Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Kompromiss-Welten im Schloss-Ambiente
Mecklenburg Grevesmühlen Kompromiss-Welten im Schloss-Ambiente
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:42 13.07.2019
Das im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil gebaute Schloss Kalkhorst. Quelle: Dirk Hoffmann
Anzeige
Kalkhorst

In sattem Grün und sehr gepflegt präsentiert sich der Park von Schloss Kalkhorst. Mehrere Skulpturen aus Holz, darunter auch ein Brunnen gleich neben dem Hauptgebäude, machen diesen Ort für Besucher noch interessanter. Sie sind Teil der Ausstellung „Kompromiss“ der aus Den Haag stammenden Künstlerinnen Suzie van Staaveren und Bernice Nauta.

Kunstobjekte aus Holz im gepflegten Park von Schloss Kalkhorst. Quelle: Dirk Hoffmann

Petermännchen kam zur Ausstellung

„Zur Eröffnung am 28. Juni kamen mehr als 100 Besucher“, freut sich Angeline Koopman, die 2015 zusammen mit ihrem Mann, Jacobus Nicolaas Koopman, vom früheren Eigentümer Manfred Rohde das Schloss erwarb. Sie sind auch Betreiber der Ceres Agrar GmbH, zu der die Norica Milchhof GmbH gehört. Zurück zur Ausstellung: Neben den Kunstobjekten im Park konnten die Besucher, zu denen auch das Petermännchen aus Schwerin gehörte, bei der Eröffnung weitere Werke im Inneren des Schlosses betrachten. Denn im ersten Obergeschoss sahen sie in der Galerie Arbeiten, die den Begriff immer wieder als zentrale Frage definierten, in den Mittelpunkt stellten und sehr zum Nachdenken anregten. Da hingen zum Beispiel an einer Wand dutzende Medaillen. Auf allen wurde der gleiche Moment abgebildet: Etwas fällt ins Wasser, ein Tropfen bildet sich und verschwindet dann auch wieder.

Das Schloss in Kalkhorst stammt aus dem 19. Jahrhundert und war einst Herrenhaus. Der Grundstein wurde 1853 gelegt, Bauherr war Thomson von Biel. 1859 wurde für etwa vier Jahre der Schlossbau aufgrund fehlender finanzieller Mittel unterbrochen. 1930 starb der letzte adelige Besitzer Kalkhorsts, Röttger von Biel. Ein Jahr später wurde das Gut versteigert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gut in Zusammenhang mit der Bodenreform enteignet und dem damaligen Kreis Schönberg zugesprochen. Das Schloss mit angrenzendem Umland wurde 1945 als Typhus-Krankenhaus, ein Jahr später als Tbc-Heilstätte genutzt.

Schriftstellerin Christa Wolf wurde von Oktober 1946 bis April 1947 dort behandelt. Schließlich wurde es erst als Fachschule der Sozialversicherungsanstalt und bis zur Wende als Psychiatrie genutzt.

Zwischen Fiktion und Realität

Auffallend für die Besucher: Alles bewegt sich zwischen Fiktion und Realität, was diese Ausstellung so spannend und interessant macht. So fällt in einem weiteren Raum der Galerie der Blick des Betrachters unweigerlich auf die Mörderpflanzen. Im übertragenen Sinne sind sie der extremen Trockenheit des Sommers 2018 entflohen, nachdem sie vergeblich auf Hilfe durch die Menschen gehofft hatten. Jetzt sind die Mörderpflanzen in ein Lokal eingekehrt, wo sie Bier und Wein zu sich nehmen, wie Angeline Koopman und Robbie Schweiger, Kurator der Ausstellung, mit einem Lächeln im Gesicht erzählen.

Auch "Mörderpflanzen" sind in der Ausstellung zu sehen. Quelle: Dirk Hoffmann

Ein Stückchen weiter sind es fiktive Zeichnungen in einem Wald, die Bernice Nauta mit dem Bleistift auf Papier gebracht hat. Als Person stellt sie sich selbst dar, wie sie aus dem Wald flüchtet. Das will ihr aber nicht gelingen. Denn ganz fliehen kann sie nicht.

Fiktion und Realität treffen auch beim von beiden Künstlerinnen gemeinsam entwickelten Objekt eines Wünschebaums aufeinander. In einen kurzen Stamm können Besucher hier Münzen einschlagen und sich dabei etwas wünschen. Ob sie in Erfüllung gehen, das wird sich zeigen.

Blick auf den Wünschebaum. Quelle: Dirk Hoffmann

Um diese verschiedenen Gedankenspiele rund um das Thema Kompromiss künstlerisch abzubilden, hatten die 1991 geborenen Suzie van Staaveren und Bernice Nauta einen ganzen Monat lang auf Schloss Kalkhorst gelebt und gearbeitet. Diese Zeit haben sie auch benötigt, denn neben den genannten Werken in der ersten Etage des Schlosses fertigten sie auch die Skulpturen im Park vor Ort an. Besichtigt werden kann diese Ausstellung noch bis zum 4. August, am Samstag und Sonntag jeweils in der Zeit von 12 bis 17 Uhr sowie an den anderen Tagen nach vorheriger Absprache.

Künstler aus den USA und Ungarn

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass es nach dem Eigentümerwechsel eine Ausstellung im Schloss Kalkhorst gibt. Schon seit 2016 präsentierten hier Künstler, wie die Holländer Armando und Aldo van den Broek, einige ihrer Arbeiten. Außerdem war Anfang Juli zuerst eine Berliner Gruppe mit Künstlern aus verschiedenen Ländern (unter anderem aus den USA und Ungarn) zu Gast, ehe eine Gruppe aus Hannover folgte. „Die Künstler mögen diese Ruhe und Abgeschiedenheit. Für viele ist es auch ein krasser Gegensatz zu ihrem oft stressigen Leben in der Großstadt“, erklärt Robbie Schweiger, der im Museum in Amsterdam arbeitet und seit gut einem Jahr auch regelmäßig im Schloss in Kalkhorst anzutreffen ist. Er ist mit vielen Künstlern vernetzt, was hier sehr gerne gesehen wird. „Der Bauherr Thomas von Biel war schon 1850 kunstbegabt. Das machen wir jetzt auch so. Hier arbeiten Künstler als Artists in Residence und es gibt regelmäßig Ausstellungen. Denn die Kunst inspiriert und verbindet“, so Angeline Koopman, die das als eine schöne Ergänzung zu dem vorhandenen Schloss und dem Landschaftspark mit seinem beeindruckenden Baumbestand sieht. Ginkgobäume, eine Sumpfzypresse, eine Atlaszeder, ein Tulpenbaum oder der große 1871 gepflanzte Mammutbaum aus Kalifornien sind nur einige Beispiele. Da wundert es eigentlich kaum, dass regelmäßig Besucher hier vorbeischauen. Sie können das, denn der Park ist frei zugänglich und lädt geradezu zum Spazierengehen ein.

Das im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil gebaute Schloss Kalkhorst. Quelle: Dirk Hoffmann

Dirk Hoffmann

Nachdem einem 16-jährigen Radfahrer in Grevesmühlen von einem Auto die Vorfahrt genommen wurde, war der Jugendliche gestürzt und hatte sich schwer verletzt. Der Verursacher flüchtete. Die Familie des Opfers sucht Zeugen.

19.07.2019

Die Tierheime in Roggendorf und Dorf Mecklenburg erhalten 2019 und 2020 jeweils 10000 Euro zusätzlich vom Landkreis. Der Kreistag will damit die Arbeit der Einrichtungen anerkennen.

12.07.2019

Der Nordwestmecklenburger DJ Felix Jaehn ist ein Fan von E-Tretrollern. Noch sind die Roller sehr neu auf Deutschlands Straßen, aber der 24-Jährige ist schon jetzt begeistert.

13.07.2019