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Grevesmühlen Müllgebühren in Nordwestmecklenburg werden deutlich teurer
Mecklenburg Grevesmühlen Müllgebühren in Nordwestmecklenburg werden deutlich teurer
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09:07 22.11.2019
Entsorgung der Gelben Tonne in Grevesmühlen. Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Die Einwohner von Nordwestmecklenburg müssen für die Müllgebühren ab dem kommenden Jahr tiefer in die Tasche greifen. Im Schnitt werden die Preise um 18 Prozent steigen. Das geht aus der Kalkulation des Abfallwirtschaftsbetriebes hervor, die Betriebsleiter Norbert Frenz jetzt den Fachausschüssen vorstellte.

Der Kreistag muss die Gebührensatzung noch absegnen. Allerdings gibt es laut den Verantwortlichen keine Alternative zu den höheren Preisen für die Müllabfuhr.

So kostet eine 120-Liter-Tonne, wie sie beispielsweise in einem Vier-Personen-Haushalt verwendet wird, nach der neuen Gebührensatzung (bei zweiwöchiger Entleerung) nicht mehr 151,44 Euro pro Jahr, sondern ab dem 1. Januar 179,38 Euro. In absoluten Zahlen bedeutet das für den Abfallwirtschaftsbetrieb, dass der Umsatz beim Restabfall von 2,4 Millionen Euro jährlich auf 2,8 Millionen Euro anwächst. Die Gebühren sollen für die Jahre 2020 bis 2022 gelten.

Sperrmüllentsorgung kostet inzwischen das Dreifache

Wie Norbert Frenz erläuterte, sei die Anhebung der Gebühren die logische Konsequenz aus der Entwicklung auf dem Abfallmarkt. „Denn der ist sozusagen am Boden. Wir haben die Leistungen neu ausgeschrieben, Remondis, einer der Marktführer in Europa, hat sich nicht einmal mehr beworben.“ Und die Firmen, die sich um die Aufträge beworben haben, hätten die Preise deutlich nach oben geschraubt.

Norbert Frenz, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes Nordwestmecklenburg Quelle: Michael Prochnow

Zudem seien die Kosten für die Weiterverarbeitung und Entsorgung der Abfälle nahezu explodiert. Musste der Landkreis vor einigen Jahren pro Jahr noch rund 100 000 Euro aufwenden, um den Sperrmüll in Nordwestmecklenburg einsammeln und entsorgen zu lassen, so geht es nun um mehr als eine Million – pro Jahr. Die Abholung ist dabei mit jährlich rund 450 000 Euro, das sind knapp 100 000 Euro mehr als aktuell, noch das kleinere Übel.

„Die Entsorgung von Sperrmüll bereitet uns richtig Probleme“, so Norbert Frenz. Die Stoffe müssten getrennt und separat entsorgt werden. Und das kostet inzwischen rund 632 000 Euro pro Jahr, statt wie in den Vorjahren 235 000 Euro. „Holz war dabei früher noch ein Rohstoff, heute ist das teurer Abfall.“

Sperrmüll wird zum Kostenfaktor für die Entsorger. Quelle: Peter Binder

Den Vorschlag einiger Kreistagsmitglieder wie zum Beispiel von Christian Albeck (SPD), künftig Gebühren für die Sperrmüllabfuhr zu erheben – bislang ist das in Nordwestmecklenburg kostenlos – bremste Frenz vorerst aus. „Das würde die Kalkulation über den Haufen werfen. Ich würde vorschlagen, dass dieses Thema in aller Ruhe diskutiert und dann in den Ausschüssen und im Kreistag beraten wird.“

Denn Annett Pahl (SPD), Bürgermeisterin von Dassow und Mitglied im Kreistag sowie im Umweltausschuss, warnte vor den Folgen. „Wir müssen als Kommune dann die Waschmaschinen aus den Wäldern sammeln, wenn die Entsorgung plötzlich Geld kostet.“ Ganz egal wie hoch der Betrag sei, er werde die Leute abschrecken.

Annett Pahl, Bürgermeisterin aus Dassow warnt vor einer Gebühreneinführung für Sperrmüll. Quelle: SPD

Papier wird zum Ladenhüter

Nicht nur Sperrmüll sorgt bei den Abfallwirtschaftsbetrieben für Probleme. Auch Papier, ehemals ein begehrter Rohstoff, ist inzwischen ein Ladenhüter. Verdienten die Entsorger in früheren Jahren mit der Weiterverarbeitung von Altpapier und Pappe gutes Geld, bleiben sie heute auf den Papierbergen sitzen. Norbert Frenz rechnete vor, dass allein die Entsorgung der Papiertonne im Landkreis statt wie bisher 100 000 Euro künftig 140 000 Euro kosten werde, dazu käme erschwerend hinzu, dass der Erlös von ehemals rund 96 000 Euro pro Jahr auf 56 000 Euro geschrumpft sei, was für die Kalkulation erhebliche Auswirkungen habe. Selbst Bioabfall kostet zehn Prozent mehr in der Entsorgung.

Die Entleerung der Biotonne belastet den Abfallwirtschaftsbetrieb. Quelle: Achiv

Wie Frenz erklärt, habe er mit den Verwaltungen in anderen Landkreises gesprochen. „Die haben alle die gleichen Probleme.“ Lediglich die Stadt Schwerin hat die Müllgebühren aktuell um zwei Prozent gesenkt. „Eine Erklärung dafür habe ich leider nicht“, so der Betriebsleiter. „Aber es handelt sich hier auch um eine Stadt mit anderen Strukturen, und möglicherweise gibt es dort eine andere Vertragslage. An unserer Situation jedenfalls ist nichts zu ändern.“

Deponieschließung verändert Preisgefüge

Die Gründe für die Preissteigerungen liegen jedoch nicht allein in der Marktsituation, wie Norbert Frenz erklärt. Auch die Entwicklung auf dem Ihlenberg schlägt sich preislich bis zu den Einwohnern in Nordwestmecklenburg durch. Aufgrund der Tatsache, dass die Deponie nur noch bis 2035 betrieben werden darf, habe die IAG die Preise angepasst. „Auch das mussten wir bei der Kalkulation mit einberechnen.“

Mehr zum Thema:

Das sagt Selmsdorf Bürgermeister zur Schließung der Deponie Ihlenberg.

So wehrt sich die Stadt Grevesmühlen gegen illegale Müllentsorgung.

Deshalb müssen Firmen für die Entleerung der blauen Tonne bezahlen.

Alle Infos zum Abfallwirtschaftsbetrieb und der Online-Anmeldung für Sperrmüll.

Von Michael Prochnow

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