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Grevesmühlen „Ich hatte richtig schlottrige Knie bei meinem ersten Spiel“
Mecklenburg Grevesmühlen „Ich hatte richtig schlottrige Knie bei meinem ersten Spiel“
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00:00 19.06.2015
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Dassow — 20 Spiele ungeschlagen, die meisten Tore, die beste Auswärtsmannschaft und folgerichtig der Aufstieg in die Landesliga. Trainer Thomas Haese (42), der die erste Mannschaft des SV Dassow im Oktober von Manuel Sperber übernahm, führte den Verein nach ganz oben. Im Interview stellt sich der ehemalige Oberligaspieler den Fragen von OZ-Mitarbeiter Steffen Oldörp.

Ostsee-Zeitung: Herr Haese, wie war Ihre erste Saison als Trainer?

Thomas Haese: Erst einmal muss ich mich bei Manuel Sperber bedanken. Er hat die Mannschaft gut zusammen gestellt. Ich möchte auch Danke sagen, dass mir die Mannschaft und der gesamte Verein so viel Vertrauen geschenkt haben. Zunächst sollte ich als Spielertrainer arbeiten. Das wollte ich nicht, das hätte nicht funktioniert. Ich habe gesagt: Trainer ja, aber ganz oder gar nicht und auf meine Art. Wenn ich helfen kann, dann gern. Solange ihr das wollt, mache ich das. Da es meine erste Station als Trainer ist, habe ich gewarnt, dass ich auch Fehler machen werde. Aber was ich versprechen konnte, war, dass wir richtig Fußball trainieren und den Spaß dabei nicht verlieren. Und das ist uns richtig gut gelungen.

OZ: Wie war das beim ersten Punktspiel als Trainer gegen Poel? Hatten Sie weiche Knie?

Haese: Ja, ich hatte richtig schlottrige Knie. Ich musste erstmals Verantwortung für eine Mannschaft übernehmen, zum ersten Mal eine Ansprache vor dem Team halten. Das Spiel haben wir 2:0 gewonnen. Die zweite Partie war dann gleich das Spitzenspiel gegen den PSV Wismar. Ein verrücktes Spiel. Wir sind in der 88. Minute in Führung gegangen, machen zwei Minuten später das 2:0 und trotzdem wird es noch einmal eng. Erst der Anschluss per Elfmeter in der 92. Minute und dann hatte der PSV sogar noch einen Elfmeter, den unser Keeper hält.

Ein Wahnsinnsspiel.

OZ: Welche Gründe gibt es dafür, dass Ihre Mannschaft in der Rückrunde so stark war?

Haese: Weil wir fußballerisch einen richtig guten und großen Kader haben. Alle Spieler können nahtlos in die Mannschaft einspringen, sodass wir das Niveau über 90 Minuten hoch halten können.

Ein ganz wichtiger Grund war auch die Verpflichtung unseres Torwarts Steve Moldenhauer (vom SV Lüdersdorf 96) in der Winterpause. Er hat uns in vielen Spielen den Sieg gerettet.

OZ: Den Grundstein für den Aufstieg hat Ihre Mannschaft sicher auch auswärts gelegt. Es gab keine einzige Niederlage, nur zwei Unentschieden. Was hat den SV Dassow auf fremden Plätzen so stark gemacht?

Haese: Wir standen hinten mit den alten Hasen Thomas Braun und David Burmeister sehr kompakt. Hinzu kamen gute Torwartleistungen und viele andere Spieler, die sehr gut Fußball gespielt haben.

Unser Ziel ist es, schnell den Ball zu erobern. Was uns dabei geholfen hat, ist, dass wir konditionell für die Landesklasse auf sehr hohem Niveau sind. Ein Grund dafür ist sicher die gute Trainingsbeteiligung.

OZ: Wie sieht es personell aus. Wer kommt, wer geht zur neuen Saison?

Haese: Stand jetzt hört Kapitän David Burmeister auf. Mit 32 Jahren finde ich das etwas verfrüht und schade. Auch Verteidiger Thomas Braun wird nicht mehr zur Verfügung stehen aus beruflichen Gründen. Das bedauere ich ebenfalls sehr. Ansonsten hoffe ich, dass wir so zusammenbleiben. Dann haben wir eine gute Truppe für die Landesliga.

OZ: Inwieweit muss der Kader noch verstärkt werden?

Haese. Ich hätte ganz gerne noch zwei, drei Spieler aus dem Dassower Umfeld. Die Herausforderung dabei ist, Spieler aus ihrem angestammten Verein zum SV Dassow zu holen.

OZ: Wie lautet das Ziel in der Landesliga West?

Haese: Ziel ist es, eine junge Mannschaft aufzubauen, gutes Training anzubieten, zu lachen, Spaß zu haben, guten Fußball zu spielen. Wenn uns das gelingt, stellen sich die Ergebnisse von alleine ein.

OZ: Worauf freuen Sie sich kommende Saison besonders?

Haese: Es ist cool, dass wir im Landespokal mitspielen dürfen. Es wäre schön für unsere Region, wenn wir mit dem FC Schönberg einen Regionalligisten zugelost bekommen würden und viele Zuschauer so ein Spiel sehen wollen. Drittligist Hansa Rostock wäre natürlich auch toll.

OZ: Beim SV Dassow herrschte vergangenes Jahr nicht immer Ruhe. Finanziell gab es Probleme, und auch einige Sparten waren sich nicht so grün untereinander. Kann das zu einer Belastung werden?

Haese: Mich belastet das nicht. Im Moment macht es den Eindruck, dass es bergauf geht im Verein. Mit Marko Kühl haben wir jemanden, für den das Glas eher halb voll als halb leer ist. Es ist für alle Mitglieder des Vereins wichtig, dass das Schiff SV Dassow auf Kurs gebracht wird. Dass uns das gelingen wird, daran habe ich keinen Zweifel.



OZ