? Quelle: Tierheim Dorf Mecklenburg
Mallentin

Wie der Mischlingsrüde in der Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag in den Löschteich von Mallentin (Landkreis Nordwestmecklenburg) gelangt ist, wird wohl ein Rätsel bleiben. Der Teich hat eine flache Böschung, ist teilweise mit Schilf bewachsen. Es ist also möglich, dass ein Hund dort hineinläuft, freiwillig. Vielleicht, um schwimmen zu gehen, weil ihm warm ist. Normalerweise sollte er dann jedoch auch keinerlei Probleme haben, wieder an Land zu kommen. Doch dieses Szenario ist ein wenig unwahrscheinlich, vor dem Hintergrund der Geschichte, die sich um die Rettung eines Hundes in Mallentin abspielte.

Mallentiner, die neben dem Löschteich wohnen, waren in der Nacht von Montag auf Dienstag gegen 2.30 Uhr von dem Bellen und Jaulen eines Hundes, der in Panik und kurz vor dem Ertrinken war, aufgewacht. Sie eilten dem Tier zur Hilfe und zogen es mithilfe einer Harke an Land. Danach informierten sie die Polizei. Die wiederum rief Steve Klemkow, freiwilliger Feuerwehrmann und Mitarbeiter des Bauhofes der Stadt Grevesmühlen an, der nach Mallentin fuhr und den Hund zunächst im Zwinger auf dem Hof des Bauhofes in Obhut nahm, um ihn tags darauf ins Tierheim Dorf Mecklenburg zu bringen.

„Eigentlich sind wir als Städtischer Bauhof nur für die Inobhutnahme von Tieren zuständig, die zur Gefahr werden können“, sagt Klemkow. Eigentlich hätten die Retter aus Mallentin das Tier in ihre Obhut nehmen müssen und am folgenden Tag im Tierheim abgeben müssen. Doch für Klemkow war es dennoch keine Frage in diesem Fall zu helfen - mitten in der Nacht, zwischen zwei Feiertagen, aufzustehen, nach Mallentin zu fahren und sich darum zu kümmern. Keine große Sache, meint er.

Doch Bauhofchefin Manuela Harder weist aus gegebenem Anlass noch einmal darauf hin: „Wer streunende, friedliche Tiere aufnimmt, muss sich auch darum kümmern, sie dem Tierheim zuzuführen. Wir kommen normalerweise nur dann ins Spiel, wenn auf irgendeine Art Gefahr im Verzug ist durch das Tier. Gefahr im Straßenverkehr zum Beispiel oder Gefahr für Menschen.“

Der gerettete Mischlingsrüde, der vollkommen erschöpft und verängstigt war - und auch am folgenden Tag im Tierheim Dorf Mecklenburg einfach nicht auf die Beine kam, wurde von Tierheimmitarbeiterin Jenny Medzech von vornherein auf ein hohes Hundealter geschätzt: „Der Hund trug keinen Chip. Ein Mischling, vielleicht zwischen einem Schäferhund und einer anderen, kleineren Rasse. Wir schätzten ihn um die zehn bis 13 Jahre.“ 

Tierärztin Anke Hinrichs aus Wismar-Wendorf bestätigte das Alter – und ebenso aber leider auch eine traurige Diagnose, die schon Medzech vermutet hatte: Hodenkrebs. Der eine Hoden des Hundes war enorm angeschwollen. Zudem ergab die tierärztliche Untersuchung, dass der Rüde nicht nur aufgrund von Angst vor dem nahenden Ertrinken und dem Kampf um sein Leben so erschöpft war – er hatte offensichtlich auch große Schmerzen beim Laufen. Letztlich blieb nichts anderes, als den Hund von seinen Qualen zu erlösen.

In Dorf Mecklenburger Tierheim stellt man sich nun die Frage: Wie ist der alte, kranke Hund in einem Löschteich geraten? Ist tatsächlich auch nur im Entferntesten anzunehmen, dass er von ganz allein „ins Wasser gehen“ wollte? Oder hat ihn vielleicht – was die Tierheimmitarbeiter befürchten, Jemand einfach dort entsorgen wollen?

„Wir werden natürlich keine konkreten Anschuldigungen erheben“, sagt Jenny Medzech, „die nicht nachzuweisen sind. Doch auch angesichts der Lage in unserem Tierheim, dass immer mehr zum 'Seniorenheim' wird, weil immer mehr Menschen ihre alten, kranken Tiere irgendwo anbinden oder laufen lassen, sie auf verschiedenste, manchmal unvorstellbar grausame Weise entsorgen, liegt es doch für uns zumindest im Bereich des Möglichen, dass da Jemand versucht haben könnte, auf diese Weise sein altes, krankes Tier loszuwerden.“

Immer wieder weisen Tierheimbetreiber darauf hin, sich sehr genau zu überlegen, ob man sich wirklich einen Hund anschaffen möchte. „Das Tier bleibt nicht ewig jung. Manchmal wird es krank, auch schon als junger Hund. In jedem Fall wird es älter und wie beim Menschen ist Altwerden oft auch mit Krankheit verbunden. Und ein alter Hund braucht noch viel mehr Fürsorge als ein junger Hund.“, sagt Jenny Medzech vom Tierheim Dorf Mecklenburg. Nachdrücklich sagt sie: „Wer diese Fürsorge nicht leisten kann oder will, auch vom finanziellen Aufwand her, der darf sich einfach keinen Hund anschaffen.“

Allen wahren Tierfreunden jedoch, die sich davon nicht schrecken lassen, rät Medzech, finanzielle Rücklagen für die tierärztliche Behandlung ihres Tieres anzulegen. Es besteht zum Beispiel, was selten Jemand weiß, auch die Möglichkeit seinen Hund krankenversichern zu lassen, allerdings ist das teuer.

Eine kostengünstigere Alternative ist die Versicherung für Operationen und Krankenhausaufenthalte des Hundes bei der Uelzener Tierversicherung. Sie kostet, laut Auskunft aus dem Tierheim, um die 13 Euro pro Monat. Die Tierarztspritze für ein altes, krankes Tier, das einen lange begleitet hat, die ihm einen sanften Tod schenkt, kostet übigens um die 70 Euro. Nicht die Welt, oder?

Meinke Annett

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