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Grevesmühlen Mit cooler Aktion coole Beschäftigte finden
Mecklenburg Grevesmühlen Mit cooler Aktion coole Beschäftigte finden
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08:33 28.01.2019
Machen mit einer Kampagne auf Instagram und Facebook Lust auf Handwerk: Marketingexperte Thorsten Moortz (l.) und Christian Stappenbeck vom gleichnamigen Handwerksbetrieb in Grevesmühlen. Quelle: JANA FRANKE
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Grevesmühlen/Wismar

Jugendlichen zeigen, wie – entschuldigen Sie den Slang – geil das Handwerk ist? Dabei hilft auf jeden Fall ein Hashtag (für Nichtkenner: das Doppelkreuz #). Ergänzt durch das Schlagwort „lustaufhandwerk“ startete im Oktober vergangenen Jahres eine Kampagne auf Instagram, an der auch der Grevesmühlener Handwerksmeister Christian Stappenbeck mitwirkt. Gemeinsam mit dem Marketingexperten Thomas Moortz und 40 anderen Handwerkern in Deutschland beweist er, dass Instagram nicht nur dazu da sein muss, Fotos von vergoldeten Steaks, von Verlobungen mit einem deutlich jüngeren Partner oder von knackigen Hintern im Bikiniunterteil zu posten. Nein, es können eben auch Fotos sein, die zeigen, weshalb Handwerker Lust auf ihren Beruf haben.

Ungefärbt und real

Da ist die fröhliche, Zunge ausstreckende Anlagenmechanikerin mit einem Stemmhammer und dem Vermerk „Drück mir ein dickes Gerät in die Hand und ich bin glücklich“. Oder der gerade zum Gesellen ernannte, zur Seite blickende Zimmermann, der die Leute wissen lässt „Jetzt geht das Leben richtig los. Und ich blicke in die Ferne – mal sehen, was die Zukunft bringt.“ Oder der junge Mann, der in luftiger Höhe an der Satellitenschüssel werkelt und vermeldet „Auch der Elektriker muss hin und wieder mal aufs Dach hinaus. Die Vielfalt der einzelnen Berufe macht die Attraktivität des Handwerks aus. Bekommt man da nicht #lustaufhandwerk?“ Alles ungefärbt. Alles real, keine gestellten Agenturfotos. Und alles nachahmenswert. Die Idee schlug sprichwörtlich ein wie eine Bombe. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 1500 Handwerker deutschlandweit an der viralen Aktion auf Instagram. Unter #lustaufhandwerk sind mittlerweile fast 6800 Beiträge zu finden. Täglich kommen neue Fotos von Azubis, Gesellen und Meistern hinzu, die zeigen, weshalb ihr Beruf so toll ist. Der gemeinsame Hashtag #lustaufhandwerk hält die ganze Kampagne zusammen und vernetzt die Akteure und Fans der Aktion untereinander.

„Die Zeiten, in denen Azubis ihre Betriebe suchen, sind vorbei. Wir müssen sie finden. Und das mit solchen Aktionen“, umschreibt Thorsten Moortz, der als Berater für Handwerksbetriebe deutschlandweit unterwegs ist. Lust, sich zu beteiligen? „Jeder, der von der Aktion profitieren will, kann kostenlos mitmachen. Einfach auf Instagram Bilder hochladen, die Lust auf Handwerk machen, und mit dem Hashtag versehen“, wirbt Thorsten Moortz. Die Kampagne spreche vor allem Mitarbeiter von Handwerksbetrieben an, die zeigen sollen, dass sie stolz auf ihre Arbeit und ihren Arbeitgeber sind.

Botschafter gesucht

Unter allen Beiträgen verlosen die Initiatoren eine Prämie. Bis Donnerstag können fleißig Fotos oder Videos gepostet werden. „Eine Jury sucht aus allen Beiträgen die zehn besten heraus, die nicht nur eine Prämie bekommen, sondern auch als Botschafter der Aktion ernannt werden“, erklärt Thorsten Moortz.

Ein wichtiger Grund für die Instagram-Kampagne ist die Nachwuchsgewinnung. Die Bewerbungen, das weiß auch Christian Stappenbeck, halten sich in Grenzen. „Viele Eltern erklären ihren Kindern, dass aus ihnen nur etwas werden könne, wenn sie Abitur machen und studieren gehen“, sagt er. Dabei könne man nirgendwo so schnell Karriere machen wie im Handwerk, glaubt der Inhaber der Heizung und Sanitär GmbH in Grevesmühlen.

Tobias Böse von der Kreishandwerkerschaft auf einem Plakat der "Komm wie du bist“-Kampagne. Quelle: Kreishandwerkerschaft

Vor allem, ergänzt Tobias Böse von der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar, müsse der Irrglaube aus dem Weg geräumt werden, „dass man im Handwerk kein Geld verdient“. Das versuche die Institution, die die Instagram-Idee der Handwerker befürwortet, mit zwei Kampagnen zu vermitteln: „Weitersagen“ und „Komm wie du bist. . .“. Auch hier ist es Ziel, Jugendliche und damit potenzielle Lehrlinge auf das Handwerk neugierig zu machen, sie zu informieren und zu unterhalten – und zwar mit Plakaten, auf denen Porträtfotos von Chefs, Lehrlingen oder Tobias Böse zu sehen sind. Auf den Mündern prangt ein sogenannter QR-Code. Scannen die Smartphone-Nutzer diesen ab, erscheint auf deren Bildschirm der passende Mund zum Bild, der munter losplappert und erklärt, worum es geht – und wo sich Interessenten melden können. Bisher läuft die Aktion, für die Tobias Böse hartnäckig Patent anmeldete, nur in Nordwestmecklenburg. „Ziel ist es, sie auf ganz Mecklenburg-Vorpommern, auf alle Kreishandwerkerschaften auszuweiten.“ Auch er sagt: „Die fetten Jahre sind vorbei. Die Betriebe müssen sich bei den Jugendlichen bewerben.“ Außerdem müsse die Berufsvorbereitung in den Schulen komplett auf den Kopf gestellt werden. „Oft wird dort ein falsches Bild von den Berufen vermittelt.“

Bewerbungen per WhatsApp

Nachholebedarf würde es auch bei einigen Handwerksbetrieben geben, was die Werbung im Internet und vor allem in sozialen Medien, in denen die Jugendlichen unterwegs sind, betrifft. „Unternehmen müssen von Jugendlichen gefunden werden“, verdeutlicht Tobias Böse. Aber: Gerade kleine Betriebe würden die Präsenz im Internet personell und finanziell nicht stemmen können. „Wir unterstützen dabei“, sagt Tobias Böse. Unterstützung gibt es auch für Jugendliche. Die „Komm wie Du bist...“-Kampagne fordert Jugendliche, die ein Praktikum oder eine Ausbildungsstelle suchen, auf, sich per Selfie und drei kurzen Sätzen einfach per WhatsApp zu melden. Dafür müssen die Nutzer nicht einmal umständlich die Nummer von Tobias Böse im Handy notieren. In der rechten unteren Ecke des Plakats, das sein Gesicht zeigt, gibt es einen Direct-Whatsapp-QR-Code. Wird der gescannt, öffnet sich automatisch WhatsApp und die Jugendlichen können munter drauflosschreiben. Eine weitere Idee, die gerade in der Umsetzungsphase ist: Auf der Plattform YouTube laufen Videos, in denen Lehrlinge erklären, was das Beste am Handwerk ist.

Auf YouTube ist auch Christian Stappenbeck unterwegs. Darsteller eines kleinen, lustigen Clips sind er und seine beiden Kinder. Gemeinsam auf der Couch sitzend, im Hintergrund läuft der Fernseher, fühlen sich Sohn und Tochter durch Werkzeuggeräusche gestört. Papa knackt Nüsse – mit einer elektrischen Rohrpresszange und dem Hinweis #lustaufhandwerk. „Ob unsere gemeinsame Aktion ein Erfolgsrezept ist, wissen wir nicht“, gesteht Christian Stappenbeck, steht aber mit vielen anderen Handwerkern hinter dem Projekt. Die Initiatoren verdienen kein Geld damit. Das zeigt doch schon, dass sie #lustaufhandwerk haben.

Jana Franke

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