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Grevesmühlen Immer weniger Polizisten auf dem Land
Mecklenburg Grevesmühlen Immer weniger Polizisten auf dem Land
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00:00 24.07.2015
Andreas Giesler (li.) ist Kontaktbeamter in Dorf Mecklenburg, sein Kollege Holger Schauland ist für die Insel Poel verantwortlich.
Andreas Giesler (li.) ist Kontaktbeamter in Dorf Mecklenburg, sein Kollege Holger Schauland ist für die Insel Poel verantwortlich. Quelle: Mathias Otto
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Grevesmühlen

Die Polizeistrukturreform, die ab 2011 in Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt wurde, hat deutliche Spuren hinterlassen. Eine Folge: Weniger Beamte sind in den Stationen in den ländlichen Bereichen präsent. Welche Auswirkungen die Veränderungen haben, davon überzeugen sich derzeit Bundestagsabgeordneter Frank Junge (SPD) und der Landtagsabgeordnete Tilo Gundlack (SPD) im Nordwestkreis.

Die Politiker besuchten das Polizeirevier Wismar sowie die Polizeistationen in Kirchdorf auf Poel, Dorf Mecklenburg und in Neukloster. Zum Abschluss der Tour soll es zur Verkehrs- und Autobahnpolizei nach Metelsdorf gehen „Ich will“, sagt Frank Junge, „die Bedingungen der Polizeiarbeit in meinem Wahlkreis kennenlernen. Immerhin arbeiten 300 Beamte auf einer Fläche von 2 118 Quadratkilometern mit zirka 161 500 Einwohnern.“

Früher waren es noch weitaus mehr, erfuhren die beiden Politiker von Hans-Georg Herkt, dem Leiter des Polizeireviers in Wismar. „Die Umstrukturierung der Polizeiarbeit im Land gipfelte in zwei große Strukturreformen in den Jahren 2001 und 2011“, erklärte der Revierleiter. „Damit hat sich viel verändert. Für die Bürger in den ländlichen Gebieten war das wohl am ehesten spürbar.“ Arbeiteten früher in den Polizeistationen oft bis zu neun Beamte, ist heute oft nur noch ein Polizeihauptmeister vor Ort. „Das bedeutet aber nicht“, so Herkt, „dass die Kontaktbeamten jetzt die Arbeit von neun machen.

Durch die Umstrukturierungen haben sich die Tätigkeits- und Zuständigkeitsbereiche geändert“. Früher haben die Beamten in den Stationen zum Beispiel noch ermittelt, solange bis ein Fall geklärt war und ihn dann an die Staatsanwaltschaft übergeben. Heute fällt das in den Zuständigkeitsbereich des Kriminalkommissariats. Was die Kontaktbeamten in den Stationen heute tun, klingt ein bisschen nach „Polizeiruf 110“. Und nicht nach irgendeinem, sondern nach den Kultserien, in denen Schauspieler Horst Krause den Polizeihauptmeister gleichen Namens spielte — einen Kontaktbereichsbeamten im Ländlichen, der die Menschen in seinem Zuständigkeitsbereich persönlich kennt, der Vertrauensperson ist.

Die Polizeihauptmeister in Kirchdorf, Dorf Mecklenburg und Neukloster kümmern sich nicht nur um Straftaten, Unfälle oder das Aufnehmen von Anzeigen, es geht auch um Kommunikation. „Die Beamten haben ein offenes Ohr für die Probleme der Bürger“, fand Bundestagsmitglied Junge heraus. „Das richtige Wort zur richtigen Zeit hilft manchmal, die Zuspitzung einer Situation zu vermeiden und abzuwägen, wo man eingreifen muss und wo nicht.“ Zu laute Partys im Garten, illegale Müllablagerung, Nachbarschaftsstreit — es gibt vieles, was die ländliche Ordnung stören kann. Das Konzept der Kontaktbereichsbeamten sei aufgegangen, sagt Revierleiter Herkt. Und deren Arbeit sei, spätestens seitdem sie über einen mobilen Internetzugang verfügen, um einiges leichter geworden. Das sei ein Quantensprung an Zeitersparnis.

„Beschwert“, so Frank Junge, „hat sich niemand der Polizisten über seine Arbeitsbedingungen. Im Gegenteil: Die veränderten Strukturen wurden angenommen und das Beste daraus gemacht.“ Allerdings, so Junge weiter, wurde auch deutlich, dass weitere Einsparungen zu Problemen in der Fläche führen würden. „Das ist der Auftrag, den mein Kollege mit in den Landtag und ich mit nach Berlin nehmen werden:

Keine weiteren Einsparungen im Polizeibereich. Das Prinzip der Bürgernähe und Präsenz wäre dann wirklich in Gefahr.“

Polizei-Neubau in Wismar
Anstelle des nachträglichen Anbaus an das denkmalgeschützte Haupthaus der Polizei in Wismar, entsteht an gleicher Stelle ein modernes Dienstgebäude. Mecklenburg-Vorpommern investiert rund 9,4 Millionen Euro in eine moderne Dienststelle der Polizeiinspektion Wismar, des Polizeihauptreviers und des Kriminalkommissariats.


Mit dem viergeschossigen Neubau und der Instandsetzung des Hauptgebäudes entstehen auf rund 1700 Quadratmetern 70 Büros für 168 Mitarbeiter sowie ein Hof für Gerätschaften und Fahrzeuge. Bis Oktober 2016 soll der gesamte Bau fertiggestellt sein.
„Es darf keine weiteren Einsparungen im Polizeibereich geben.“
Frank Junge (SPD)



Annett Meinke

24.07.2015
24.07.2015
24.07.2015