Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Kreatives Vakuum direkt nach der Wende
Mecklenburg Grevesmühlen Kreatives Vakuum direkt nach der Wende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:19 12.11.2019
Kita-Leiterin Marion Rieck (58) liest Kindern in Boltenhagens Kita „Strandkinnings“ vor. Quelle: Malte Behnk
Anzeige
Boltenhagen

Marion Rieck (58) ist Kita-Erzieherin aus Leidenschaft. 1981 hat sie ihren Beruf in der damaligen Klützer Kita begonnen, heute ist sie seit 2000 Leiterin der Kita „Strandkinnings“ in Boltenhagen. 30 Jahre nach der friedlichen Revolution blickt sie zurück auf Unterschiede zwischen den heutigen Kitas und den Einrichtungen der DDR.

30 Jahre Mauerfall

Mit dem Mauerfall 1989 und der Wiedervereinigung 1990 hat sich das Leben für viele Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, drastisch verändert.

Methoden zur Erziehung der Jüngsten in Krippe und Kindergarten waren rigoros von der Staatsführung vorgegeben. Es gab das politische Ziel, sozialistische Bürger zu erziehen.

Mit der Wende gab es auch in den Kitas einen kompletten Umbruch, der viele Veränderungen bewirkte. Es fielen aber auch Arbeitsplätze zum Beispiel in den eigenen Küchen der Einrichtungen weg und Eltern mussten für den Kindergartenplatz Gebühren bezahlen.

Was war vor der Wende anders als Erzieherin in einer Kita?

Es gab einen einheitlichen Erziehungsprozess von der Geburt bis zum Erwachsenenalter mit etwa 18 Jahren. Dabei war von der Krippe an alles an einer Gruppennorm orientiert. Die Kinder sollten höflich, ordentlich und sauber, verantwortungsbewusst, gehorsam, familienbezogen und lieb sein.

Das klingt doch nach positiven Eigenschaften.

Ja, aber vor allem der unbedingte Gehorsam gefiel mir nicht. Ich bin idealistisch und mag es nicht, nach Normen zu arbeiten. Pflicht und Ordnung wurden in der DDR stark gefordert und erwartet. Selbstbewusstsein und Kritikfähigkeit der Kinder waren nicht besonders erwünscht.

Wie ist es denn heute?

Heute geht es um das individuelle Kind, die freie Entfaltung. Unser großes Ziel in der Kita ist, eigenverantwortliches, soziales Handeln vorzubereiten. Dem gerecht zu werden, ist aber mit einem Betreuungsschlüssel von 15 Kindern auf einen Erzieher schwierig. Vor der Wende war der Schlüssel 18 Kindern für einen Erzieher ähnlich. Jede Einrichtung bräuchte eigentlich mehr Personal.

Welche Rolle spielte vor der Wende Politik in der Kita?

Eine große. Alle Pläne, wann was unternommen oder den Kindern beigebracht werden sollte, kamen vom Ministerium. Das hatte schon Einfluss auf den Alltag in der Krippe. Dazu gab es dann sozialistische Lieder. Die Kinder sangen zum Beispiel: „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht, dann bleibe ich zu Haus’. Ich binde mir die Schürze um und feg’ die Stube aus.“

Wie war dann die Wende 1989/90?

Da gab es erstmal ein Vakuum. Alles was bis dahin als richtig galt, war plötzlich falsch und wurde abgeschafft. Die drei folgenden Jahre waren vielleicht die kreativste Zeit, in der wir viel Neues ausprobiert haben. Wir mussten alle eine Anpassungsqualifizierung machen, aber es war so, als wäre alles möglich. Inzwischen gibt es aber viel Bürokratie, die die Kreativität wieder beschneidet.

Was hat sich noch verändert?

Es waren früher viel mehr Kinder. 1989 gab es in der Kita Boltenhagen 140 Kindergartenkinder und 70 in der Krippe. Heute sind es 18 Krippenkinder und wir haben unsere 54 Kindergartenplätze nicht voll ausgelastet. Hier arbeiten aber auch nur noch elf Erzieherinnen, ein Azubi und eine Hauswirtschafterin. In der DDR-Kita hatten wir eine eigene Küche, einen Hausmeister, Heizer und die Kita-Leiterin arbeitete nur im Büro. Dadurch hatten wir vielleicht mehr Zeit für die Kinder. Allerdings war ich zu Beginn meiner Laufbahn auch für neun Eineinhalbjährige alleine verantwortlich.

Was wünschen Sie den Kindern heute?

Ich wünsche ihnen, dass sie nicht so verplant werden. Freie Zeit, um miteinander ohne Eltern zu toben gibt es viel weniger. Und ich wünsche mir, dass man den Kindern wieder mehr zutraut.

Von Malte Behnk

Angefressene Kunden, entnervte Mitarbeiter – am Montag hat der Dieselpreis an der Nordoel-Tankstelle in Grevesmühlen für reichlich Ärger gesorgt. Ausgepreist war der Treibstoff mit 1,17 Euro, gekostet hat er am Ende 1,24 Euro. Ursache dafür sind ein technisches Problem und die Witterung.

12.11.2019

Die Boxweltmeisterin Ina Menzer ist am 16. November im Schlossgut Groß Schwansee zu Gast. Sie spricht dort über Motivation im Leistungssport und wie sie auf den Alltag angewendet werden kann.

12.11.2019

Die Heizungs- und Warmwasseranlage im Schönberger Sportlerheim fällt immer wieder aus. Der FC 95 will das schnell ändern. Er hofft auf finanzielle Unterstützung der Stadt. Ihr gehört das Gebäude.

12.11.2019