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Grevesmühlen Intolerant bei Intoleranzen
Mecklenburg Grevesmühlen Intolerant bei Intoleranzen
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01:22 21.05.2015
Was tut man, wenn man allergisch ist gegen zum Beispiel Milch oder wenn man vegan leben will? OZ-Reporterin Anne Kubik testet das Angebot in der City Grevesmühlens. Pluspunkte sammeln die Sorbet-Eissorten von Janny‘s, die frei von Allergenen sind. Quelle: Foto:s Annett Meinke (1) / Anne Kubik (2)
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Grevesmühlen

Hier ein Bäcker, da ein Eiscafé, dort ein Restaurant — die City Grevesmühlens bietet für Hungrige und Schleckermäuler Versuchungen. Doch wie sieht das Angebot aus, wenn man auf bestimmte Lebensmittel verzichten muss? Ich habe es getestet.

Mein Selbstversuch startet mit der Mittagspause. Ein leckeres Essen ohne Gluten, Eier, Hefe und Milch will ich mir besorgen. Besser gesagt: Ich will nicht — etwa weil ich mich dazu entschieden hätte, vegan zu leben — nein, ich muss. Denn laut Allergietest vertrage ich diese vier Lebensmittel nicht. Dumm nur, dass die irgendwie überall vorkommen. . .

Das merke ich vor allem beim Bäcker. Egal, welchen ich aufsuche: Etwas Essbares finde ich nicht. Der Lila Bäcker hat zwar einen dicken Katalog, in dem alle Zutaten von Brot, Plunderteilchen, Streuselschnecken und Co. gelistet sind und sogar auf alle Allergene hingewiesen wird, mir hilft das aber nicht. Denn einzelne Allergene — nur Hefe oder Milch etwa — würden sich meiden lassen, mit meiner Kombination von gleich vier Unverträglichkeiten habe ich aber keine Chance. Stattdessen vertrödle ich knapp 20 wertvolle Minuten beim Durchblättern der Tabellen. Die Angestellten können mir nicht weiterhelfen. Beim Bäcker Freytag hingegen wird mir angeboten, einen Salat für mich zusammenzustellen — die fertigen in der Auslage enthalten nämlich alle entweder Ei oder Käse und fallen damit für mich raus. Das Dressing, welches es dazu gibt, darf ich allerdings auch nicht konsumieren.

Da könnte der Edeka nebenan helfen. Hier gibt es zwar ebenfalls kein fertiges Dressing, das meinen Anforderungen entspricht, dafür bietet der Supermarkt alle Zutaten, um mir selbst eins anzurühren.

Auch Sojamilch und -joghurt gibt es, dazu Reiswaffeln — das wäre eine Altenative, wenn auch nicht die Beste, um daraus jeden Tag ein Mittag zu basteln. Beim genauen Blick in die Regale entdecke ich sogar ein sogenanntes Flachbrot, das ich essen kann. Die Überraschung ist groß, die Freude riesig. Dafür musste ich aber auch das gesamte Regal abscannen, denn deutliche Hinweisschilder für Allergiker oder Veganer fehlen leider.

Das ist bei Rossmann deutlich besser geregelt. In der „Gesünder Leben“-Ecke gibt es viele Lebensmittel in Regalen, die mit „glutenfrei“-Etiketten versehen sind. Die Auswahl ist hier auch gut: Neben Reiswaffeln und Trockenfrüchten gibt es verschiedene vegane Brotaufstriche, Soja-Drinks und -Desserts sowie Fertigmischungen für Falafel und Schokokuchen. Das Angebot eignet sich gut für die heimische Küche, für die Mittagspause nur bedingt.

Da passt das Bistro am Markt schon besser in den Zeitplan. Pommes Frites und Bratkartoffeln gibt es für alle Gäste, die eignen sich auch für Veganer oder Allergiker. „Aber ansonsten bereiten wir die Speisen auch so zu, wie die Kunden es sich wünschen — wenn jemand das Schnitzel oder den Fisch unpaniert haben möchte, ist das kein Problem“, sagt die Angestellte Irmtraut Rathert. Sie meint: „Es geht alles, man muss nur drüber reden — und für Sonderwünsche mehr Zeit einplanen.“

Auch beim Chinesen finde ich bei meiner Suche letztlich noch ein passendes Menü: eine Curry-Gemüse-Reispfanne. Hier bekomme ich auch Salat — allerdings bleibt das Dressing-Problem ungelöst.

Nur beim Nachtisch habe ich gar keine Probleme: Neben der Redaktion gibt es eine Janny‘s-Eis-Filiale — und Inhaber Mathias Weber ist auf meine Allergiefrage bestens vorbereitet. Er ist der Einzige, der sofort eine Antwort parat hat: „Die Sorbets sind frei von allem — außer Frucht“, sagt er und reicht mir dazu auch gleich ein Info-Blatt, auf dem alle Eissorten mit Allergenen aufgeführt sind. Die Tabelle hat er schon seit er den Laden 2013 übernahm, sie helfe ihm bei der Beratung, sagt der 39-Jährige, der selbst zwar alles essen darf, sich aber dennoch mit dem Thema Allergie auseinandergesetzt hat. „Ich möchte schließlich wissen, was ich meinen Kunden empfehlen kann“, lautet seine Devise. Er achtet sogar darauf, Kunden mit speziellen Wünschen Abwechslung zu bieten: Unter seinen 24 Sorten sind im Schnitt drei bis vier Sorbets, die Palette reicht von Zitrone über Sauerkirsch und Erdbeere bis zu Mango. Sogar Shakes macht er damit, im Sommer gibt es auch Eisbecher für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten — ohne Soße, Sahne und Waffel, dafür mit frischen Früchten.

Obwohl ich mich nun auf einen eisreichen Sommer freuen kann, fällt das Fazit meines Selbstversuchs nicht besonders positiv aus. Wer Lebensmittel meiden muss, sollte seine Mahlzeiten und Pausen gut planen — oder zumindest die Erwartungen runterschrauben. Während sich Großstädte mittlerweile mit speziellen Restaurants auf Veganer und Co. eingestellt haben, müssen sich die Gäste und Einheimischen Grevesmühlens allein durchschlagen. Das Angebot ist wenig abwechslungsreich, das Personal bei Allergenen kaum geschult. Die Stadt scheint Intoleranzen gegenüber noch recht intolerant.

Viele Deutsche verzichten

23 Prozent der Deutschen verzichten laut Umfrage von Spiegel Online (Stand 2014) auf bestimmte Lebensmittel, weil sie diese nicht vertragen. Die meisten Betroffenen — 16 Prozent — nannten Milch- und Milchprodukte als Problemquellen. Neun Prozent meiden das Klebereiweiß Gluten. Im Schnitt nannten Betroffene zwei Stoffe, die ihnen Beschwerden verursachen.
15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind laut Experten laktoseintolerant. Etwa 30 Prozent verstoffwechseln Fruktose unzureichend. Zöliakie, also Glutenunverträglichkeit, betrifft etwa ein Prozent der Bevölkerung, dazu kommen knapp sieben Prozent, die unter Glutensensitivität leiden.
Kennzeichnungspflicht
Seit 14. Dezember 2014 müssen nach der neuen EU-Lebensmittelinformations-Verordnung Informationen über 14 allergieauslösende Zutaten gegeben werden — das gilt auch für unverpackte Lebensmittel. Die Neuerungen betreffen auch Restaurants und Kantinen. In der Menükarte oder auf einem gut sichtbaren Schild soll sich nun ein Hinweis finden, dass schriftliche Informationen zu Allergenen erhältlich sind. Die mündliche Auskunft allein reicht nicht aus.
FÜNF FRAGEN AN...
1Nehmen Lebensmittelunverträglichkeiten immer mehr zu oder täuscht der Eindruck? Fachleute sagen, es gibt tatsächlich einen Anstieg, vor allem bei Kleinkindern. In Europa leiden heute etwa 17 Millionen Menschen unter Lebensmittelallergien. Bei Kindern bis fünf Jahre hat sich die Zahl der Betroffenen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.
2 Woran liegt das? Das hat verschiedene Ursachen. Zum einen sind die Abwehrkräfte im Allgemeinen heute nicht mehr so stark wie früher, da viele Kinder sehr behütet aufwachsen und nicht mehr so vielen Umwelteinflüssen auf dem Land ausgesetzt werden. Außerdem nehmen die Kreuzallergien zu. Das heißt, wer schon eine Allergie hat, etwa gegen Gräser, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch eine Lebensmittelallergie entwickeln. Schuld daran ist die botanische Verwandtschaft der Allergene.
3 Welche Nahrungsmittel rufen die meisten Unverträglichkeiten hervor? Das sind die 14 Lebensmittel, die seit Dezember 2014 laut EU-Verordnung gekennzeichnet werden müssen: Gluten, Eier, Milch, Fisch, Senf, Soja, Sellerie, Sesam, Erdnüsse, Schalenfrüchte, Lupine, Schwefeldioxid und Sulfite sowie Weich- und Krebstiere. Das sind hochwertige Lebensmittel, die kann man nicht einfach weglassen wie Zusatzstoffe — daher sind wir vom Dehoga gerade vermehrt dabei, Gastronomen zu schulen, um Allergikern und Veganern das Leben zu erleichtern.
4Bisher können aber viele Lebensmittelhändler noch nichts mit dem Thema anfangen, oder? Schätzungen zufolge nimmt aktuell nur jeder fünfte Betreiber von Restaurants und Co. die Informationspflicht ernst und weist Allergene aus — obwohl es alle müssten. Bis auch der letzte Imbiss und Döner das Thema aufgegriffen hat, werden noch Jahre vergehen.
5 Gibt es Konsequenzen für jene, die sich vor der Kennzeichnung drücken? Ja, beim Verstoß können Bußgelder drohen. Ab Mitte des Jahres wird es wohl auch verstärkt Kontrollen geben. ak



Anne Kubik

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