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Grevesmühlen Lust auf Sibirien
Mecklenburg Grevesmühlen Lust auf Sibirien
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12:08 26.02.2018
Die Lesung von Karin Haß, Autorin drei Bücher über ihr Leben in Sibirien an der Seite eines Jägers vom Volk der Ewenken (veröffentlicht im Nordwest Media Verlag), im K2 in Grevesmühlen war überaus gut besucht. Die Pause nutzten Fans, um sich Bücher signieren zu lassen.
Die Lesung von Karin Haß, Autorin drei Bücher über ihr Leben in Sibirien an der Seite eines Jägers vom Volk der Ewenken (veröffentlicht im Nordwest Media Verlag), im K2 in Grevesmühlen war überaus gut besucht. Die Pause nutzten Fans, um sich Bücher signieren zu lassen. Quelle: Annett Meinke
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Grevesmühlen

Wer live erleben möchte, wie es sich in der sibirischen Taiga, weitab von der sogenannten Zivilisation lebt - der könnte Karin Haß und ihren Mann Slava Gabyschev, vom Volk der Ewenken im östlichen Sibirien, im Dorf Srednjaja Oljokma (Srednyaya Olekma) am Fluss Oljokma besuchen. Seit ein paar Jahren betreiben die beiden dort auch ein Gästhaus. Fünf Tage Anreise, davon die letzten 300 Kilometer im Boot. Das Dorf ist im Frühling und Sommer nur per Boot zu erreichen - winters ist der zugefrorene Fluss die Straße.

Wie es sich in Sibirien lebt, davon handeln die insgesamt drei Bücher, die Karin Haß geschrieben hat, die allesamt beim Nordwest Media Verlag in Grevesmühlen erschienen sind. Das Erscheinen ihres dritten Bandes (Alles „normalno“ - Im wilden Osten von Sibirien) feierte der Verlag am vergangenen Freitag mit einer Lesung zu der die Autorin höchstpersönlich anreiste. Die allerdings, wie sie bekannte, in diesem Jahr schon seit September in Hamburg ist.

Haß lebt zwei Leben, seit nunmehr zwölf Jahren. Für ein paar Monate im Jahr ist ehemalige Programmierin und gebürtige Dresdnerin nach wie vor Großstadtpflanze - seit vielen Jahren fühlt sie Hamburg als einen Teil Heimat. Die andere Heimat, die sie kurz nach ihrer Pensionierung während einer Paddeltour ganz überraschend fand, und erst ein wenig später dann auch ihren Mann Slava - was wichtig ist, weil sie eben nicht erst den Mann und dann das Land für sich entdeckte - ist das östliche Sibirien.

Es ist die wilde, weite Natur, die Karin Haß fasziniert - die minus 54 Grad Celsius im Winter, das Eis, das sich auf dem Fluss türmt, der violette Rhododendron, der im Frühjahr überall blüht und duftet, das glasklare Wasser des Flusses, in dem es sich im Sommer so herrlich schwimmen lässt, das autarke Leben - nur von Erjagtem und im Garten selbst angebauten Gemüse - und noch vieles mehr.

Bemerkenswert dabei, der kluge, humorvolle Blick, der gleichermaßen poetisch wie pragmatisch veranlagten, kleinen und sehr energischen Frau, der sich Haß' Lesern bald erschließt.

Auch die Schattenseiten des „siberiakischen“ Lebens, inmitten von Dorfmenschen, deren Horizont überwiegend nur bis zur nächsten, weit entfernten Stadt reicht, die zum Teil schwere Alkoholiker sind und die Frage nach der „russischen Seele“, von der Niemand so recht weiß, was sie denn bedeuten soll, sind Teil der Bücher von Karin Haß.

Meinke Annett

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