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Grevesmühlen Mit Spaß vor und hinter der Kamera
Mecklenburg Grevesmühlen Mit Spaß vor und hinter der Kamera
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07:08 03.06.2014
Das Jugendfilmstudio Grevesmühlen bei Filmaufnahmen Quelle: Werner Geske
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Grevesmühlen

Es ist die Story von der zwölfjährigen Janne-Marie, die beim Turnen am Klettergerüst ihr Handy verliert und dann zu Boden stürzt. Die gleichaltrigen Mitschüler Leonhard und Emil nutzen die kurze Besinnungslosigkeit des Mädchens und entwenden das Telefon. Um Janne-Marie, die nach dem Sturz an Gedächtnisverlust leidet, kümmern sich ihre Schulfreundinnen Lara und Josie. Die Diebe Leonhard, Emil und ihre Kumpanin Lara aber setzen alles daran, dass sich der Zustand von Janne-Marie weiter verschlechtert, die Erinnerung nicht zurückkehrt.

Eine aufregende Geschichte, die sich Dieter Kowalski (59), Leiter des Kinder- und Jugendfilmstudios Grevesmühlen (KJF), und die Mädchen und Jungen seiner achtköpfigen Aufnahmegruppe da haben einfallen lassen. Wie sie ausgeht, wird erstmals bei der Premiere des neuen Films Anfang 2015 zu erfahren sein.

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Das große Pläneschmieden steht regelmäßig zu Jahresbeginn auf dem Plan. Dann werden Vorschläge für die Filme des Jahres gesucht. „Gemeinsam entwickeln wir Ideen für die Filme, und dabei streiten wir manchmal auch ganz ordentlich. Denn jeder von uns will natürlich, dass seine Idee genommen wird“, sagt Emil Priel (12).

Hoch im Kurs stehen bei den Nachwuchsfilmern Krimis und Liebesfilme. Auch Dieter Kowalski und Jan Kadura (48), die hauptberuflichen KJF-Mitarbeiter, schlagen das eine oder andere Thema vor. Nicht immer von den jungen Leuten akzeptiert. „Macht aber nichts, gerade den Meinungsstreit und die Auseinandersetzung mit den Filmthemen halten wir für sehr wichtig. Es trägt dazu bei, die Persönlichkeit der 40 jungen Leute zu entwickeln“, betonen sie.

Diese Diskussionen führen dazu, dass sich die Grevesmühlener Produktionen durch Vielfalt auszeichnen. So entstanden die Geschichte vom „Kaninchen in der Kochmütze“ ebenso wie die Streifen „Für die Liebe noch zu mager“, „Romeo und Julia“, oder die Streiche des Luftikus „Alfons Zitterbacke“.

Doch auch mit Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit setzen sich die jungen Leute auseinander. Ihr Film „Nur Deutsch allein macht auch nicht glücklich“ ist ein Beispiel dafür. Der Streifen wird an Schulen Westmecklenburgs zur Ergänzung des Unterrichts genutzt.

Dieter Kowalski und Jan Kadura stehen schon seit Jahrzehnten mit den jungen Leuten vor und hinter der Kamera. Zu DDR-Zeiten verdienten sie sich im 1952 gegründeten Pionierfilmstudio Grevesmühlen ihre ersten Sporen. „Der inzwischen verstorbene Horst Meyer, der das Studio begründete, war es, der uns für die Filmerei begeisterte. Diese Leidenschaft hat er auf mich übertragen, sie hat mich nicht mehr losgelassen hat“, sagt Kowalski. Ihren Enthusiasmus geben die Männer bereits an die dritte Generation junger Filmamateure weiter. Jahr für Jahr entstehen sechs bis acht Streifen im modernen Studio unterm Dach des Vereinshauses am Kirchplatz 5.

Kinder und Jugendliche von der fünften bis zur 12. Klasse werden unter Anleitung der Fachleute zu Regisseuren, Drehbuchautoren, Kameraleuten, Licht- und Tongestaltern, Schnittmeistern oder Schauspielern. „Jeder von uns muss da mal ran. Deshalb ist es auch nie langweilig“, meint Lara Peter (12). Ob sie und ihre Freunde einen Beruf in der Filmbranche ergreifen werden? „Ich beeinflusse sie nicht, diese Richtung einzuschlagen. Für mich ist es wichtig, dass sie lernen, im Team zu arbeiten, Aufgaben zu erfüllen und Spaß zu haben“, sagt Kowalski.



Werner Geske

03.06.2014