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Grevesmühlen Petri Heil! Wer hier angeln will, braucht zwei Dokumente
Mecklenburg Grevesmühlen Petri Heil! Wer hier angeln will, braucht zwei Dokumente
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00:00 29.07.2015
Fast fünf Kilogramm wiegt dieser Hecht. Das Maul des Fisches ist so groß, das darin eine ausgewachsene Faust locker Platz findet. Aber Achtung: Wer hierzulande ohne Genehmigung fischt, kriegt umgekehrt schnell die Hand des Gesetzes zu spüren. Quelle: Norbert Fellechner
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Wismar

Warum Männer so gern angeln? „Weil wir es können“, sagt Guido Staack lachend. „. . . hinsetzen und ins Leere gucken“, fügt der 46-Jährige mit einem Zwinkern hinzu.

Aus ihm spricht der Profi. Seit über 25 Jahren ist die Angelei buchstäblich sein Geschäft. Von seinem Vater hat er ein Fachgeschäft übernommen. In der ABC-Straße ist Staack seit Jahrzehnten Anlaufstelle für alle, die gern die Stippe ins Wasser halten.

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In den Regalen seines Ladens blinkert und glitzert es in allen Farben, Formen und Materialien. Ruten aller Preisklassen ragen quer durch den Laden in die Höhe. Es gibt Kescher, Zubehör und Klamotten — alles, was Anglerherzen höher schlagen lässt. Übrigens auch die der weiblichen Fans. Die nehmen nämlich tatsächlich zu. „Ich habe schon erlebt, dass Frauen ins Geschäft kommen, einen bunten Blinker kaufen, den Haken abmontieren und das Teil dann als Ohrring tragen“, plaudert Staack aus dem Nähkästchen. Anglerlatein? „Nichts da. Die volle Wahrheit“, schwört der humorvolle Geschäftsmann.

Bei ihm kann sich jeder rund um Rute und Co. vertrauensvoll Rat holen. Denn das Angeln in Deutschland unterliegt jeder Menge Regeln. „Es besteht Fischereipflicht“, erklärt Guido Staack.

Klartext: „Wer angeln will, braucht einen Fischereischein.“ Der wird entweder auf Lebenszeit ausgestellt, was eine bestandene Sachkundeprüfung voraussetzt, oder für Touristen, die sich fürs Angeln interessieren, auch vorübergehend herausgegeben.

„Touristen können zu uns kommen“, erklärt dazu Beatrix Müller, Mitarbeiterin im neu eröffneten Bürger-Servicecenter. „So ein Touristenfischereischein, den durchaus auch Einheimische nutzen, gilt für 28 Tage und kostet 24 Euro. Er kann auch beliebig verlängert werden“, so die Fachangestellte.

Doch Achtung: Dieser Schein legitimiert lediglich, angeln zu dürfen. Es braucht zusätzlich die sogenannte Gewässerkarte. „Die gibt es sowohl für die Ostsee als Landeseigentum als auch für Binnengewässer, die oft in privatem Besitz sind“, erklärt Guido Staack. In seinem Geschäft können Interessenten ein sogenanntes Gewässerverzeichnis erwerben. Darin sind alle relevanten Fischer und Vereine aufgelistet, die angefragt werden müssen. „Der Angler ist in der Pflicht, sich um die Genehmigung zu kümmern“, bringt Staack es auf den Punkt. Das Fischereigesetz ist streng. Beatrix Müller weiß: „Wer keinen Fischereischein hat, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Wer ohne Genehmigung in fremden Gewässern fischt, begeht sogar eine Straftat.“ Merke: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es keine freien Angelgewässer. Und es braucht immer zwei Dokumente, um angeln zu dürfen.

Mit seinen Küsten und Gewässern ist, was die private Fischerei betrifft, Deutschland pingelig. „In Schweden, Dänemark und Norwegen sind die Küstengewässer komplett frei“, erzählt Angel-Profi Staack.

„Dort gilt das Jedermannsrecht. Bei uns gibt‘s andere Richtlinien, die sogar von Bundesland zu Bundesland variieren.“

Informationen & Prüfung
Die Prüfungsbehörde für die Abnahme der Fischereischeinprüfung ist das Bürger-Servicecenter der Hansestadt Wismar im Stadthaus am Markt. Der nächste Lehrgang findet am 29. August von 8.30 bis 16 Uhr und am 30. August von 9 bis 16 Uhr in der Jugendherberge Wismar statt. Anmeldungen über den Angelshop Staack, ABC-Straße 7, ☎ 03841/212078 oder unter jens.feissel@bodden-angeln.de. Die nächste Prüfung im Rathaus findet dann am 9. September statt.

Infos rund um die Fischerei und ihre Gesetze gibt es unter www.lallf.de.



Ina Schwarz