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Grevesmühlen Neue Abgabe in Sicht: Zweitwohnungssteuer in Schönberg
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Neue Abgabe in Sicht: Zweitwohnungssteuer in Schönberg

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17:00 17.01.2020
Ferienhäuser nahe der Ostsee sind Hauptquellen für über 64 000 Euro Zweitwohnungssteuer, die Dassow 2019 kassiert hat. Quelle: Jürgen Lenz
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Schönberg

Lüdersdorf hat sie, Dassow hat sie, Menzendorf ebenfalls: die Zweitwohnungssteuer. Jetzt ist sie auch in Schönberg in Sicht. Die sechs anwesenden Mitglieder des Finanzausschusses der Stadtvertretung haben sich am Donnerstagabend einstimmig dafür ausgesprochen, die Abgabe einzuführen.

Der Hintergrund: Die Anfang 2019 mit Schönberg zusammengeschlossene Gemeinde Lockwisch hatte eine rechtsgültige Satzung zur Erhebung einer Zweitwohnungssteuer. Lockwisch war im Schönberger Land die erste Kommune, die diese Möglichkeit nutzte, zusätzliches Geld einzunehmen. 2005 beschlossen die Gemeindevertreter, die Zweitwohnungssteuer einzuführen. Die finanzielle Lage der Kommune war damals desaströs. Später führten drei weitere Kommunen im Schönberger Land eine Zweitwohnungssteuer ein, um mehr Geld in die Kasse zu bekommen: Dassow, Lüdersdorf und Menzendorf.

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Steuereinnahmen sind sehr unterschiedlich

Die Einnahmen sind sehr unterschiedlich. Mit Abstand am meisten Geld kassiert Dassow, denn in den Ortsteilen nahe der Ostsee gibt es zahlreiche Ferienhäuser und -wohnungen. Die Zweitwohnungssteuer wird in der Regel für Ferienobjekte erhoben, wenn eine Eigennutzung nicht ausgeschlossen ist. Wie das Amt Schönberger Land auf Anfrage mitteilte, nahm Dassow im vorigen Jahr 64 100 Euro Zweitwohnungssteuer ein. 2011 waren es erst 37 100 Euro.

Im selben Jahr kassierte Lüdersdorf nur 1500 Euro Zweitwohnungssteuer. 2019 waren es in Lüdersdorf immerhin 9560 Euro. Menzendorf nahm im vorigen Jahr 1900 Euro ein. In Grevesmühlen waren es nach Auskunft des Amtes Schönberger Land 5320 Euro. Für die ehemalige Gemeinde Lockwisch wurden dem Stadthaushalt von Schönberg im vorigen Jahr 860 Euro Zweitwohnungssteuer zugeschrieben.

Über eine Zweitwohnungssteuer berieten am Donnerstag die Mitglieder des Schönberger Finanzausschusses. Quelle: Jürgen Lenz

Sehr unterschiedlich ist auch, wie viel Prozent der Nettokaltmiete eine Kommune als Zweitwohnungssteuer kassiert. In Grevesmühlen sind es 13, in Schlagsdorf zehn, in Lübeck zwölf, auf der Insel Poel zehn, im Ostseebad Rerik 20 Prozent. Die Mitglieder des Finanzausschusses in Schönberg sprachen sich am Donnerstagabend einstimmig für zehn Prozent aus. Marco Lau (Kommunale Wählergemeinschaft) sagte: „Wir können dann später sehen, wie es sich entwickelt.“ Kassiert werden soll die Zweitwohnungssteuer ab kommendem Jahr.

141 Schönberger mit Nebenwohnung gemeldet

Wie viel Geld sie in die Stadtkasse spülen wird, ist ungewiss. Laut Meldestatistik des Amtes Schönberger Land waren zum Stichtag 18. November 2019 in Schönberg inklusive Ortsteile 141 Einwohner mit Nebenwohnung gemeldet. Nachteil aus Sicht der Stadt: Sie bekommt für Bürger, die mit Zweitwohnung registriert sind, keine Anteile aus der Einkommenssteuer oder andere Einnahmen. Das ist bei Einwohnern mit Hauptwohnung der Fall. Schönberg würde es also auch einen finanziellen Vorteil bringen, wenn Bürger ihren Nebenwohnsitz zum Hauptwohnsitz machen, um dadurch die Zweitwohnungssteuer zu sparen. Dann fließt mehr Einkommenssteuer. Denkbar ist aber auch, dass Bürger ihre Zweitwohnung abmelden, um der Abgabe zu entgehen.

Bereits fest steht: Nicht alle Nebenwohnsitze in Schönberg werden steuerpflichtig sein. Die Mitglieder des Finanzausschusses plädieren einstimmig dafür, Ausnahmen zuzulassen, die in der Nachbargemeinde Lüdersdorf gelten: Gartenlauben, Wohnungen von Trägern der Jugendhilfe und der Wohlfahrtspflege, Wohnungen in Pflegeheimen, dritte und weitere Wohnungen. Der Ausschussvorsitzende Ronny Freitag sagte, er finde es gut, dass ein weiterer Personenkreis keine Steuer zahlen soll: Einwohner bis 25 Jahre, die eine Schulausbildung oder Lehre absolvieren. Eine weitere Ausnahme soll für Wohnungen gelten, die jemand aus beruflichen Gründen hält, dessen eheliche Wohnung sich in einer anderen Gemeinde befindet.

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Von Jürgen Lenz

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