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Grevesmühlen Der DJ mit dem Schraubenschlüssel: Die zwei Leben des Manfred Meinke aus Lindow
Mecklenburg Grevesmühlen

Lindower Manfred Meinke ist Landmaschinenmechaniker und Diskjockey

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19:03 09.09.2021
Manfred Meinke (69) arbeitet seit 1990 in seinem Betrieb für Forst-, Garten-, Land- und Kommunaltechnik.
Manfred Meinke (69) arbeitet seit 1990 in seinem Betrieb für Forst-, Garten-, Land- und Kommunaltechnik. Quelle: Jürgen Lenz
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Lindow

Wer Manfred Meinke in seiner Werkstatt in Lindow sieht, würde nicht einmal ahnen, was er an vielen Wochenenden macht. Dann geht Meinke seiner zweiten großen Leidenschaft nach. Der Fachmann für Maschinen und Werkzeuge, die im Forst-, Garten und Landwirtschaftsbereich im Einsatz sind, tritt in halb Norddeutschland als DJ auf.

Seit dem Ende der Lockdowns kann er’s endlich wieder. „In Hamburg habe ich schon Termine“, erklärt der Lindower. An anderen Tagen macht sich DJ Manni auf den Weg nach Rostock, Schwerin, Wismar und Lübeck, um Menschen mit Musik zu unterhalten und für gute Stimmung zu sorgen. Das hat Manfred Meinke auch schon auf Großveranstaltungen mit 2000 Besuchern gemacht.

Als DJ schon bis nächstes Jahr gebucht

Meistens aber in Nordwestmecklenburg: auf Dorffesten, Hochzeiten, Goldenen Hochzeiten, Betriebsfesten, Geburtstagsfeiern und Jugendweihen. Jetzt hat er wieder einen Haufen Termine bis ins nächstes Jahr hinein. Sein Tipp: „Man muss sich frühzeitig anmelden.“

Manfred Meinke braucht bei großen Veranstaltungen drei, vier Stunden, um seine Anlage aufzubauen. Vor allem das Einrichten von Beamern und Lasern macht viel Arbeit.

Sackkarre im Einsatz für die schwersten Boxen

Der Discjockey aus Lindow ist stolz auf die Anlage, die er sich vor vier Jahren gekauft hat. Sie hat inklusive Beleuchtungsequipment und Nebelmaschinen rund 50 000 Euro gekostet. Einige Lautsprecher sind so schwer, dass Meinke sie nur mit einer Sackkarre bewegen kann. Sie wiegen über 50 Kilo.

Was er auf keinen Fall will: Erst startklar sein, wenn die Veranstaltung bereits begonnen hat. Das würde gegen seine Ehre als Discjockey verstoßen. Wenn er unerwartet früh fertig ist, macht ihm das dagegen nichts. Zwei Stunden zu warten, ist für ihn kein Problem.

Unterwegs für gute Unterhaltung: DJ Manni fühlt sich am Mischpult wohl. Seine normale Arbeitskleidung trägt er nur fürs Foto. Quelle: Jürgen Lenz

Der Lindower wählt unter 150 000 Titeln, größtenteils Partymusik, denn: „Wir wollen ja auch Party machen.“ Und ein Titel darf dabei nicht fehlen, auch wenn der Handwerker mit den Augen rollt bei dem Thema. „Atemlos“ von Helene Fischer geht immer. „Ich kann es schon nicht mehr hören, aber wenn es gewünscht wird: na gut.“ Warum macht er das alles? „Es macht Spaß. Am meisten Spaß macht es, wenn die Leute mitgehen“, antwortet DJ Manni. An die Corona-Regeln halte er sich selbstverständlich.

„Diese Rapmusik ist aber für eine Party nichts“

Bei einem kann er nicht mitgehen: bei Rapmusik. „Wenn jemand sich das zu Hause anhören will, ist es in Ordnung. Diese Rapmusik ist aber für eine Party nichts.“

Manfred Meinke macht seit 1972 Musik. Er fing mit zwei polnischen Tonbandgeräten an. Die hat er noch heute. Er weiß allerdings nicht, ob sie funktionieren.

Er hat Flugzeuge bei der Luftwaffe gewartet

Dinge wieder zum Laufen zu bringen – das macht Manfred Meinke im Betrieb für Forst-, Garten-, Land- und Kommunaltechnik, den er 1990 gründete. 1965 war seine Familie nach Lindow gezogen. Bei der LPG Groß Siemz machte er eine Lehre zum Landmaschinen- und Traktorenschlosser. Bei der Luftwaffe wartete er Flugzeuge. Später besuchte er Lehrgänge, bildete sich zum Schweißer fort.

Wieder zurück in der seiner Heimat Mecklenburg, kümmerte sich Manfred Meinke darum, dass Traktoren und Mähdrescher der LPG instand gesetzt und repariert werden. Nach der Wende machte er sich selbstständig. Für die Musik blieb damals keine Zeit. Auch der jahrzehntelange Einsatz für die Feuerwehr musst er einmal zurückstehen.

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Heute kommen die Kunden von Manfred Meinke aus einem Umkreis von 30 Kilometern rund um seinen Heimatort, einige sogar von weiter her. Um vor Ort zu helfen, ist der Lindower viel unterwegs. In der Werkstatt arbeitet er manchmal bis elf, zwölf Uhr. Er wartet, repariert, verkauft. Kunden profitieren von einer Fertigkeit, die sich der Mechaniker zur DDR-Zeit angeeignet hat: Mit teils einfachsten Mitteln viel erreichen. Um die Büroarbeiten kümmert sich Tochter Sylvia Mangold.

Nun ist Manfred Meinke schon 69 Jahre alt und arbeitet immer noch. Warum? „Ich kann nicht stillstehen, muss immer in Bewegung bleiben. Meine Hände müssen immer etwas zu tun haben.“ Was den Mechaniker ebenfalls motiviert ist, wenn Kunden fragen: „Wo sollen wir sonst hin?“

Von Jürgen Lenz