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Grevesmühlen Mecklenburgs dickste Stämme
Mecklenburg Grevesmühlen Mecklenburgs dickste Stämme
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06:50 12.06.2019
Auf einen Stammumfang von 7,80 Metern bringt es die Stieleiche in Klütz bei Grevesmühlen. Damit schafft sie es auf die Rekordliste des Landes. Gemessen wird der Stammumfang von Bäumen in der Regel in einer Höhe von 1,30 Metern. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar

 Wer Rekordbäume sucht, wird in Mecklenburg fündig. So steht der Bundessieger bei den Felsengebirgstannen im Gutspark von Hohen Niendorf (Landkreis Rostock). Auf einen Stammumfang von 3,16 Meter bringt es das edle Stück.

Den Bundessieger bei den Felsengebirgstannen führt die Deutsche Dendrologische Gesellschaft im Gutspark von Hohen Niendorf (Gemeinde Bastorf, Landkreis Rostock). Auf einen Stammumfang von 3,16 Metern bringt es das edle Stück in der Bildmitte. Quelle: Thomas Hoppe

Gleich zwei Bundessieger stehen im Schlosspark von Wiligrad (Nordwestmecklenburg): der Hybrid-Goldregen und die Europäische Fichte. Auch wenn mit 1,2 bzw. 1,61 Metern der Stammumfang vergleichsweise bescheiden ausfällt.

Ein Hingucker ist auch die Mispelblättrige Traubeneiche in Schorssow am Haussee (Landkreis Rostock). Mit einer Höhe von 31 Metern und einem Kronendurchmesser von 22 Metern umfasst der Stamm 5,24 Meter.

Größer ist die Konkurrenz bei den Stieleichen. Der Umfang von 7,80 Meter reicht für den Baum in Klütz (Nordwestmecklenburg) „nur“ zu einem vierten Platz im Landesvergleich. Eine Stieleiche in Ivenack liegt mit 11,09 Metern vorne.

Ermittelt hat das die Deutsche Dendrologische Gesellschaft (DDG).

47 Bundes-Champions kommen aus Mecklenburg-Vorpommern

„Wir wollen die Rekordbäume flächendeckend erfassen“, sagt Jürgen Bouillon, Professor für Gehölzverwendung und Vegetationstechnik an der Hochschule Osnabrück und Vizepräsident der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDG).

Gemessen wird der Stammumfang von Bäumen in der Regel in einer Höhe von 1,30 Metern - wie hier an der Stiel-Eiche von Klütz, die auf 7,80 m kommt. Quelle: Heiko Hoffmann

Deutschlandweit erfasst die DDG mit der Gesellschaft Deutsches Arboretum seit 2009 die dicksten Exemplare einer Baumart. Der Stammumfang wird meist in einer Höhe von 1,30 Metern gemessen, die Ergebnisse in eine Liste eingetragen. Jeder kann seine Daten an die DDG melden. „Wir haben bei weitem noch nicht alle Bäume erfasst“, sagt Bouillon. Mittlerweile stehen 47 Bundes-Champions aus Mecklenburg-Vorpommern auf der DDG-Liste, 392 Bäume sind es in MV insgesamt.

Projekt „Championtrees“

Bei den Champions gibt es Angaben zum Stammumfang, teilweise auch zu Höhe, Alter und Umfang der Krone. Das Projekt „Championtrees“ soll ein Bewusstsein für die Bedeutung besonderer Bäume schaffen. „Diese Bäume sind schützenswert, weil sie in der Regel ein hohes Alter haben und mit ihrem großen Stammumfang gegenüber anderen Bäumen herausstechen“, sagt Bouillon.

Rekordbäume

Die Deutsche Dendrologische Gesellschaft e. V. (DDG) listet Rekordbäume in Deutschland auf. Es gibt Angaben zu Umfang, Höhe, Alter und Krone.

47 Bundes-Champions aus Mecklenburg-Vorpommern stehen auf der DGG-Liste, 392 Bäume sind es in MV gesamt.

Beispiele von Bundessiegern aus Mecklenburg:

Felsengebirgstanne: Hohen Niendorf (Landkreis Rostock), Gutspark, Stammumfang: 3,16 m;

Feldahorn: bei Tessenow (Landkreis Rostock), Stammumfang: 5,1 m, Höhe: etwa 26 m, Kronendurchmesser: etwa 19 m, Alter: ca. 194 Jahre;

Hybrid-Goldregen: Wiligrad (Nordwestmecklenburg), Schlosspark, Stammumfang: 1,2 m;

Europäische Fichte: Wiligrad (Nordwestmecklenburg), Schlosspark, Stammumfang: 1,61 m;

Nordamerikanische Rotfichte: Burg Schlitz (Landkreis Rostock), Stammumfang: 3,45 m, Höhe: ca. 29 m, Kronendurchmesser: ca. 12 m, Alter: etwa 204 Jahre;

Mispelblättrige Traubeneiche: Schorssow (Landkreis Rostock), südliches Ufer des Haussees, Stammumfang: 5,24 m, Höhe: ca. 31 m, Kronendurchmesser: ca. 22 m;

Geschlitztblättrige Sommerlinde: Gottin (Landkreis Rostock), im Park hinter dem Gutshaus, Stammesumfang: 2,52 m.

Sie seien Zeitzeugen und würden Anlass geben, Natur- und Kulturgeschichte zu reflektieren. „Einige dieser Bäume stehen heute alleine als Parkbäume. Früher gehörten sie zu einem Wald, der jedoch gerodet wurde.“

Weitere Hitliste

Nicht nur die Deutsche Dendrologische Gesellschaft führt eine Hitliste. Ein Belgier hat 2003 eine Webseite für monumentale Bäume (monumentaltrees.com) angelegt. Dort wird eine Rotbuche in der Nähe der Ortschaft Dobbin (Landkreis Rostock) mit einem Umfang von 8,58 Metern als dickster Baum von MV geführt.

Die rund 220 Jahre alte Rotbuche in der Nähe von Dobbin (Landkreis Rostock) hat einen Umfang von 8,58 Metern. Die sogenannte Schäferbuche wird im Ranking der „Monumental Trees“ als dickster Baum bei Rotbuchen in MV geführt. Quelle: privat

Der Baum mit dem Namen „Schäferbuche von Dobbin“ ist vom Brandkrustenpilz befallen. 1987 wurde der Baum durch einen Beschluss des damaligen Kreistages Güstrow als Naturdenkmal ausgewiesen. Mit einem Alter von rund 220 Jahren schafft es die Schäferbuche im Ranking der ältesten Bäume auf Platz zwei.

Ein absoluter Hingucker ist auch die Winterlinde auf dem Friedhof der Kirche Retschow bei Bad Doberan. 2016 wurde ein Stammumfang von 7,19 Metern gemessen – das ist Platz eins im Ranking der monumentalen Bäume dieser Baumart.

Lobby für Bäume

Die Winterlinde auf dem Friedhof der Kirche in Retschow bei Bad Doberan steht mit einem Stammumfang von 7,19 Metern auf Platz eins im Ranking der monumentalen Bäume dieser Baumart in MV. Quelle: A. Gomolka

DDG-Vertreter Jürgen Bouillon macht zunehmendes Interesse für das Ranking aus und freut sich darüber. „Bäume brauchen eine Lobby, gerade die alten Bäume. Sie gelten relativ schnell als gefährlich.“ Der Fan und Fachmann von Bäumen kann sich gut vorstellen, dass mit den Rekordbäumen auch Ausflugsziele verbunden werden.

Doch es sind nicht nur die Rekordbäume, die faszinieren. Wismar zum Beispiel taucht in der Hitliste nicht auf. Dennoch sagt Stadtsprecher Marco Trunk: „In Wismar gibt es eine Vielzahl an großen stattlichen Bäumen, die viele Jahre schon unser Stadtbild prägen.“ Diese Zeitzeugen sind auf dem Gelände des Friedhofes, um den Altstadtring entlang der Straßen, auf Höfen in der Altstadt und in Parkanlagen anzutreffen.

Eine große Esche im Wismarer Lindengarten bringt es immerhin auf einen Durchmesser von 1,38 Metern, Bergahorne im Denkmaldorf Hoben bei Wismar auf etwa 1,35 Meter, Pyramidenpappeln im Wismarer Ziegeleipark auf eine Höhe von circa 38 Metern. Der älteste Baum in der Hansestadt steht auf dem Friedhof. Die Eiche wird auf rund 380 Jahre geschätzt.

Viele Rekordbäume sind Naturdenkmale

Die meisten der Rekordbäume sind grundsätzlich vor Fällungen geschützt. Entweder weil sie Naturdenkmal sind oder weil ihr Stammumfang größer als einen Meter ist.

Die lange Reihe aus Holländischen Linden, die die berühmte Festonallee von Schloss Bothmer in Klütz (Nordwestmecklenburg) bilden, ist als Naturdenkmal eingetragen. Quelle: Heiko Hoffmann

In Nordwestmecklenburg gibt es etwa 850 Naturdenkmale, weiß Ralf Höpel vom Sachgebiet Naturschutz des Landkreises. Häufig sind sie mit dem gelben Schild mit der Eule markiert. Es müssen aber nicht nur einzelne Bäume sein. Zwischen Pokrent und Renzow (Nordwestmecklenburg, 15 Kilometer westlich von Schwerin) kann man die älteste und größte Blutbuchenallee Mitteleuropas bestaunen. Und auch die knapp 270 Meter lange Reihe aus Holländischen Linden, die die berühmte Festonallee von Schloss Bothmer in Klütz (Nordwestmecklenburg) bilden, ist als Naturdenkmal eingetragen.

Kritik am Baumfällungen

Das Interesse der Bevölkerung an alten Bäumen sei leider gering, sagt Neidhardt Krauß, Baumgutachter aus Neubrandenburg. Er trug Rekordbäume in die DDG-Liste ein und meint: „Die Bevölkerung interessiert sich für das Schicksal alter Bäume nur, wenn es ihnen schmackhaft gemacht wird.“ Ansonsten entstehe kaum Interesse.

Eine üppige Hängebuche – Stammumfang 3,45 m, Kronendurchmesser 12 m, Höhe etwa 20 m – steht auf dem Innenhof der Kreisverwaltung Nordwestmecklenburg in der Rostocker Straße in Wismar. Quelle: Heiko Hoffmann

Doch nicht erst seit der Bewegung „Fridays for Future“ ist steigendes Umweltbewusstsein zu beobachten. Bäumfällungen zwischen Rostock und Grevesmühlen werden zunehmend kritisch hinterfragt. Proteste werden lauter. Als für einen Neubau der Kreisverwaltung von Nordwestmecklenburg 16 Bäume am Mühlenbach in Wismar gefällt wurden, hagelte es Kritik. Immerhin: Eine Hängebuche blieb. 31 000 Euro wurden zum Erhalt des stattlichen Baumes auf dem Innenhof eingesetzt. Damit das Naturdenkmal nicht durch die Baumaßnahmen geschädigt wurde, erhielt der wertvolle Baum einen Pflegeschnitt und einen Wurzelvorhang, so dass die Wurzeln nicht in Richtung Neubau wachsen. Der Einsatz hat sich gelohnt, der Baum sieht heute prächtig aus.

Heiko Hoffmann und Christopher Gottschalk

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