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Grevesmühlen Langjähriger Leiter des Kinder- und Jugendfilmstudios in Grevesmühlen geht in Rente
Mecklenburg Grevesmühlen

Langjähriger Leiter des Kinder- und Jugendfilmstudios in Grevesmühlen geht in Rente

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08:00 21.12.2019
Eine Ära geht zu Ende: Dieter Kowalski (hier mit seinem Stellvertreter Jan Kadura) verabschiedete sich in den Ruhestand und feierte mit treuen Weggefährten. Quelle: Jana Franke
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Grevesmühlen

Eine Ära geht zu Ende: Dieter Kowalski verabschiedet sich nach 40 Jahren im Kinder- und Jugendfilmstudio in Grevesmühlen in den Ruhestand. 1979 ist der gebürtige Grevesmühlener, geboren im Haus seiner Eltern in der Freytagstraße, von Rügen in seine Heimatstadt zurückgekehrt, um als pädagogischer Mitarbeiter im „Pionierfilmstudio“ anzuheuern – seinerzeit eine nachgeordnete Einrichtung der Abteilung Volksbildung beim Rat des Kreises.

Interesse für Film und Fernsehen entwickelte der 64-Jährige bereits im Grundschulalter. Zur Jugendweihe, so erzählt der nun ehemalige Leiter des Filmstudios, habe er seine erste Schmalbild-Kamera geschenkt bekommen. Das Handwerk schließlich lernte der studierte Lehrer für Polytechnik von Filmstudio-Gründer Horst Meyer. Ende der 1970er Jahre wurde ausschließlich auf Zelluloid gefilmt, also auf 16- und 8-Millimeter-Material. Die Filme mussten jedes Mal ins Kopierwerk geschickt werden. Erst nach etwa vier Wochen konnten die Jung-Filmer sehen, ob die Aufnahmen etwas geworden waren. Mit den Jahren wurde alles einfacher – zunächst ist auf Video gedreht worden, jetzt digital.

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Schwere Zeiten überstanden

Doch es gab nicht nur Hoch-Zeiten. Nach der Wende sah es für das 1952 gegründete Filmstudio nicht gut aus. Die Kreisverwaltung hatte alle freiwilligen Aufgaben abgegeben, dazu gehörte auch die Einrichtung. Ein Jahr erhielt Dieter Kowalski das Studio als ABM-Kraft am Leben. Dann war der Verein für Jugendeinrichtungen gegründet worden, zu dem das Filmstudio gehört. Somit kamen die Finanzen für die verschiedenen Projekte zusammen und ein zweiter hauptamtlicher Mitarbeiter, Jan Kadura, konnte beschäftigt werden.

Vieles hat das Filmstudio in den vielen Jahren hervorgebracht: Dokumentarfilme, wie den zu DDR-Zeiten beim internationalen Festival der Amateurfilmer UNICA in der Schweiz ausgezeichneten Lehrfilm „Von Bienen und Blüten“, Zeichentrickfilme wie „Freunde muss man haben“, der 1973 in Helsinki einen Preis erhielt. Sogar ein Musikfilm war dabei: „Miss Natura“, mit dem das Studio 1992 beim Landeswettbewerb einen weiteren Preis einheimste.

Schüler als Nachwuchsfilmer

Zwischen 35 und 40 Schüler sind durchschnittlich jedes Jahr in sieben Aufnahmegruppen unterwegs. Sie lernen, mit der Videokamera umzugehen, Filme am Computer zu bearbeiten, Ton und Musik zu mischen und vieles mehr, was ein Nachwuchsfilmer eben wissen muss. Die Schüler stehen nicht nur hinter der Kamera, sondern auch davor. Dabei beweisen sie, dass sie durchaus schauspielerische Talente haben.

Bis zu zehn Produktionen entstehen pro Jahr, die traditionell Ende Januar auf der Filmpremiere im Rathaussaal gezeigt werden. Das Krankenhaus, die Zelle im Polizeirevier, Geschäfte in der Innenstadt, das Freibad, der Wald am Ploggensee, das Rathaus und die Kreisverwaltung waren schon Filmkulisse. Sogar Kerstin Weiss, zu der Zeit noch keine Landrätin, hatte schon mal eine Rolle und bewies Talent. Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister der Stadt Grevesmühlen, Jürgen Ditz, jagte sie Tiger, die in Dassow ausgebrochen waren.

Filmstudio mit eigener TV-Sendung

Seit 1995 wird im Kinder- und Jugendfilmstudio das regionale Grevesmühlen TV produziert, seit 1998 mit ordnungsgemäßer Sendelizenz. Mit dieser war das Filmstudio nicht mehr an Veranstaltungen gebunden, sondern konnte auch mal über selbst gewählte Themen berichten und Interviews ausstrahlen. Jürgen Drews, die Band Rednex und Günter Grass sind beispielsweise ausgequetscht worden.

Sind die Beiträge seinerzeit über einen Videorekorder im Keller eines Wohnblocks im Ploggenseering ins Kabelnetz eingespeist worden, werden sie heute auf YouTube hochgeladen. „Das ist insofern ein wenig schade, weil wir damit viele ältere Zuschauer nicht mehr erreichen“, meint Dieter Kowalski, der am Freitagvormittag treue Weggefährten zu einer lockeren Abschiedsrunde ins Vereinshaus einlud. Dort ist auch die eine oder andere Anekdote erzählt worden – so zum Beispiel, dass Stadtwerkesprecherin Katy Jurkschat den Vornamen der Erstgeborenen von Kowalskis – sie haben zwei Kinder – erhielt, weil deren Mutter diesen so schön fand. Oder dass Dieter Kowalski an der Reuterschule von seiner Mutter Maria Kowalski unterrichtet worden war. „Wenn er mal nicht Lesen geübt hat, dann kam er auch nicht dran“, erzählte sie lachend.

Der Nachfolger von Dieter Kowalski wird im Februar offiziell bekannt gegeben. Der 64-Jährige selbst wird das Filmen nun wieder zum Hobby machen und vor allem seine vier Enkelkinder – eines lebt in Wismar, die anderen drei in Karlsruhe – in Bild und Ton festhalten.

Dieter Kowalski und „sein“ Filmstudio: Die Aufnahmen zeigen die Arbeit des Grevesmühlener Filmstudios in den vergangenen Jahrzehnten.

Von Jana Franke