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Grevesmühlen Sinnsuche in einem modernen Kloster
Mecklenburg Grevesmühlen Sinnsuche in einem modernen Kloster
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15:12 27.11.2018
Gut Saunstorf in der Nähe der Hansestadt Wismar ist ein Ort der Stille. Es wird als überkonfessionelles Kloster, das allen Sinnsuchenden offensteht, von der spirituellen Gemeinschaft um den Hamburger Lehrer OM C. Parkin geführt. Quelle: Gut Saunstorf DOMUSimages
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Saunstorf

 Zwischen Metelsdorf und Bobitz, ein paar Kilometer abseits der Bundesstraße 208, eingebettet in die ruhige Nordwestmecklenburger Natur, liegt Saunstorf. Das Dorf gehört zur Gemeinde Bobitz, – doch was die wenigsten Einheimischen wissen, – in seiner Dorfmitte ist bereits vor einigen Jahren ein ungewöhnliches Projekt entstanden: „Gut Saunstorf – Ort der Stille“ oder, wie Pressesprecherin Birte Kling erklärt: „Ein modernes Kloster.“

Das denkmalgeschützte Herrenhaus mit seinen Parkanlagen wurde ursprünglich in den Jahren 1914 bis 1916 erbaut, überstand die Weltkriege einigermaßen, war dann lange Zeit ein Zuhause für Flüchtlingsfamilien und sollte im Jahr 1989 als Ruine gesprengt werden. Die Wende kam dem Ansinnen der DDR-Behörden zuvor. Das Haus – oder vielmehr das, was von ihm noch übrig war - blieb stehen, wurde schließlich von dem Hamburger Philosophen und spirituellen Weisheitslehrer OM C. Parkin entdeckt und als ein überkonfessioneller Ort der Stille, sowohl für seine eigenen Schüler, als auch andere Sinnsuchende ausgewählt.

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Spirituelle Gemeinschaft betreibt das Kloster

40 Mitglieder gehören der Schülergemeinschaft um Parkin – einer sogenannten „Sangha“ – an, die das Kloster in Saunstorf betreibt. Es existieren weitere Gemeinschaften in Berlin und Hamburg unter anderem. Das Wort „Sangha“ stammt aus dem Sanskrit und findet sich häufig im buddhistischen Kontext, bezeichnet üblicherweise meist eine Gemeinschaft um einen spirituellen Lehrer. „Anfangs“, erzählt Jürgen Stöhr, Geschäftsführer des Gutes, „als wir hier in Saunstorf ankamen, gab es ein paar Vorfälle. Wir fanden auch mal ein Schild an der Baustelle, auf dem stand ’Sekte raus’.“ Er lacht. „Wenn wir eine Sekte wären, wäre einiges einfacher. Dann würden Mitglieder die Gemeinschaft nicht wieder so einfach verlassen. Was natürlich immer wieder vorkommt. Weil wir eben keine Sekte sind.“

Birte Kling, Pressesprecherin Gut Saunstorf, zog aus Hamburg nach Nordwestmecklenburg. Jürgen Stöhr ist der Geschäftsführer des modernen Klosters in Saunstorf. Quelle: Annett Meinke

Die von Parkin, seinen Weggefährten und Schülern gegründete gemeinnützige Stiftung „Gut Saunstorf – Ort der Stille“ begann im Jahr 2000 mit der Restaurierung des Gutshauses. Das Geld, das in das Projekt floss, besteht überwiegend aus Spenden. Im Jahr 2010 öffnete das moderne Kloster in Saunstorf zum ersten Mal seine Pforten für Gäste, – die es seitdem in einer eindrucksvollen Empfangshalle mit Sitzgruppe an einem Kamin begrüßt.

Vom Einzelzimmer bis zur Luxus Suite

Es gibt einen Buchladen im Haus, in dem jeder Sinnsuchende zu den verschiedensten Lehren, unter anderem denen von OM C. Parkin fündig wird, außerdem einen Gutshausladen, 23 Zimmer insgesamt. Vom kleinen, schlichten und dennoch irgendwie sehr edel wirkenden Einzelzimmer, das 85 Euro pro Nacht kostet, über die klassischen Doppelzimmer für 140 Euro pro Nacht, bis schon fast zu den Luxus-Suiten, Dharma Suite (180 Euro) und der sogenannten Buddha Suite (220 Euro), – plus einem Aufschlag von 18 Euro für Halbpension, 30 Euro für Vollpension – können die Kloster-Gäste nach Bedürfnissen und Ansprüchen wählen. Alle Zimmer besitzen mindestens eine Lehmwand für das gute Klima, die Bäder sämtlich Fußbodenheizung. Allerdings kann, wen es nach Saunstorf in die Stille zieht, auch im Mehrbettzimmer übernachten.

„Es war unser Anliegen“, erklärt Jürgen Stöhr, „den Zugang zu unserem Haus nicht durch den Geldbeutel zu regulieren. Unser modernes Kloster steht offen für alle Menschen, die kürzer oder auch länger den Rückzug suchen, die sich mit sich selbst und der Bedeutung ihres Lebens auseinandersetzen möchten, unabhängig davon, ob sie einer Konfession oder einem Glauben angehören oder einer spirituellen Richtung.“

Luxus-Suiten und Spa-Bereich: Bilder vom modernen Kloster Gut Saunstorf

Wellness und spirituelle Vorträge

Besucher des Guts kommen inzwischen aus ganz Deutschland, auch von weiter her, der Schweiz oder Österreich zum Beispiel, – die meisten vor allen Dingen, um die verschiedenen Veranstaltungen zu besuchen, die sich immer in spirituellen Kontexten bewegen. Über das Jahr finden zum Beispiel viele verschiedene Vorträge und Konferenzen statt. Eine Konferenz, die im kommenden Frühjahr stattfindet, setzt sich mit der „Todeserfahrung auf dem inneren Weg“ auseinander – mit der spirituellen Dimension des Todes.

Solche Angebote, wie auch die sogenannten „Retreats“, die OM C. Parkin, aber auch andere spirituelle Lehrer, anbieten, sind meist als Gesamtpaket zu buchen. Die anfallenden Kosten erschließen sich auf der Webseite des Klosters. Das Gut Saunstorf gibt zudem einen Veranstaltungskalender heraus, in dem alles, was dort stattfindet, aufgeführt ins. Das Wort „Retreat“ kommt aus dem Englischen und bedeutet wortwörtlich „Rückzug“. In spirituellen Kreisen wird es meist im Zusammenhang mit einer Unterweisung durch einen Lehrer angeboten.

„Man kann aber auch nach Saunstorf kommen, wenn man nichts aus unserem Veranstaltungsprogramm im Blick hat“, betont Birte Kling, Pressesprecherin des Gutes, die vor Kurzem erst aus Hamburg nach Nordwestmecklenburg gezogen ist. „Unsere Heilpraxis bietet Massagen an, ayurvedische Anwendungen, östliche Heilmethoden wie das Tibetan Pulsing zum Beispiel.“

Ein Wellnessbereich gehört ebenso zu diesem modernen Kloster, wie eine Bio-Vollwertküche. Beim Essen allerdings gibt es eine nicht zu umgehende Auflage. „Bei den Mahlzeiten legen wir besonderen Wert auf Ruhe, wie oft in herkömmlichen Klöstern auch. Die Mahlzeiten werden in Stille eingenommen.“, erklärt Geschäftsführer Stöhr. Alles in allem, das moderne Kloster in Saunstorf ist offen für alle Konfessionen und viele spirituelle Richtungen, vielleicht sogar für Atheisten, die sich als vielleicht als reine Philosophen verstehen – doch ein Aufenthalt in Saunstorf für Urlauber, die vielleicht als „ganz normale Touristen“ nach Nordwestmecklenburg kommen – ist wohl eher nicht geraten.

Spezialangebot Dunkelkammer

Gut Saunstorf hält auch ein paar „Spezialangebote“ für Menschen bereit, die sich auf ganz besonders intensive Weise ihrem eigenen Inneren und – vielleicht auch ihren Ängsten stellen wollen. Eines davon sind die Dunkelräume. Zwei kleine Appartements, komplett in Schwarz gehalten, fensterlos, – auch das dazugehörige Bad –, in die sich Gäste zurückziehen können, die für eine Weile komplett auf den Gebrauch ihrer Augen verzichten wollen. „Wenn die Augen das Gehirn nicht mehr mit Reizen nähren,“, weiß Stöhr aus eigener Erfahrung in diesen Dunkelräumen, „dann geht das Kino im Inneren so richtig los.“ Es gibt Menschen, so Stöhr, die einige Tage in kompletter Dunkelheit verbringen, andere sogar Wochen. Das Essen wird in diesem Licht-Zölibat täglich in den Dunkelraum gebracht. Die Heilpraxis des Hauses betreut diese Gäste.

Nicht zuletzt besteht auch die Möglichkeit nach Saunstorf zu kommen, um länger dortzubleiben, um zum Beispiel für eine Weile als Freiwilliger auf dem Gut mitzuhelfen, – oder sich vielleicht sogar der „Sangha“ um Parkin, die Gut Saunstorf betreibt, anzuschließen.

OM C. Parkin

Cedric Parkin wurde 1962 geboren und lebt in Hamburg. Er studierte Psychologie und die Lehren des Enneagramms. Er beschäftigte sich mit Sufismus und Schamanismus und arbeitete als Heilpraktiker. Er war ein Suchender, bis er seinem größten Lehrer begegnete – dem Tod.

Am 6. August 1990 hat Cedric Parkin einen schweren Autounfall. Er stirbt und wird von Ärzten ins Leben zurückgeholt. Tagelang liegt er im Koma. Ausgelöst durch diesen Schock macht er eine Erfahrung des Erwachens, in der stillen Dunkelheit seines Sterbens begegnet er seinem unsterblichen Selbst: „Ich hatte das Glück, eine vollkommene – nicht nur körperlose, sondern personenlose Erfahrung machen zu dürfen, in der sich die Dualität auflöste. Dennoch bin ich mir sicher, dass sich die Illusion wieder zusammengesetzt hätte, wäre ich nicht direkt danach einer erwachten Lehrerin begegnet.“ (Zitat OM C. Parkin, Quelle: http://www.kloster-saunstorf.de)

Annett Meinke