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Grevesmühlen „Die Königin ist nicht die Chefin“
Mecklenburg Grevesmühlen „Die Königin ist nicht die Chefin“
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11:32 10.07.2019
Imker Rudolf Gerber aus Hilgendorf bei seinen Bienenstöcken im Klützer Schlossgarten. Quelle: Michael Prochnow
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Klütz/Hilgendorf

35 Grad herrschen konstant im Brutkasten eines Bienenstocks. „Und zwar im Sommer, wenn draußen 30 Grad sind genauso wie im Winter bei minus 10“, erklärt Rudolf Gerber. Das Geheimnis dahinter ist die Klimaanlage der Bienen, die im Winter mit Muskelbewegungen für Wärme sorgen und im Sommer durch das Verdunsten von Wasser für Kühlung. Der Imker aus Hilgendorf hat einige seiner Völker im Küchengarten von Schloss Bothmer aufgestellt. Der Garten ist zwar völlig verwildert, doch als Ausgangspunkt für die Bienen ist der Standort ideal. „Es gibt viele Pflanzen in der Umgebung, was am Ende dabei herauskommt, das werden wir noch sehen. Aber ich denke, 2019 wird kein so schlechtes Honigjahr.“ Der „Schlosshonig“, den es auf Bothmer direkt zu kaufen gibt, ist dabei nur eine von mehreren Sorten, die der Berufsimker anbietet.

Die Branche sucht Nachwuchs. Rudolf Gerber nutzte den Gartentag auf Schloss Bothmer, um zusammen mit Gärtnerin Kristin Brandt die Besucher in die Geheimnisse der Natur und der Bienenzucht einzuweihen. Und das Interesse war groß, mehrere Gruppen nutzen die Chance, mit den Experten ins Gespräch zu kommen. Das würde sich Gerber auch für die Branche wünschen. Doch die Imkerei ist mehr als nur ein Hobby – sie ist Handwerk. „Es ist niemandem damit geholfen, wenn sich jetzt ein paar Enthusiasten einen Bienenstock in den Garten stellen und denken, sie würden damit die Umwelt retten“, erklärt der Fachmann. Das nütze überhaupt nichts. „Man muss sehr viel beachten, was die Pflege, den Standort und den Schutz der Bienen betrifft.“ Milben und schwierige äußere Bedingungen wie extremes Wetter würden den Insekten zusetzen.

Fläche und Zahl der Blühstreifen nehmen zu

In Mallentin bei Grevesmühlen an der Bushaltestelle ist eine Fläche als Blühwiese ausgesät worden Quelle: Malte Behnk

Hoffnung macht Rudolf Gerber eine andere Entwicklung, die zahlreichen bunten Streifen entlang der Felder in Nordwestmecklenburg sind nicht nur eine Augenweide, sie sind die Autobahnen und Supermärkte der Insekten mit ihren vielfältigen Blüten. Es ist kein Geheimnis, dass Landwirte und Imker in den vergangenen Jahren nicht unbedingt an einem Strang gezogen haben. Doch seitdem das Landwirtschaftsministerium die Anpflanzung von Blühstreifen fördert, nehmen die Flächen deutlich zu – an Quantität und auch an Vielfalt. „Ich kann die Bauern durchaus verstehen“, so Rudolf Gerber. „Natürlich ist jeder Hektar Ackerland für die Produktion wichtig, und die Vorschriften auf EU-Ebene machen es den Landwirten auch nicht gerade leichter. Auch deshalb freue ich mich über die Blühstreifen, die es in dieser Zahl so früher nicht gab.“ Der Imker hat auch einen Tipp für die Spaziergänger: „Einfach mal in so einen Blühstreifen gehen und sich hinsetzen, nach ein paar Minuten werden Sie sehen, wie viele Insekten dort unterwegs sind, einfach faszinierend.“

20 Kilometer pro Stunde Startgeschwindigkeit

Imker Rudolf Gerber zeigt eine Wabe aus einem der Bienenstöcke. In den Waben befindet sich der Honig. Quelle: Michael Prochnow

Faszinierend sind auch die Details rund um die Honigbiene: Die Bienen kommen aus dem Flugloch mit einer Geschwindigkeit von rund 20 Kilometern pro Stunde. „Die Tiere sind nicht aggressiv, aber man sollte sich nicht direkt vor das Flugloch stellen, das stört sie“, sagt Rudolf Gerber. Bis zu 50 000 Bienen leben in einem Volk, es gibt eine Bienenkönigin, deren einzige Aufgabe darin besteht, Eier zu legen – und zwar bis zu 3000 am Tag. Etwa fünf Jahre wird eine Bienenkönigin alt, die „normale“ Arbeitsbiene lebt immerhin einige Monate („Die haben drei Wochen Innendienst, dann mehrere Wochen Flugdienst und dann bleiben sie irgendwann draußen liegen.“) , die männlichen Drohnen überleben gerade einmal nur sechs Wochen. Wie genau ein Bienenvolk funktioniert, das, so der Imker, sei immer noch ein großes Geheimnis. „Jede Biene weiß genau, was sie zu tun hat. Einige sind wahrscheinlich auch dabei, die es nicht so genau wissen, das ist dann wie bei uns Menschen. Aber warum ein Bienenvolk so funktioniert, das weiß noch niemand.“

In 16 Tagen wächst eine Königin heran

Apropos ungewöhnliche Daten: Bis aus einer Larve eine Arbeitsbiene wird, dauert es 21 Tage, eine Drohne braucht 24 Tage. „Eine Königin, die deutlich größer ist, braucht nur 16 Tage, um auszuwachsen. Das hängt einfach damit zusammen, dass wenn eine Königin stirbt, und das Volk Larven zu einer neuen Königin heranzieht, etwa zehn Larven rund um die Uhr gefüttert werden. Die erste Königin, die dann schlüpft, tötet die anderen“, so Rudolf Gerber.

Mehr Informationen zur Imkerei Gerber gibt es online.

Zwischen Christinenfeld und Eulenkrug bei Klütz blühen auf einem ganzen Feld blaue Kornblumen Quelle: Malte Behnk

Michael Prochnow

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