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Grevesmühlen Missbrauch der Tochter: Bewährung statt Gefängnis
Mecklenburg Grevesmühlen Missbrauch der Tochter: Bewährung statt Gefängnis
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07:00 01.08.2014
Ein Mädchen spielt in einer Kinderschutzeinrichtung mit einem Puzzle (Symbolbild). Ein ehemaliger Lehrer soll sich vor 16 Jahren in einem Ort bei Lüdersdorf (Nordwestmecklenburg) an einer damals Sechsjährigen vergangen haben. Quelle: Roland Holschneider/dpa
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Schwerin

In einem Berufungsverfahren vor dem Schweriner Landgericht ist ein 71-jähriger, ehemaliger Lehrer wegen sexuellen Missbrauchs der eigenen Tochter in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden – auf Bewährung. Jochen S. hatte sich vor etwa 16 Jahren in seinem Haus in einem kleinen Dorf bei Lüdersdorf an der damals Sechsjährigen vergangen. Das Landgericht reduzierte damit die Strafe, die noch vor anderthalb Jahren vom Wismarer Amtsgericht verhängt worden war. Drei Jahre und zwei Monate Haft hieß es damals. „Wir haben gedacht, er geht ins Gefängnis“, sagt Annegret S., die Mutter des Opfers und Noch-Ehefrau des Verurteilten. Sie leben in Scheidung.

Aus dem Landgericht gab es auf Nachfrage keine Stellungnahme. „Unsere eigenen Entscheidungen kommentieren wir nicht“, sagte Dr. Karsten Dißmann, Vizepräsident des Landgerichts. Aus der Urteilsbegründung geht hervor, dass es sich um einen minder schweren Fall gehandelt habe. „Die körperlichen Beeinträchtigungen der Geschädigten waren verhältnismäßig gering“, so die Begründung.

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Allerdings soll es noch weitere Übergriffe gegeben haben. Zwei Halbschwestern des Opfers hatten S. vor Gericht belastet. Annegret S. berichtet, ihr Mann habe heimlich eine Wohnung in Hamburg gemietet. Auch ein zweites geheimes Handy habe sie gefunden. In der Kontaktliste hätten nur Mädchennamen gestanden.

Jochen S. hat Sozialpädagogik studiert und als Lehrer gearbeitet, unter anderem etwa 20 Jahre lang an der Beruflichen Schule der Hansestadt Lübeck. Auch in einer psychiatrischen Einrichtung für Kinder und Jugendliche in Lübeck soll Jochen S. gearbeitet haben. Er und seine Frau haben eine Tochter und einen Sohn.



Robert Niemeyer