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Grevesmühlen Krankenhaus Grevesmühlen: DRK-Mitarbeiter sammeln Unterschriften
Mecklenburg Grevesmühlen Krankenhaus Grevesmühlen: DRK-Mitarbeiter sammeln Unterschriften
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15:31 14.11.2019
Die Mitarbeiter des DRK-Krankenhauses in Grevesmühlen haben eine Unterschriftensammlung gestartet. Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Fassungslos schaut Annelies Nessel auf den Zeitungsartikel, den sie sich ausgeschnitten und in eine Klarsichthülle gelegt hat. Die 75-Jährige arbeitete bis zur Rente als leitende Röntgenassistentin im Grevesmühlener Krankenhaus, fühlt mit den Mitarbeitern mit und sucht nach Gründen, warum es so weit gekommen ist.

Mit einem offenen Brief haben sich Klinikmitarbeiter vor drei Wochen Gehör verschafft. In diesem kritisieren sie unter anderem Personalmangel, unzureichende Kommunikation mit der Geschäftsführung und dass sie zu wenig Lohn bekämen. Beziffert wird dies mit 30 Prozent weniger Geld im Vergleich zu Krankenhausmitarbeitern in Lübeck und Wismar beispielsweise.

Ungerechtes Lohngefälle

Dieses Lohngefälle kennt Annelies Nessel aus der eigenen Familie. „Meine Enkeltochter hat viele Jahre in Hamburg im Krankenhaus gearbeitet“, schildert die Grevesmühlenerin. Der Liebe wegen sei sie zurück in die neuen Bundesländer gekommen und arbeitet nun in der Parchimer Klinik. Am Ende des Monats geht sie – für dieselbe Arbeit – mit 1000 Euro weniger nach Hause als zuvor.

Annelies Nessel (75) Quelle: privat

Obwohl sie längst das Rentenalter genießt, will sich Annelies Nessel für die Mitarbeiter im DRK-Krankenhaus Grevesmühlen – einige wenige kennt sie noch aus ihrer eigenen Zeit – stark machen. „Wir müssen etwas unternehmen“, wendet sie sich nicht nur an die Presse, sondern an alle Grevesmühlener. „Das Krankenhaus muss erhalten bleiben“, verdeutlicht sie.

Unterschriftenaktion gestartet

Nichts anders wollen die Mitarbeiter. Sie fordern einen Tarifvertrag. Dafür ist vor zwei Wochen eine Tarifkommission gebildet worden. 30 Angestellte waren zu dem von Verdi organisierten Treffen gekommen, sieben plus Stellvertreter bilden nun die Kommission, die sich dafür stark macht, unter fairen Bedingungen weiterarbeiten zu können.

Nun ist eine Unterschriftenaktion gestartet worden. Die Listen liegen seit Anfang der Woche in Grevesmühlen sowie in den umliegenden Städten und Gemeinden aus – und sind teilweise schon gut gefüllt. Zwischen Wismar und Selmsdorf machen die Mitarbeiter so auf ihre Situation aufmerksam und verfolgen hartnäckig das Ziel, einen Tarifvertrag für einen Großteil der mehr als 200 Mitarbeiter durchzuboxen.

„Um das DRK-Krankenhaus in Grevesmühlen zu erhalten, brauchen wir dringend mehr Fachpersonal. Das erreichen wir nur durch einen vernünftigen Tarifvertrag“, steht auf der Unterschriftenliste geschrieben.

Personalnotstand immer größer

Nach Angaben der Tarifkommission fordern die Angestellten eine einheitliche Regelung. Denn während die Ärzte, vertreten durch den Marburger Bund, nach Tarif entlohnt würden, sei es bei den Pflegekräften davon abhängig, wie sie ihr Gehalt verhandelt hätten beziehungsweise wie dringend sie benötigt würden.

Viele Mitarbeiter kehrten der Klinik bereits den Rücken, sagen Angestellte. Der Personalnotstand werde, so heißt es, durch FSJler (Freiwilliges Soziales Jahr) kompensiert, die als vollwertige Arbeitskraft eingesetzt werden, hieß es unter anderem.

Krankenhaus dauerhaft gefährdet

Mitarbeiter des DRK-Krankenhauses in Grevesmühlen bildeten nun eine Tarifkommission. Quelle: Dirk Hoffmann

Die Grevesmühlener Klinik sei die erste Möglichkeit, Hilfe zu finden – für Jung und Alt. „Und wir werden alle alt und sind froh, vor Ort behandelt zu werden“, verdeutlicht sie und macht auch auf die Arbeit der Reinigungskräfte aufmerksam: Bestimmte Zeiten hätten sie zum Reinigen. „Keine Frage, im Vergleich zu anderen Häusern sind die Zimmer und Bäder eins a“, umschreibt sie. Aber die vorgegebene kurze Zeit für die Reinigung sei für einen Ort, an dem Hygiene großgeschrieben sein sollte, nicht angemessen. „Druck, immer nur Druck“, sagt sie.

Politiker suchen Gespräch zu Mitarbeitern

Auch die Politik hat sich bereits eingeschaltet. Unter anderem Landtags- und Kreistagsabgeordnete Simone Oldenburg, Kreisfraktionschef Horst Krumpen und Torsten Koplin, gesundheitspolitischer Sprecher der Linken, suchten das persönliche Gespräch mit Mitarbeitern. „Das ist zwar schön und gut, aber was will die Politik großartig machen?“, stellt Annelies Nessel infrage.

Immerhin sprachen die Politiker eine Einladung zur Landtagssitzung im November aus, vor der sie mit Plakaten und Transparenten auf ihre Situation aufmerksam machen können. Annelies Nessel merkt aber an, dass insbesondere die Bevölkerung zusammenhalten und sich für das Krankenhaus und die Mitarbeiter einsetzen müsse. „Ehrliche und schwere Arbeit muss auch vernünftig bezahlt werden“, sagt sie.

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Von Jana Franke

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