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Grevesmühlen Der Jägerhof in Dassow
Mecklenburg Grevesmühlen Der Jägerhof in Dassow
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09:19 26.12.2018
Henning Schulze, Betriebsleiter in Welzin und Mitarbeiter des Jägerhofes Dassow. Quelle: Michael Prochnow
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Dassow

Henning Schulze steht in seinem grünen Arbeitsanzug an der Weide zwischen Welzin und Roggenstorf und blickt zu den Heidschnucken, die ein paar Meter entfernt grasen. „Die könnten den ganzen Winter draußen bleiben, theoretisch“, sagt der Betriebsleiter, der für den landwirtschaftlichen Bereich der Aktivitäten des Jägerhofes Dassow zuständig ist. Die Eigentümer Sven und Stefanie Dutschke betreiben neben der Jagdschule, dem Hotel und einem Restaurant auch Landwirtschaft, seit Mai 2017 läuft die Umstellungsphase auf Bio-Betrieb. „Im Mai 2019 sind wir durch, wenn alles glatt läuft“, sagt Henning Schulze. Aber glatt läuft selten etwas, schon gar nicht in der Landwirtschaft. „Immer wieder kommt es vor, dass Leute das Veterinäramt

Stefanie Dutschke Jägerhof Ostsee GmbH Dassow Holm Quelle: GVM

anrufen, weil sie meinen, den Tieren gehe es nicht gut. Das kostet Zeit, Nerven und ist einfach nur Stress.“ Deshalb werden die Tiere den Winter über nach Welzin geholt, dort gibt es Ställe mit Außenbereich. „Aber wie gesagt, die Tiere können gut mit der Witterung um, theoretisch.“ Denn Familie Dutschke züchtet vor allem Rassen, die es hierzulande nicht mehr gibt. Die Heidschnucken („Schreiben Sie bloß nicht Schafe, das stimmt nämlich nicht.“) gehören dazu, genauso wie die Hinterwälder, eine seltene Rinderrasse aus dem Schwarzwald.

Brahma-Hühner stammen aus Nordamerika. Quelle: ZB

Die beeindruckend großen Hühner, die auf dem Jägerhof in einem großen Freigehege leben, sind Brahmas aus Nordamerika, und Pawloskajas aus Russland. Gotländische Wildschafe, Ziegen und bis 250 Kilogramm schwere Sattelschweine gehören ebenfalls dazu. Hintergrund der Vielfalt ist die Tatsache, dass das Unternehmen mit den Tieren Naturschutzflächen in der Region beweidet, die Pflege dieser Flächen ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Familie, den die EU finanziert. Auf der anderen Seite weist das Fleisch dieser Tiere genau die Qualität auf, die Stefanie Dutschke für ihr Restaurant braucht. „Keine Frage, nur ein Restaurant oder ein Bio-Betrieb in der Landwirtschaft allein, das würde sich nicht rechnen. Aber alles zusammen funktioniert. Dass wir uns bei der Landwirtschaft für den Bio-Betrieb entschieden haben, ist eine Investition in die Zukunft“, sagt die Geschäftsführerin.

Bis zu 250 Kilogramm schwere Sattelschweine. Quelle: Michael Prochnow

Wie steinig der Weg zu einer nachhaltigen und regionalen Produktion ist, zeigt der Umstand bei der Schlachtung. Stefanie Dutschke ist selbst Jägerin, Wildfleisch gehört zum festen Bestandteil der Karte im Restaurant und wird auch küchenfertig in Dassow verkauft. Zerlegen dürfen Dutschkes das Wildfleisch selbst, weil sie die entsprechenden Voraussetzungen wie Kühlräume etc. besitzen. „Aber um ein Hausschwein zu schlachten, lassen wir einen Fleischermeister aus Grevesmühlen kommen. Das ist Vorschrift“, erklärt die Unternehmerin. Doch trotz der Widrigkeiten, die das Geschäft mit sich bringt: Der Jägerhof mit seinen vielen Facetten – unter anderem gehört auch der Betrieb des Schießstandes am Kiebitzmoor dazu – funktioniert. Und das von Beginn an. „Uns war von Anfang an klar, dass wir auf Wildfleisch setzen im Restaurant, und eine Erweiterung kommt nur infrage, wenn es besondere Produkte sind.“ So wie die Hinterwälder und die Sattelschweine, die inzwischen mit amerikanischen Duroc-Schweinen gekreuzt werden, um den Fettanteil im Fleisch zu reduzieren.

Wie Henning Schulze erklärt, gehe es bei der Tierhaltung vor allem darum, dass sie genügend Auslauf haben. „Am Ende müssen wir Geld verdienen, und das geht nur, wenn die Qualität stimmt.“ Das ist im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft aufwändiger und risikoreicher. „Aber das Produkt stimmt.“ Demnächst haben die ersten Rinder die Schlachtreife erlangt, dann wird die Produktpalette erweitert.“

Hinterländer stammen aus dem Schwarzwald. . Quelle: Michael Prochnow

Wie groß die Nachfrage nach Wildfleisch aus regionaler Produktion ist, zeigt die Reaktion von vor wenigen Tagen. Die OZ hatte einige Adresse von Wildhändlern in Mecklenburg veröffentlicht, darunter die des Jägerhofes in Dassow. „Das war wirklich beeindruckend, wie viele Leute angerufen haben“, sagt Stefanie Dutschke. „Das Telefon stand kaum noch still.“ Arbeit gibt es reichlich auf dem Anwesen im Holmer Wald, im Restaurant könnten sofort zwei Servicekräfte anfangen, wenn es denn Fachkräfte gäbe. „Wir haben das gleiche Problem, wie viele andere Unternehmen auch, jede Menge Arbeit aber keine Leute.“ Das Team sei zwar gut aufgestellt mit insgesamt 17 Mitarbeitern, aber der Bedarf sei immer noch groß, betont die Chefin.

Auch Henning Schulze kann sich über Mangel an Arbeit nicht beklagen. Ausgebüxte Schweine und kalbende Rinder halten den Betriebsleiter zusätzlich auf Trab. Aber es gibt ein Ziel. Das Bio-Siegel, das im Frühjahr den Landwirtschaftsbetrieb schmücken soll. „Ist ne Menge Arbeit, aber ich bin davon überzeugt, dass es sich lohnt“, sagt der gebürtige Niedersachse. „Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Michael Prochnow

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