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Mecklenburg Grevesmühlen Mehr Selmsdorfer Geschichte und Geschichten
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07:25 29.08.2019
Neubaugebiete prägen heute einen Großteil des Ortsbildes von Selmsdorf. Die meisten Einwohner sind seit 1990 zugezogen. Quelle: Jürgen Lenz
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Selmsdorf

Die Wende kam von jetzt auf gleich. Mit dem 9. November 1989 hat sich im früheren Grenzort Selmsdorf vieles verändert. Die Zeit danach bis heute beleuchtet Christiane Woest in einem zweiten Teil der ChronikSelmsdorf: Geschichte und Geschichten. Ein Heimatbuch“. Die in Selmsdorf lebende Historikerin kündigt an: „Nächstes Jahr im Oktober soll es erscheinen.“ Das wäre pünktlich zum Jubiläum „30 Jahre Deutsche Einheit“. Herausgeber wird wieder die Gemeinde sein. Wie weit ist Christiane Woest mit ihrer Arbeit am neuen Buch? „Mitten drin“, antwortet die 44-Jährige.  Sie knüpft Kontakte zu Zeitzeugen, recherchiert, schreibt.

Menschenbilder geplant

Die Chronistin kündigt an: „Es wird, wie im ersten Teil, wieder Menschenbilder geben.“ Unter den Selmsdorfern, die Christiane Woest im ersten Teil des Heimatbuches vorstellte, war neben Edith Kleinfeld und vielen anderen auch Horst Bachmann, der 1961 als 28-Jähriger zuerst stellvertretender Bürgermeister wurde und zwei Jahre später das Amt des Bürgermeisters übernahm. 1984 war er der dienstälteste Bürgermeister im Kreis Grevesmühlen. Er blieb es bis 1990. Bei der ersten Wahl nach der Wende bekam Petra Piechocki die meisten Stimmen. Auf sie folgten Achim Stiebitz als amtierender Bürgermeister und Detlef Hitzigrat, der 1994 gewählt wurde und bis 2014 im Amt blieb. Sein Nachfolger: Marcus Kreft.

Die Gemeinde Selmsdorf hat seit der Wende eine rasante Entwicklung genommen. Eine Auswahl von Fotos aus dem Zeitungsarchiv gibt einen kleinen Einblick.

Christiane Woest nennt einen Tag, an dem die Gemeindevertreter eine wichtige Weiche für die Zukunft von Selmsdorf stellten. Es war der 30. September 1990, als sie einen Bebauungsplan für ein Gewerbegebiet „An der Trave“ beschlossen. Es entstand direkt vor den Türen von Lübeck auf dem Gelände der Grenzübergangsstelle. In späteren Jahren folgten Bebauungspläne für zwei weitere Gewerbegebiete in unmittelbarer Nachbarschaft und für mehrere Wohnbaugebiete. Seitdem haben sich zahlreiche Betriebe in Selmsdorf angesiedelt und die Zahl der Einwohner hat sich mehr als verdoppelt. 1990 lebten in der Gemeinde 1450 Frauen, Männer und Kinder. Elf Jahre später waren es bereits 2000. Jetzt sind es 3200. Das zeigt auch: Weniger als die Hälfte der heutigen Einwohner wohnte bereits zur Zeit des Mauerfalls in der Gemeinde. Viele sind seitdem zugezogen – vor allem aus Lübeck.

Christiane Woest (44), Historikerin aus Selmsdorf Quelle: Jürgen Lenz

Zeitzeugen willkommen

Auch auf diese Entwicklung wird Christiane Woest in der Chronik eingehen. Sie führt Gespräche, wertet Zeitungen, Zeitschriften und Fotos aus, sichtet Material aus Schulen. Behandeln wird sie nicht nur die Zeit seit dem Fall der Mauer, sondern noch einmal, wie bereits in Teil eins, die Jahre 1945 bis 1989. Warum das? Christiane Woest nennt einen Grund: „Viele haben sich jetzt erst getraut, etwas zu sagen.“ Auch seien noch Fluchtgeschichten gekommen – und Geschichten aus der Aufbauzeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch bekam die Historikerin mittlerweile viele weitere Fotos aus DDR-Zeit, die zeigen, wie damals Menschen in der Gemeinde gelebt haben. Dann nennt Christiane Woest einen weiteren Grund dafür, dass sie sich erneut der Zeit zwischen 1945 und 1989 widmet: „Ich möchte die Türen öffnen für alle, die noch etwas sagen möchten.“ Sie erhofft sich weitere Geschichten und sagt: „Alle, die möchten, können sich bei mir melden.“ Erreichbar ist Christiane Woest unter der Telefonnummer 038823/22026, in der Hinterstraße 11 und unter der E-Mail-Adresse chwoest@gmx.de.

Band eins ist weiter gefragt

Wie haben Einwohner der Gemeinde auf Teil eins der Chronik reagiert? „Positiv“, antwortet die Historikerin. Dann fügt sie hinzu: „Die Menschen haben sich gefreut.“ Gerade die Menschenbilder hätten viele berührt.

Teil eins ist weiterhin zu haben – in der Bibliothek im Gemeindehaus und bei Christiane Woest. Sie erklärt: „Das Buch wird immer noch gekauft, oft als Geschenk.“ Für Teil eins übernahm Udo Gutschke die redaktionelle Begleitung. Diese Aufgabe erledigt er auch für den zweiten Band.

Wie der erste Band entstand und an die Öffentlichkeit kam.

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Von Jürgen Lenz

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