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Grevesmühlen Krippenplatz im Nordwestkreis: Nur Schwerin ist teurer
Mecklenburg Grevesmühlen Krippenplatz im Nordwestkreis: Nur Schwerin ist teurer
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00:00 14.09.2017
Grevesmühlen

Eltern in Nordwestmecklenburg müssen für die Betreuung ihrer Kinder immer tiefer in die Tasche greifen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Kosten für Krippe, Kindergarten und Hort laut Kreisverwaltung um drei bis fünf Prozent gestiegen. Bei den Gebühren für einen Krippenplatz landet der Landkreis mittlerweile sogar auf Platz zwei in MV.

Mehr als 903 Euro kostet die ganztägige Betreuung der Kleinsten aktuell durchschnittlich. Der Elternanteil beträgt demnach über 300 Euro. Landesweit ist es für Mütter und Väter von Krippenkindern nur in Schwerin (im Schnitt mehr als 330 Euro) noch teurer. „Wir gehören zum obersten Drittel“, bestätigt Karla Krüger, Fachbereichsleiterin für Jugend, Soziales, Bildung und Gesundheit sowie 2.

Stellvertreterin der Landrätin.

Vor allem die hohen Personalkosten bei den Trägern der aktuell 104 Betreuungseinrichtungen in Nordwestmecklenburg würden die steigenden Gebühren und damit auch höhere Elternbeiträge verursachen. „75 bis 80 Prozent der Entgelte entfallen auf das Personal“, erklärt Beate Dellin, Fachdienstleiterin Jugend bei der Kreisverwaltung. Und der Landkreis lege großen Wert darauf, die Erzieher ordentlich zu bezahlen. „Wir wollen gut ausgebildete und zufriedene Fachkräfte haben, die auch hier bleiben. Deshalb muss es für gute Arbeit auch gutes Geld geben“, betont Karla Krüger. Ansonsten drohe aufgrund der Nähe zu Schleswig-Holstein und Hamburg eine Wanderbewegung. Denn auch über die Landesgrenzen hinaus würden qualifizierte Erzieher gesucht. Mit dieser Herausforderung hätten auch der Kreis Ludwigslust-Parchim und Schwerin zu kämpfen.

Die Erhöhung der Betreuungskosten um drei bis fünf Prozent seien demnach moderat, wie Krüger erklärt. Denn beim geltenden Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst habe es gleichzeitig für die Jahre 2016 und 2017 eine Gehaltssteigerung um 4,75 Prozent gegeben. Dennoch weiß Karla Krüger um die Belastung der Eltern. „Krippenbeiträge zwischen 300 und 400 Euro sind für bestimmte Einkommensgruppen schwierig zu stemmen.“ Es gebe bereits Entlastungen, unter anderem im Fall von Geschwisterkindern in der gleichen Einrichtung. Wie Beate Dellin mitteilt, zahle der Landkreis zudem für 25 Prozent der knapp 10500 betreuten Kinder in Nordwestmecklenburg den teilweise bis kompletten Beitrag, weil Eltern ihn nicht aufbringen können. Im Jahr 2015 kostete das den Landkreis mehr als 4,3 Millionen Euro.

Einer der großen Träger von Tagesstätten in der Region ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK). In zwölf Einrichtungen werden etwa 1000 Kinder betreut. Für Ekkehard Giewald, Vorstandsvorsitzender beim DRK-Kreisverband, bedeuten die steigenden Kosten vor allem eine Aufwertung und Wertschätzung des Berufs. Das sei auch dringend nötig. „Erzieher sind ein rares Gut. Und ihre Anforderungen sind deutlich größer geworden. Deshalb müssen wir sie besser entlohnen“, sagt er. Auch künftig müsse mit höheren Gebühren gerechnet werden. Denn es herrsche nach wie vor Erziehermangel, der dazu führt, dass einige Einrichtungen im Landkreis nicht in der Lage sind, die volle Auslastung auszuschöpfen. Die Mehrkosten für Krippen-, Kita- oder Hortplätze dürften laut Giewald aber nicht nur auf die Eltern zurückfallen. Sie hätten zuletzt fast jedes Jahr Steigerungen hinnehmen müssen. „Das bedeutet für Familien Unwägbarkeiten. Es braucht eine deutlich bessere Finanzierung. Da sind Landes- und Bundespolitik gefragt.“

In Schwerin plant man kurzfristig weitere Entlastungen und langfristig ein ehrgeiziges Vorhaben: „Das Land reduziert ab dem 1. Januar 2018 die Elternbeiträge für die Krippe und den Kindergarten – mit Ausnahme des bereits gesenkten Vorschuljahres – über einen direkten Zuschuss um 50 Euro pro Monat für jedes in Vollzeit betreute und geförderte Kind“, teilt Alexander Kujat, Sprecher des Sozialministeriums mit. 24 Millionen Euro würden damit ab kommendem Jahr zusätzlich investiert. „Weitere Schritte zur Elternentlastung werden folgen, um unser Ziel zu erreichen, die Eltern vollständig von Beiträgen zur Kinderbetreuung zu entlasten“, so Kujat weiter. Dafür sei jedoch eine größere Unterstützung des Bundes im Kita-Bereich nötig.

Nicht zuletzt Mecklenburg-Vorpommerns amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) habe sich als ehemalige Bundesfamilienministerin dafür stark gemacht. „Sie hat sich die kostenfreie Kitabetreuung auf die Fahne geschrieben“, meint Karla Krüger.

Ekkehard Giewald hört die Ankündigung des Landes gern. Doch er bleibt verhalten optimistisch. „Diese Aussagen habe ich schon vor sieben oder acht Jahren gehört. Ich bezweifle, dass es in näherer Zukunft eine beitragsfreie Kinderbetreuung geben wird“, sagt der Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes. Er spricht sich sogar gegen eine vollständige Befreiung der Eltern aus. „Etwas zu zahlen, bedeutet auch, die Arbeit wertzuschätzen“, sagt Giewald. Deshalb sei eine Deckelung der Kosten eine für ihn probate Alternative.

Daniel Heidmann

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