Mecklenburg: Wasserstoff-Pionier arbeitet an Energiequelle der Zukunft
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Grevesmühlen Mecklenburg: Hier arbeitet ein Wasserstoff-Pionier an Energiequelle der Zukunft
Mecklenburg Grevesmühlen

Mecklenburg: Wasserstoff-Pionier arbeitet an Energiequelle der Zukunft

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12:03 02.09.2021
Der kaufmännische Leiter Matthias Kramer (51) ist stolz auf den innovativen Aufbau von Elektrolyse-Zellen, die die Hoeller Electrolyzer GmbH für die Produktion von Wasserstoff entwickelt und herstellt.
Der kaufmännische Leiter Matthias Kramer (51) ist stolz auf den innovativen Aufbau von Elektrolyse-Zellen, die die Hoeller Electrolyzer GmbH für die Produktion von Wasserstoff entwickelt und herstellt. Quelle: Jürgen Lenz
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Grevesmühlen

Klimaneutrale Energie günstig produzieren: Diesem Ziel hat sich ein deutsches Start-up verschrieben. Die Hoeller Electrolyzer GmbH entwickelt und produziert innovative Technik zur Gewinnung von Wasserstoff aus Wasser und Strom. Ihren Sitz hat sie in Mecklenburg.

„Es gibt eine Handvoll Firmen in der Welt, die das machen, was wir machen“, erklärt Matthias Kramer (51), kaufmännischer Leiter im Unternehmenssitz im Technologie- und Gewerbezentrum in Wismar. Er sagt: „Wir haben schon Anfragen aus der ganzen Welt – auch aus Japan.“

Das Start-up wird sich bald auch im Grevesmühlener Gewerbegebiet Nordwest ansiedeln. „Grevesmühlen ist in der Tat der Standort, auf dem wir unsere Testanlage aufstellen wollen“, bestätigt Matthias Kramer.

Grevesmühlen lockt mit „grünem Gewerbegebiet“

Unter anderem befinden sich die Garnelenfarmen im Gewerbegebiet Nordwest. Quelle: Archiv

Warum Grevesmühlen? Hier investieren die Stadtwerke seit vielen Jahren in den Ausbau erneuerbarer Energien. Mit einen Energiezentrum Nordwest bauen sie sich ein weiteres Standbein auf. In dem als „grünes Gewerbegebiet“ ausgezeichneten Areal wird schon jetzt in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Grevesmühlen überschüssige Abwärme einer Kläranlage verwendet, um Garnelenfarmen mit Energie zu versorgen. Mit dem Ausbau des Fernwärmenetzes wird in Zukunft weitere Wärme des Zweckverbands in der Stadt genutzt.

Stadtwerke-Chef Heiner Wilms sagt: „Das Gewerbegebiet Nordwest ist ein hervorragendes Beispiel für die Ausgestaltungen der Energiewende und einer nachhaltigen kommunalen Wirtschaftspolitik.“ Dass sein Unternehmen dort investiert, sei für die weitere Ansiedelung von Gewerbe von Vorteil.

„Ein weiterer Schritt in Richtung grüner Energie“

So sieht das auch Matthias Kramer. Er sagt: „Das Ganze passt gut mit uns zusammen. Die Stadtwerke Grevesmühlen sind weit, was die Themen Autarkie und erneuerbare Energien betrifft.“ Denkbar sei, Abwärme aus der Testanlage in das Fernwärmenetz einzuspeisen. Die Stadtwerke begrüßen die für Anfang kommenden Jahres geplante Ansiedelung des Start-ups. Sie sprechen von einem „weiteren Schritt in Richtung grüner Energie.“

Die Hoeller Electrolyzer GmbH setzt an der hohen Nachfrage für klimaneutrale Energiegewinnung an, die in den kommenden Jahren noch deutlich steigen wird. Es erklärt: „Egal, ob Windkraftanlagenbetreiber, Industrieunternehmen mit Lkw- und Gabelstapler-Fuhrparks, Güterzüge oder Wasserstoff-Tankstelle: Sie alle benötigen in Zukunft Energielösungen, die kosteneffektiv und zuverlässig einzusetzen sind.“

Wasserstoff-Technologie soll endlich wirtschaftlich werden

Dafür bietet sich die Wasserstoff-Technologie seit Langem als optimale Lösung an, schließlich entsteht bei der Elektrolyse von Wasser kein CO2 und der Grundstoff ist überall in riesigen Mengen verfügbar. Sie krankt jedoch bis heute an einem Nachteil: den hohen Kosten. Deshalb arbeiten Unternehmen weltweit daran, die Wirtschaftlichkeit und Wirkungsgrade so weit zu erhöhen, dass sie eine attraktive Alternative für Betriebe und Privatpersonen wird. Das Ziel von Stefan Höller (54), Gründer der Hoeller Electrolyzer GmbH: „Wir möchten es jedem Unternehmen ermöglichen, eigenständig, wirtschaftlich und dezentral grünen Wasserstoff auf dem Firmengelände produzieren zu können.“ Der Preis pro Kilogramm Wasserstoff werde dank der „Prometheus“ genannten Elektrolyse-Komponenten seines Unternehmens unter vier Euro liegen.

Erfinder Stefan Höller präsentierte 2011 als Geschäftsführer von H-Tec Systems in Lübeck ein kleines Brennstoffzellenauto. Quelle: Roessler Lutz

Wie kommt das Start-up zu dem vergleichsweise niedrigen Preis? Matthias Kramer nennt einen Grund: „Hoeller ist es gelungen, den kostenintensiven Einsatz der Edelmetalle Platin und Iridium erheblich zu reduzieren.“ Das Unternehmen optimiere seine Technik weiter, um in Zukunft eine Führungsrolle einzunehmen. 13 Patentanmeldungen seien auf den Weg gebracht.

25 Jahre Pionierarbeit in der Wasserstoff-Technologie

Hinter dem Startup stehen mehr als 25 Jahre Know-how und Pionierarbeit von Stefan Höller. Auf seinen Erfindungen basieren nach eigenen Angaben mehr als 60 Patente und Patentanmeldungen. Im Dezember 2016 gründete er in seiner Heimatstadt Lübeck die Hoeller Electrolyzer GmbH. Seit 2018 arbeitet das Unternehmen im Technologie- und Gewerbezentrum in Wismar.

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Matthias Kramer erläutert: „Wir haben im Moment neun Mitarbeiter, darunter sieben Ingenieure verschiedenster Fachrichtungen. Wir hoffen, die Technologie in weitere Arbeitsplätze umzusetzen.“ Das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Europäische Union fördern Projekte des Start-ups.

Die Kläranlage am Vielbecker Weg in Grevesmühlen im Gewerbegebiet Nordwest. Quelle: Michael Prochnow

Von Jürgen Lenz