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Grevesmühlen Prozess um Kindesmissbrauch in Schönberg: So versuchte Michael E. die Beweise zu vernichten
Mecklenburg Grevesmühlen

Prozess um Kindesmissbrauch in Schönberg: Angeklagter wollte Beweise vernichten 

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18:00 12.01.2022
Der Verhandlungssaal im Schweriner Landgericht.
Der Verhandlungssaal im Schweriner Landgericht. Quelle: Michael Prochnow
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Schönberg

Seit dieser Woche muss sich vor dem Schweriner Landgericht ein 47-Jähriger aus Nordwestmecklenburg wegen Kindesmissbrauchs verantworten. Der Familienvater, der seit Februar 2021 in Untersuchungshaft sitzt, hatte zu Verhandlungsbeginn am Dienstag alle Vorwürfe eingeräumt. Ihm droht eine Haftstrafe zwischen fünf und sieben Jahren. Laut Staatsanwaltschaft geht es um insgesamt 27 Fälle, die sich über einen Zeitraum von anderthalb Jahren erstrecken.

In dieser Zeit hatte der Familienvater die anfangs sieben Jahre alte Freundin seiner Tochter mehrfach vergewaltigt. Er hatte sich bei den Taten regelmäßig mit dem Handy gefilmt, teilweise hatte sogar das Opfer die Kamera gehalten. Die Dateien, 133 Videos und 257 Fotos, sind die Grundlage für die Anklage der Staatsanwaltschaft. Doch fast hätte der Familienvater die Beweismittel im letzten Moment vernichtet.

Lebensgefährtin findet USB-Stick am TV-Gerät

Das war passiert: Am 25. Februar 2021 hatte die Lebensgefährtin des Mannes und Mutter der gemeinsamen Tochter einen USB-Stick entdeckt, der im Fernseher steckte. Als sie die Dateien abrief, konnte sie kaum glauben, was sie dort sah. Michael E. beim Sex mit der besten Freundin der Tochter – das Mädchen war zu diesem Zeitpunkt acht Jahre alt. Sie informierte ihre Freundin, diese meldete den Vorfall schließlich bei der Polizei.

Am Abend des 26. Februar rückten Beamte im Haus des mutmaßlichen Kinderschänders an, sie hatten einen Haftbefehl und einen Durchsuchungsbeschluss dabei. Michael E. reagierte nach Aussage der Polizei gefasst. Auf Nachfrage, ob sich Datenträger im Gebäude befinden, erklärte er, dass er sämtliche USB-Sticks verbrannt und die Telefone zerstört habe. Er habe geahnt, dass er aufgeflogen sei, deshalb habe er vorgesorgt.

Gerangel mit der Polizei

Trotzdem durchsuchten die Ermittler das Eigenheim, das sich in einem kleinen Dorf unweit der Hansestadt Lübeck befindet. Eine Kripobeamtin wurde schließlich fündig. Zwischen Wäschestücken fand sie ein Mobiltelefon. Michael E. reagierte in diesem Moment panisch, er riss der Polizistin das Handy aus der Hand, warf sie dabei zu Boden und schmiss das Gerät in die Toilette. Bevor er die Spülung drücken konnte, war ein zweiter Beamter zu Hilfe geeilt. Beiden gelang es dann, den schmächtigen Mann zu fixieren, bevor er die Spülung betätigen konnte. Die Beweise wurden im letzten Moment gesichert.

Über 4000 Fotos und rund 1200 Videos

Später fanden die Spezialisten nicht nur die 133 Videos und 257 Fotos, die die Taten von Michael E. dokumentierten, bei denen er das Opfer aus Schönberg missbraucht hatte. Auf insgesamt 28 Datenträgern befanden sich mehr als 4000 Fotos und rund 1200 Videos mit Kinderpornos. Monatelang wertete die Staatsanwaltschaft die Dateien aus, die Anklage stützt sich auf die Inhalte der Filme und Fotos.

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Für den Prozess sind mehrere Verhandlungstage angesetzt, das Urteil soll voraussichtlich Ende März fallen.

Von Michael Prochnow