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Grevesmühlen Jagd auf Meerforelle: Das sind Mecklenburgs Angel-Spots
Mecklenburg Grevesmühlen Jagd auf Meerforelle: Das sind Mecklenburgs Angel-Spots
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05:00 27.03.2018
Hoffnung auf den großen Fang – zwei Meerforellenangler vor der Weißen Wiek.
Hoffnung auf den großen Fang – zwei Meerforellenangler vor der Weißen Wiek. Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen/Wismar

Die Ostsee-Angler in Mecklenburg warten auf den Frühling. Denn derzeit beträgt die Wassertemperatur zwei Grad, das ist zu kalt für die Meerforelle. Ab sechs Grad werden die Raubfische richtig aktiv – dann stehen die Angler wieder in ihren Wathosen entlang der Küste.Wie die Ostsee-Experten des Grevesmühlener Vereins Ortsgruppe IV berichten, ist einer der besten Plätze, um Meerforellen zu fangen, die Wohlenberger Wiek. Die langgezogene Bucht, die sich von der weißen Wiek in Boltenhagen bis zum Campingplatz Liebeslaube erstreckt, bietet mehr als fünf Kilometer Angelrevier. Zur Meerforellen-Saison stehen hier Dutzende Angler – und für alle ist genügend Platz.

Weitere gute Plätze sind die Bereiche um Steinbeck (westlich von Boltenhagen) sowie das gesamte Gebiet vor der Steilküste Nordwestmecklenburgs. Der flache Grund, der nach einigen Hundert Metern nach einer Kante steil abfällt, bietet ideale Bedingungen für die Meerforellen auf ihrer Jagd nach kleinen Fischen. Allerdings lautet der Name für den Raubfisch unter Anglern nicht umsonst „Der Fisch der tausend Würfe“. Geduld ist hier wie bei kaum einem anderen Fisch gefragt. Gute Bedingungen für die Meerforellen sind sonniges Wetter, damit der Köder an der Wurfrute gut zu sehen ist, sowie auflandiger Wind. Aber Achtung: Sobald die Fischer ihre Netze aufgestellt haben, sollte man sich einen anderen Platz suchen.

„Die Meerforelle ist der Fisch der 1000 Würfe“, weiß Wolfgang Klein stellvertretender Vorsitzender des Bootsanglersportvereins Wismar-Wendorf. Um sie zu fangen, müssen Glück und die richtigen Umstände zusammenkommen. Klein harrt regelmäßig stundenlang aus, um einen dieser „Ostseelachse“ zu erwischen. In diesem Jahr ist der Petrijünger bereits elfmal mit der Rute losgezogen. Zehnmal hatte er keinen Biss. Erst beim letzten Mal hat es geklappt: Eine 50 Zentimeter große Meerforelle zappelte an Klein’s Angel.

„In diesem Jahr sieht es sehr schlecht aus“, bedauert der Wismarer. Das Wasser sei zu kalt für mehr Meerforellen-Fänge. Bei den derzeitigen Temperaturen, die die Ostsee habe, würden die Fische nicht in Küstennähe schwimmen. „Das tun sie erst, wenn das Wasser etwas wärmer ist und sie dort Futter finden wie Krebse und kleine Fische“, erklärt Klein.

Um Meerforellen zu fangen, steigt man ihnen bis zum Bauch ins Meer entgegen. Auch die Wismarer Angler tun das unter anderem in der Wohlenberger Wiek. „Links neben dem Anleger“, verrät Klein. Aber auch bei Beckerwitz oder in der Nähe von Rerik werfe er oft die Rute nach den Fischen aus. „Als Köder benutze ich Fliege, Blinker und Küstenwobbler“, erzählt er. Die größte Meerforelle, die Wolfgang Klein bisher gefangen hat, war 83 Zentimeter lang und 6,5 Kilogramm schwer. „Das ist aber schon ein paar Jahre her“, erinnert sich der Petrijünger. Er ist sich sicher: Anfang Januar habe er noch ein größeres Exemplar an der Angel gehabt – sieben bis acht Kilo schwer. „Aber leider ist die Schnur gerissen, ich habe sie gekriegt“, bedauert Klein. Am liebsten isst er die Fische in geräucherten Stückchen oder als Filet gebraten.

„Hotspots verraten wir eigentlich nicht so gern“, sagt der Rostocker Angler Horst Stark. Ein paar Tipps gibt er dennoch: „Als Hotspots würde ich Stolteraa, Rosenort Graal-Müritz und Börgerende bezeichnen.“ Hier gebe es bestimmte Wassergräben und -rinnen. „Durch Wind und Strömungen wird Nahrung aufgewirbelt und dann kommen auch die Fische.“ Es entstehe ein Kreislauf: Plankton wirbelt auf, Friedfische suchen hier nach Nahrung und dann werden auch Raubfische, wie Meerforellen, Dorsche und Plattfische angelockt. „Die Meerforelle kann an der gesamten Mecklenburger Küste aufkommen. Wir haben sehr gute Bestände“, erzählt der Experte. Die Saison würde sich bis in den Mai hineinziehen. „Aber selbst im Sommer kann man auch noch einige in Warnemünde im Fahrwasser angeln.“

Was die Meerforelle betrifft, fasziniert Horst Stark an diesem Fisch besonders der sportliche Kampf mit dem Tier. „Die sind schon ein bisschen anders als Dorsche und Plattfische – da ist die geballte Muskulatur drin.“ Sie seien schon eine besondere Herausforderung. „Aber wir arbeiten in erster Linie, um die Fische zu essen“, betont Horst Stark.

2000 Kilometer Ostseeküste

Land der Küste, Land des Wassers: Mecklenburg-Vorpommern hat Anglern viele Möglichkeiten zu bieten. Dank 2000 Kilometern Ostseeküste, mehr als 2000 Binnenseen und über 26 000 Kilometern Fließgewässer. Das wird gerne wahrgenommen: Allein im Landkreis Rostock gibt es mehr als 1400 Petrijünger in 20 Vereinen. Vielerorts gibt es jetzt Veranstaltungen. So plant der Angelsportverein Bad Doberan für den 8. April das Anangeln. Viele Vereine gibt es auch in Nordwestmecklenburg. Der Angelverein Grevesmühlen, Ortsgruppe 4, hatte sein Anangeln gerade wegen der kalten Witterung vom 25. März auf den 2. April verschoben.

Wie gut die Fanggründe in Mecklenburg sind, zeigt sich bei der OZ-Aktion „Fisch des Jahres“. Die Kategorie Meerforelle wurde für 2017 von Holger Behrens gewonnen, der eine 73 Zentimeter lange Meerforelle aus der Ostsee vor Rostock gezogen hatte.

 Johanna Hegermann, Michael Prochnow, Kerstin Schröder