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Grevesmühlen Kurtaxe abschaffen? Boltenhagen wartet ab!
Mecklenburg Grevesmühlen Kurtaxe abschaffen? Boltenhagen wartet ab!
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16:44 27.08.2019
Ein Blick auf die Promenade in Boltenhagen. Quelle: Annett Meinke
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Boltenhagen

Die Diskussion um die Abschaffung der Kurtaxe in Mecklenburg-Vorpommern ist im Grunde nicht neu. Sie hat aber in diesen Tagen durch die Einmischung des neuen Finanzministers im Land, Reinhard Meyer (SPD), noch einmal Aufwind bekommen. Er hält die Kurtaxe für ein „Relikt aus dem letzten Jahrhundert“ und fordert vehement die Abschaffung. Stattdessen stellt er sich eine Abgabe für Firmen vor.

Boltenhagens Kurdirektorin Claudia Hörl Quelle: privat

In der Kurverwaltung des Ostseebades Boltenhagen bleibt man zunächst gelassen. Kurdirektorin Claudia Hörl zeigt sich „offen für alles, was funktioniert.“ Auch der Direktor des Seehotels „Großherzog von Mecklenburg“, Rainer Kress, ist entspannt. „Ob neue Besen immer besser kehren, ist eine Frage, die man sich stellen kann“, sagt er. „Zumindest wirbeln sie erst einmal Staub auf. Was nicht per se schlecht sein muss.“

Auch darin sind sich Hoteldirektor und Kurdirektorin einig: Wenn es um neue Instrumente der Tourismus-Finanzierung geht, muss sichergestellt sein, dass diese Instrumente tatsächlich die Situation verbessern, gerecht sind und funktionieren.

Der im Mai des Jahres erstmals gewählte Bürgermeister des Ostseebades, Raphael Wardecki, betrachtet die Diskussion um die Abschaffung der Kurtaxe mit den Augen eines Kommunalpolitikers und – er hat ein Bestattungsunternehmen – eines Unternehmers. „Als Bürgermeister ist es für mich wichtig, dass es für alle fair zugeht, sowohl für die Gäste, als auch für die Anwohner und ansässigen Firmen. Es stellt sich die Frage, wer profitiert vom Tourismus, wer nicht.“ Auch er als Bestattungsunternehmer würde letztlich von den Touristen profitieren – wenn auch nicht direkt, so doch indirekt.

Durch die Touristen, so der Bürgermeister, gibt es eine Infrastruktur im Ort, gibt es Arbeit, ist die Einkommenssituation der Menschen stabil: „Boltenhagen lebt im Grunde hauptsächlich vom Tourismus“. Und wenn es den Bürgern vor Ort gut geht, können sie sich im Falle eines Falles auch eine gute Bestattung leisten.

Raphael Wardecki (28), Bürgermeister in Boltenhagen. Quelle: Michael Prochnow

Die Frage der Grenzziehung finden auch Claudia Hörl und Rainer Kress problematisch. Die Kurdirektorin bemerkt, dass es doch auch eine Möglichkeit wäre, nicht ein komplett neues System mit einer neuen, weiteren Steuer einzuführen, sondern das bestehende Kurtaxen-System plus Fremdenverkehrsabgabe zu optimieren. „Es gibt letztlich auch noch so viele wichtige andere Fragen zu klären, zum Beispiel, welche Voraussetzungen ein Kurort haben muss, um Taxe zu erheben.“ Eine Vereinheitlichung der geltenden Standards zu erarbeiten stände an.

Für Hoteldirektor Rainer Kress gehe es bei der Diskussion um noch viel mehr. „Alles, was dazu dient, das Land Mecklenburg-Vorpommern mit seinen Erholungsmöglichkeiten national und international bekannter zu machen, ist unterstützenswert.“ Bayern endgültig als beliebtestes deutsches Urlaubsland zu überholen, ist dabei ein Traum von Rainer Kress. „Jedes Instrument, das neu erfunden oder überarbeitet werden muss, muss nachweislich dem Tourismus und seiner Entwicklung dienen“, sagt er und übt gleichzeitig Kritik daran, dass Mecklenburg-Vorpommern und seine Tourismusverbände noch viel zu selten auf den entscheidenden Messen, vor allen Dingen auch im europäischen Ausland, vertreten seien.

Am Strand im Ostseebad Boltenhagen tummeln sich im Sommer Tausende Sonnenhungrige, die sich in der Ostsee abkühlen. Quelle: Malte Behnk

Die Beschwerden von Einheimischen, die Kurtaxe zahlen müssen, wenn sie die Strände betreten, können Claudia Hörl, Raphael Wardecki und Rainer Kress schon nachvollziehen. Doch letztlich, so Hörl: „Das Argument vieler Einheimischer, sie würden doch schon Steuern zahlen, zieht nicht wirklich. Alle Menschen zahlen Steuern. Den Hauptanteil der Kurtaxe zahlen die Gäste.“ Und damit sorgen sie für einen sauberen Strand „und diese Art von Infrastruktur, die man sonst in kleinen Orten, die Ostseebäder an sich sind, wenn sie irgendwo im Hinterland von MV lägen, einfach so nicht haben würde.“

Von Annett Meinke

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